Rußlands Präsident Wladimir Putin: Neuer „Weltführer der Konservativen“?

5. Februar 2014

Foto: flickr/sermarr erGuiri, CC BY 2.0

Moskau. Der „Spiegel“ würdigte den russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Titelgeschichte seiner Ausgabe 51/2013 mit bemerkenswerten Worten, die auch Deutsche aufmerksam lesen sollten.

Denn: Wir kommen womöglich bald in eine Situation, in der wir uns außenpolitisch (um)orientieren und die transatlantische Nibelungentreue zum Weltpolizist USA schnellstmöglich über Bord werfen müssen. Längst begreift sich Putins Rußland auch als Werte-Alternative zum Westen.

Der „Spiegel“ wörtlich: „(…) Putins Autorität sei inzwischen ‚so groß, daß er sogar eine Abstimmung im amerikanischen Kongreß zu Syrien beeinflussen kann‘, heißt es in einem noch unveröffentlichten 44seitigen Report des Zentrums für Strategische Kommunikation, der mächtigsten Denkfabrik des Kreml. (…) In ihm wird Putin als ‚neuer Weltführer der Konservativen‘ gepriesen. Deren Stunde sei jetzt gekommen, und zwar weltweit, denn ‚der ideologische Populismus der Linken‘ – gemeint sind Männer wie Barack Obama oder der Franzose François Hollande – ‚spaltet die Gesellschaft‘, schreiben die Autoren.

In einer sich schnell ändernden und chaotischen Welt sehnten sich die Menschen nach Sicherheit: Die große Mehrzeit bevorzuge Stabilität gegenüber ideologischen Experimenten, klassische Familienwerte statt Homo-Ehe, Nationalstaat statt Einwanderung. Wladimir Putin stehe für diese traditionellen Werte – nicht mehr die klassischen Demokratien, die innenpolitisch nur noch mit Kompromissen regieren könnten. Sein Konservatismus ziele darauf, so erklärte es Putin vorige Woche selbst, ‚eine Bewegung nach hinten und unten, in das Chaos der Finsternis, zu verhindern‘.“

Speziell die aufdringliche Propagierung schwullesbischer Lebensweisen, die der Westen weltweit als „Werte“ zu verkaufen sucht, nervt den russischen Präsidenten. Im Wettbewerb der Lebenswelten schoß er jetzt kräftig gegen die EU zurück und warf Brüssel vor, massive Propaganda für Homosexualität zu verbreiten. „Es gibt Versuche, anderen Ländern eine unangemessene Sicht von Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen als Lebensnorm aufzuzwingen“, heißt es in einem Bericht des Außenministeriums. Laut dpa kritisierte der Kreml, es sei eine der Prioritäten der EU, „ihre neoliberalen Werte als universellen Lebensstil in der gesamten Welt zu verbreiten“.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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Ein Kommentar

  1. Anna schreibt:

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

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