„Shillbot“: Wie künstliche Intelligenz im Internet Diskussionen manipulieren kann

10. Februar 2014

Foto: flickr/MichaelRiedel, CC BY 2.0

Im Internet gibt es zahlreiche Diskussionsforen. Viele davon befassen sich mit Politik, natürlich auch mit der Europäischen Union und der Einheitswährung Euro. Bekanntlich sind kritische Stimmen unerwünscht, denn „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.

Nach der Aufdeckung des NSA-Spionageskandals durch Edward Snowden im Juni vergangenen Jahres verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar, das Internet sei für uns alle Neuland, doch die Regierungen sind beim Thema Internet erfinderischer, als die meisten von uns denken. So gibt es eine Generation von Computer-Programmen, die Diskussionen in Internetforen manipulieren kann. Diese Programme erkennen – man glaubt es kaum – regierungskonforme Antworten auf kritische Meinungsäußerungen in den Foren, kopieren diese und fügen sie an geeigneter Stelle automatisch ein. Auf diese Weise wird die regierungstreue Seite der Diskussion um ein Vielfaches verstärkt.

Ein Computer-Programm, das diese Fähigkeiten hat, wird „Shillbot“ genannt. Schon 1950 wurde von Alan Turing ein Test (der sogenannte „Turing-Test“) vorgeschlagen, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, daß sie denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden, und es wird der Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt. Turing vermutete damals, daß es bis zum Jahr 2000 möglich sein werde, Computer so zu programmieren, daß der durchschnittliche Anwender eine höchstens 70-prozentige Chance habe, Mensch und Maschine erfolgreich zu identifizieren.

Am 3. September 2011 nahm die KI (= Künstliche Intelligenz)-Anwendung Cleverbot zusammen mit wahren Personen an einem formellen Turing-Test beim technischen Festival 2011 am indischen Institut IIT Guwahati teil. 59,3 Prozent von 1.334 Personen hielten Cleverbot für einen Menschen. Die menschlichen Konkurrenten hingegen erzielten 63,3 Prozent.

Shillbot ist nun eine politisch einsetzbare Variante von Cleverbot zur Manipulation der freien Meinungsäußerung. Was noch bis vor kurzem als Science-Fiction abgetan werden konnte, ist inzwischen „frontreif“ – und wird im Zeitalter der Großen Brüder (Orwell) auch skrupellos zur Manipulation der öffentlichen Meinung genutzt. Die EU selbst macht daraus im übrigen keinerlei Geheimnis – dazu weiter unten mehr.

Im Journalismus werden ähnliche Methoden unter anderem beim Magazin „Forbes“ eingesetzt, wo Roboter mit Hilfe von semantischen Technologien bestimmte Nachrichten erstellen. Dafür wurde ein Algorithmus entwickelt, der aus Börsendaten vollautomisch Finanznachrichten erzeugt. Damit können künftig Roboter bestimmen, was von automatisierten Tradern gekauft und verkauft wird. So können mit manipulierten Fakten in Sekundenbruchteilen gewaltige Gewinne gemacht werden, ohne daß auch nur eine menschliche Hand eine Computertastatur berührt.

Wie die US-Medienwebsite Mediabistro berichtet, verwenden bereits 30 Medienunternehmen die Software „Narrative Science“ zur Erstellung von vollautomatisierten Nachrichten. Das Programm kann, wie auf der Unternehmenswebsite beschrieben, „aus Daten ausführliche Berichte“ erstellen. Die Artikel werden automatisch aus den Daten generiert. Sie können „komplett auf Tonfall und Stil der Anbieter angepaßt werden“. Bei den Artikeln ist bis auf minimale Kleinigkeiten nicht zu erkennen, daß sie vollständig maschinell erstellt wurden.

Wenn nun jemand in einem Internetforum einen regierungskritischen Kommentar schreibt, erkennt dies Shillbot. Er überprüft alle Kommentare auf Kritik und sortiert Zustimmungen und auch Spams automatisch aus. Wenn jemand der Kritik widerspricht, merkt dies Shillbot und speichert den Kommentar. Auf eine regierungskritische Äußerung, und sei es in einem anderen Forum, reagiert Shillbot entsprechend darauf mit der vorher gespeicherten Antwort und gibt sich dabei als menschlicher Diskussionsteilnehmer aus. So wird die Diskussion manipuliert, und es scheint, als würde eine große Mehrheit die regierungstreue Seite vertreten.

Auf diese Weise könnten die Befürworter der Einheitswährung und der „Vereinigten Staaten von Europa“ den Eindruck erwecken, als stünde eine „überwältigende Mehrheit“ der Bevölkerung hinter den zum Scheitern verurteilten Wahnsinnsprojekten.

Im übrigen steht die elektronische Meinungsmanipulation nicht im luftleeren Raum da. Die EU macht ohnehin kein Hehl daraus, daß sie EU-kritische Parteien, aber auch Journalisten künftig zu „bestrafen“ beabsichtigt. EU-kritische Journalisten sollen künftig von bestimmten Informationskanälen einfach ausgesperrt werden, und im politischen Bereich drohen Prozesse, Diffamierung und Ausgrenzung – ganz offiziell. Elektronische Programme wie Shillbot sind da nur die logische Konsequenz.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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