„Gender-Wahnsinn“: Wie Volksmusiker Andreas Gabalier ins Visier linker Medien geriet

3. Oktober 2014
„Gender-Wahnsinn“: Wie Volksmusiker Andreas Gabalier ins Visier linker Medien geriet
Kultur & Gesellschaft
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Wien. Er kombiniert Elvis-Tolle mit Karohemd und Lederhose, sieht sich als „Volksrock’n’Roller“, singt von der Heimat, von „ehrlichen und echten Werten“, von „feschen Dirndln“ – und hat damit Erfolg.

Seit 2009 hat der 1984 in Graz geborene Andreas Gabalier vier Studioalben eingespielt, die letzten drei landeten in Österreich auf Platz eins der Album-Charts. Seine jüngste Veröffentlichung (Home Sweet Home) erreichte in Deutschland immerhin den vierten, in der Schweiz den fünften Platz. Volksmusik – etwas aufgepeppt – ist scheinbar gar nicht so tot, wie viele behaupten. Und Österreich taugt immer noch für ein musikalisches Kontrastprogramm zu Conchita Wurst. Jetzt ist der Volksmusiker mit der sympathischen Ausstrahlung ins Visier von Emanzen und linken Inquisitoren geraten.

Und das kam so: Ende Juni gastierte die Formel 1 in Spielberg in der Steiermark. Andreas Gabalier war auserkoren worden, vor den etwa 100.000 Rennsport-Fans die Bundeshymne zu singen. Das tat er auch – nur anders, als es gewisse Leute sich vorgestellt hatten. Er sang nämlich den Originaltext, jenen, der bis 2011 galt, als eine parteiübergreifende Emanzen-Koalition im österreichischen Parlament den Text „geschlechtergerecht“ umgeschrieben und per Bundesgesetz festgelegt hatte. Aus „Heimat bist du großer Söhne“ in der ersten Strophe wurde „Heimat großer Töchter und Söhne“. In der dritten Strophe ersetzten die Feministen die „Brüderchöre“ durch „Jubelchöre“. Geschrieben hat den Ursprungstext übrigens eine Frau: Paula von Preradovic.

Schon war er da – der sommerliche Skandal. Denn Gabalier, das kam in der folgenden Debatte rasch heraus, hatte nicht etwa gedankenlos gehandelt, sondern ganz bewußt den Originaltext gesungen. „Wer Frauen sprachlich ausblendet, macht sie unsichtbar“, tobte die Bundesfrauengeschäftsführerin der SPÖ Andrea Brunner, auch die Grünen waren sehr, sehr empört. Richtig Kontra gab es aber von der früheren Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP), die als politische „Mutter“ der Neufassung gilt. Gabalier habe ein Gesetz mit Füßen getreten und „all jenen Munition gegeben, die wirklich frauenfeindlich sind“, zitierte die Tiroler Tageszeitung Rauch-Kallat. Im Interview mit dem Kurier ging sie noch einen Schritt weiter und forderte, daß man dem Volksmusiker „eigentlich kein Forum mehr geben“ dürfte.

Doch die Zeitung war fair und interviewte auch Gabalier, der nicht etwa einen Rückzieher machte, sondern auch nochmal nachlegte. „Ich verteidige die Ur-Version der Hymne, weil es für mich ein Stück Geschichte ist und die Hymne durch den neuen Text unrund ist“, so der 29jährige. Im Parlament wüßte man doch gar nicht mehr, wie die Menschen im Land denken. Ihm sei aufgefallen: „Wenn die Hymne zur nun diskutierten Stelle kommt, hören die Menschen einfach auf zu singen.“ Und dann kam der entscheidende Satz: „Dieser Gender-Wahnsinn, der in den letzten Jahren entstanden ist, muß wieder aufhören.“ Mit dieser Aussage hatte der Künstler der neben Multikulti heiligsten Kuh des linksliberalen Zeitgeistes die Existenzberechtigung abgesprochen.

Die Empörung über diesen Tabubruch reduzierte sich allerdings auf die politischen Repräsentanten dieses Zeitgeistes. Bei den Bürgern, bei seinen (überwiegend weiblichen) Fans schien Gabalier dagegen offene Türen eingerannt zu haben. „Das Resultat einer Ö3-Umfrage zum Thema geriet für Freunde des freihändigen Genderns zum Fiasko“, brachte die Presse die harten Fakten auf den Tisch. „90,65 Prozent der Hörerinnen und Hörer finden den alten Text durchaus in Ordnung.“ Auch Gerhard Ruiss, der Vorsitzende der IG Autorinnen Autoren, stand Gabalier bei. Die Änderung der dritten Strophe stellt ihm zufolge „einen schwerwiegenden Eingriff in die österreichische Demokratie- und Republikgeschichte dar“ und sollte korrigiert werden.

Das können die linken Medien so nicht stehenlassen. In der taz widmete ein gemischtes Autorenduo dem österreichischen Volksmusiker ein vor Gehässigkeit und Unterstellungen nur so triefendes Porträt unter dem Titel „Hits mit Blut und Boden“. Wer genauer hinhöre, so die nicht belegte Behauptung, würde feststellen, daß es in seinen Liedern „um Blut-und-Boden-getränkte Ideologie und rigide Identitäten geht, völkische wie sexuelle“. Der Sänger gehe „raffinierter zu Werke als der reaktionäre volkstümliche Musiker-Bodensatz“. Deshalb habe bisher auch niemand außerhalb der taz-Redaktion gemerkt, daß Gabalier in seinen Texten „die alte nationalsozialistische Gleichung von Geschlecht und Volk aufs Neue“ herstellt. So schnell steht man am „Nazi“-Pranger.

Dieser Artikel erschien in ZUERST! Ausgabe 8/2014 –
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