Kishida in Moskau: Tokio hat die Südkurilen-Inseln nicht abgeschrieben

23. September 2015
Kishida in Moskau: Tokio hat die Südkurilen-Inseln nicht abgeschrieben
International
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Tokio/Moskau. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich in Moskau mit seinem japanischen Amtskollegen Fumio Kishida getroffen. Es war der erste Rußland-Besuch eines japanischen Spitzendiplomaten seit Dezember 2012.

Der Besuch ist insofern bemerkenswert, als ein Besuch des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew auf Iturup, einer der umstrittenen Südkurilen-Inseln, im August zu erheblicher Verstimmung in Tokio geführt hatte. Die Inseln sind – vergleichbar etwa den deutschen Ostgebieten – seit Kriegsende von Rußland (bzw. der früheren UdSSR) besetzt und werden von Tokio nach wie vor als eigenes Staatsterritorium beansprucht.

Für die russische Seite stand zwar das Thema Handels- und Wirtschaftskooperation im Mittelpunkt. Der japanische Außenminister Kishida bereitete sich aber bereits im Vorfeld auch auf §schwierige Verhandlungen über das Problem der ‚nördlichen Territorien‘§ vor. Er rechne jedoch damit, §den Schlüssel für die Wiederaufnahme des gegenseitigen Dialogs über einen Friedensvertrag zu finden§.

In Moskau ist man über das Kurilen-Thema wenig begeistert. Die offizielle Linie des Kreml umriß erst kürzlich eine Äußerung des russischen Vizeaußenministers Igor Morgulow: „Wir führen mit Tokio keinen Dialog über das ‚Kurilen-Problem‘. Diese Frage wurde vor 70 Jahren geregelt. Mit der japanischen Seite verhandeln wir ausschließlich über das Thema Friedensvertrag.“ In Tokio sieht man das allerdings auch siebzig Jahre nach Kriegsende anders. (mü)

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2 Kommentare

  1. A.S. sagt:

    Japan ist nicht nur in Bezug auf die Währung der eigenen teritorialen Interessen ein Vorbild für die Deutschen, sondern vor allem auch in der Ausländerpolitik.
    Nippon ist bis heute rein japanisch bevölkert, Ausländer sind im Land der aufgehenden Sonne bis heute eine verschwindende Minderheit.
    Die Japaner haben sich ihr Selbstwertgefühl ungebrochen bewahrt, obwohl ihre Niederlage,gegen die nach Weltherrschaft greifenden VSA 1945, genauso katastrophal war wie die der Deutschen.
    Respekt und eine zackige rituelle Verbeugung nach Tokio! „Der Tod ist leicht wie eine Feder, die Pflicht wiegt schwer wie ein Berg!“

    • vratko sagt:

      In der Ausländerpolitik, von der wir uns ruhig eine dicke Scheibe abschneiden können, absolut richtig gedacht, aber ist Japan wirklich souverän? Sind nicht auch VS-Militärbasen in Japan aufgebaut und ist Japan nicht Teil vom VS-Einschliessungsring gegen Russland und China? Nur in diesem Zusammenhang verstehe ich die japanische Aussenpolitik.

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