PEGIDA-Streit: Düsseldorfer Demo-Organisator schmeißt wegen Personal-Zwist hin

3. Januar 2015
PEGIDA-Streit: Düsseldorfer Demo-Organisator schmeißt wegen Personal-Zwist hin
National
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Düsseldorf/Bonn. Innerhalb des nordrhein-westfälischen Ablegers der PEGIDA-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) hat ein Personalstreit zum Austritt eines der Organisatoren geführt.

Alexander Heumann, bisheriger Verantwortlicher der Kundgebungen in Düsseldorf und nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der AfD-nahen „Patriotischen Plattform“, erklärte in einer Pressemitteilung sein Ausscheiden. Grund dafür ist laut Heumann die Personalie Melanie Dittmer. Die 36-Jährige ist Mitglied im Landesvorstand der islamkritischen Partei PRO NRW und seit kurzem zugleich Pressesprecherin von PegiD NRW, dem nordrhein-westfälischen PEGIDA-Ableger. Im Interview mit „Spiegel TV“ erklärte sie kürzlich auf Nachfrage zu ihrer Vergangenheit in der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), es sei für sie „völlig unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat. Das ist 70 Jahre her!“

Daran stößt sich Heumann: „Stets bin ich einer weit verbreiteten ‚Abgrenzeritis‘ im konservativen Lager und der stets lauernden Gefahr entgegengetreten, in die von links-liberaler Seite bereit gehaltene Falle des ‚divide et impera‘ zu treten“, so der Düsseldorfer. Aber ebenso unerschütterlich sei es seine Überzeugung, „daß man sich niemals von rechtsextremen Holocaust-Relativierern vereinnahmen lassen darf.“ Daß Dittmer „eine rechtsextreme Vergangenheit nicht nur hat, sondern diese auch nicht für erklärungs- und reformierungsbedürftig hält“ habe er daher mit Bedauern zur Kenntnis genommen. „Der Holocaust wurde kaltschnäuzig relativiert, wenn nicht sogar öffentlich insgesamt in Frage gestellt“, wirft er Dittmer vor; dies sei ungeachtet seiner persönlichen Ablehnung der strafrechtlichen Verfolgung politischer oder historischer Ansichten, „mögen sie noch so abwegig sein“, eine seinem Verständnis von PEGIDA und seinen Ablegern vollkommen widersprechende Geisteshaltung.

Zudem sieht er durch Dittmers Amt im PRO NRW-Landesvorstand die von PEGIDA formulierte Richtlinie der Überparteilichkeit infrage gestellt. „Meinen insoweit dringlich vorgetragenen Bedenken wurde bislang nicht Rechnung getragen – m. E. nicht etwa aus rechtsextremer Gesinnung, sondern weil man den Ernst der Angelegenheit und die Fragwürdigkeit derartiger Äußerungen leider bislang nicht erkennt“, so Heumann weiter. Darin sehe er „einen momentanen bedenklichen Mangel und unüberwindliches Hindernis, das mir – jedenfalls derzeit – eine weitere Mitarbeit bei PEGIDA unmöglich macht.“ Vor diesem Hintergrund nehme er Abstand von jeglicher weiterer Mitverantwortung für PEGIDA-Kundgebungen in Nordrhein-Westfalen und melde auch die für den 12. Januar angekündigte Demonstration in Düsseldorf wieder ab. Er sei aber „der festen Überzeugung, daß die bürgerliche Mitte, die sich mit den bundesweiten Ablegern von PEGIDA als außerparlamentarische Opposition etabliert hat, mittelfristig auch das ‚Dittmer-Phänomen‘ überwinden“ können werde.

Dittmer selbst sieht die Sachlage hingegen erwartbar anders. PegiD NRW verliere seine Überparteilichkeit durch ihre Funktion bei PRO NRW keinesfalls, erklärte sie auf Anfrage von ZUERST!. In der Organisation seien zahlreiche Personen ohne Parteizugehörigkeit aktiv, außerdem halte sie ihre Parteimitgliedschaft „aus allem“ heraus. Zudem habe sie im von Heumann kritisierten „Spiegel TV“-Beitrag „nichts“ relativiert, sondern lediglich herausgestellt, „daß es irgendwann mal gut sein muß mit der Erbschuld.“ Man könne die heutige Generation „nicht ständig patriotisch klein halten, indem man die Holocaust-Keule auspackt“, anstatt sich sachlich mit der Gegenwart und beispielsweise PEGIDA zu befassen. Mehr habe sie mit ihrer Äußerung nicht zum Ausdruck bringen wollen, versichert sie.

Angesprochen auf Heumanns Kritik am Umgang mit ihrer Vergangenheit sagt Dittmer: „Mehr als dazu stehen kann man ja nicht.“ Dies sei „seit 18 Jahren vorbei“ und sie bitte darum, sie an ihren „heutigen Taten“ zu messen, da sie sich der „Mea-Culpa-Kultur des ewigen Distanzierens nicht anschließen“ werde. Gerade durch die Aktivitäten in ihrer Jugend habe sie sich „zu einem politisch reifen Menschen werden“ entwickelt, der die Dinge „etwas differenzierter betrachten“ könne als andere. „Sich immer nur danach zu verbalisieren, was andere von einem fordern, hat noch keinen weiter gebracht.“ (lp)

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