„Meinungsmacht“: Wie „Qualitätsjournalisten“ die öffentliche Meinung lenken

21. Oktober 2013

Berlin. Innenpolitisch ist der Kurs der deutschen Qualitätsmedien klar. Heimattreues, nationales, also „rechtes“ Gedankengut ist böse, indiskutabel und wird verteufelt, während multikulturelles, antideutsches und euro-fanatisches, also linkes und dem Zeitgeist entsprechendes Gedankengut propagiert und schlechthin als gut dargestellt wird.

Doch widmet sich die tonangebende Qualitätsjournaille nicht nur der Innenpolitik, auch weltpolitisch entscheidet sie, wer gut und wer böse, gegen wen ein Krieg zu rechtfertigen ist – immer natürlich aus „humanitären“ und anderen moralischen Gründen. Mit diesem Thema befaßte sich jetzt Uwe Krüger vom Institut für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung der Universität Leipzig in seiner Doktorarbeit unter dem Titel „Meinungsmacht“. Krüger untersuchte den „Einfluß von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten“, die Berichterstattung führender deutscher Zeitungen über „Sicherheit, Verteidigung und Auslandseinsätze der Bundeswehr“.

Krüger geht davon aus, daß eine „Elite“, die sich in wichtigen Fragen wie Krieg, Frieden oder Wirtschaftsordnung untereinander völlig einig ist, gegen die Interessen eines Großteils der Bevölkerung regieren kann. Unterstützt wird die regierende Elite nach Krügers Meinung von einer journalistischen Elite, die dann quasi als Anwalt des „öffentlichen Interesses kritisch-kontrollierend“ wirkt.

Mit anderen Worten, die Spitzenjournalisten der Qualitätsmedien vermitteln dem Volk die von den Regierenden gewünschten Werte als gut und böse in dogmatischer Form und bilden dadurch die sogenannte „öffentliche Meinung“, von der abzuweichen nicht ratsam ist. Hierbei bedienen sie sich subtiler Propagandatechniken.

Krüger analysiert in seiner Arbeit vier „Elitejournalisten“ deutscher Leitmedien, nämlich den für Außenpolitik verantwortliche Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), Klaus-Dieter Frankenberger, den Mitherausgeber des Wochenblattes „Die Zeit“, Josef Joffe, den Ressortleiter Außenpolitik der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Stefan Kornelius, und den Chefkorrespondenten der „Welt“, Michael Stürmer. Laut Krüger verfügen sie alle über „ausgeprägte Ego-Netzwerke im transatlantischen Elitenmilieu“ wie etwa zur Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem Think-Tank politischer und militärischer Führungszirkel.

Kornelius und Frankenberger sind außerdem Mitglieder im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), die dem Verteidigungsministerium zugeordnet ist und sich selbst als „höchstrangige, ressortübergreifende Weiterbildungsstätte auf dem Gebiet der Militärpolitik“ bezeichnet. Diese „Einbettung“ der Journalisten in die „Elitenetzwerke“ spiegelt sich in ihrer Berichterstattung wider, natürlich ganz im Sinne unserer transatlantischen „Freunde“ USA und NATO.

Dies beweist Krüger sehr aufschlußreich durch Inhaltsanalysen der von den vier Journalisten verfaßten Artikel zu militärpolitischen Themen. Alle vertreten in ihren Publikationen den von Bundesregierung und NATO vorgegebenen „erweiterten Sicherheitsbegriff“, wonach es nicht mehr um die Verteidigung des eigenen Landes, sondern um eine „in Reichweite, Technik und Führung weitgespannte Vorfeldverteidigung“ gegen eine „Bedrohung durch Terror und Massenvernichtungswaffen, Cyberwar und organisiertes Verbrechen, Klimawandel und Völkerwanderungen“ geht. Man erinnere sich daran, daß „Deutschland am Hindukusch verteidigt“ werden muß, wie es dereinst Peter Struck verkündete.

Allen vier Journalisten bescheinigt Krüger, daß „Frieden als Wert an sich“ in ihren Artikeln „keine Rolle“ spielt. Auch das Grundgesetz oder das Völkerrecht spielen bei ihnen eine untergeordnete bis gar keine Rolle. Gegner, die nicht die sogenannten „westlichen Werte“ vertreten, werden dann laut Stürmer zu „Barbaren“, denen man nach Frankenbergers Meinung nur mit „kalter Entschlossenheit“ begegnen könne.

Gegenwärtig spiegeln sich die Erkenntnisse des Leipziger Kommunikationswissenschaftlers in der Berichterstattung über Syrien wider. Während sich so mancher fragt, wieso die syrischen Regierungstruppen ausgerechnet in einer für sie günstigen Lage Giftgas einsetzen sollten, was jeder Logik entbehrt, da es einer Einladung der US-Streitkräfte zugunsten der sogenannten Rebellen gleichkommen würde, wird dies in der „Zeit“-Redaktion offenbar schon als „Wahrheit“ angesehen. „Tut der Westen nichts, muß Assad das als Einladung verstehen, weiter Giftgas einzusetzen“, titelte Bernd Ulrich in der „Zeit“ vom 5. September.

Stimmungsmache dieses Zuschnitts hat in der Masse der Bevölkerung gewiß die gewollte Wirkung, denn im Unterbewußtsein so manchen Zweiflers ist festgeschrieben: Wenn es in der Zeitung steht, dann wird es schon stimmen.

Auf diese Weise schalten die sogenannten „Qualitätsmedien“ die Vernunft der Masse im Sinne der transatlantischen Politik aus, ähnlich wie es auch innenpolitisch durch inquisitorische Konsequenz mit mißliebigen politischen Gruppierungen geschieht. Und die nicht im Glanzlicht der Elite stehenden Journalisten müssen mit dem Strom schwimmen – Artikel, die nicht mit der Mainstream-Meinung übereinstimmen, könnten glatt ein Kündigungsgrund sein.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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