US-Präsident Obama: Friedensnobelpreisträger oder Kriegstreiber?

17. September 2013

Washington/Damaskus. Die Welt hatte in diesen Wochen ein schauriges Déja vu-Erlebnis, und unter ironischen Beobachtern kursierte eine flapsige Formel: „Iraq reloaded.“

Was wir in den letztenWas wir in den letzten Wochen im Zusammenhang mit dem Einsatz von Chemiewaffen in einem Vorort von Damaskus erlebt haben, kommt vielen, die ihre Erinnerung noch beisammen haben, verdächtig bekannt vor. Tatsächlich ist das Strickmuster ebenso abgedroschen wie perfide: Nichts ist bewiesen, aber weil der Schuldige ohnehin längst feststeht, wird ihm das Unfaßbare flugs in die Schuhe geschoben.

Unvergessen ist, wie 2003, vor dem letzten US-Waffengang gegen den Irak, der damalige amerikanische Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat angebliche „Beweise“ für mobile irakische Chemiewaffen-Produktionsanlagen präsentierte. Längst weiß man, daß diese „Beweise“ von der CIA gefälscht waren, ein düpierter Colin Powell mußte es selbst nach dem Krieg zerknirscht einräumen. Doch da war das Kind in den Brunnen gefallen, und die vielbeschworene „Weltöffentlichkeit“ war auf einen getürkten Kriegsgrund aus Washington hereingefallen.

Man wundert sich, daß die Drahtzieher der amerikanischen Welt-Unfriedenspolitik nicht einmal mehr den Versuch unternehmen, ihre schmutzigen Mätzchen zu kaschieren. Die Drehbücher von 2003 und 2013 gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

Der Versuch, den Vereinigten Staaten (und dem Rest der Welt) den Syrien-Krieg aufzunötigen, folgt einmal mehr dem zahllose Male bewährten Schema einer „false flag“-Operation mit größtmöglichem Empörungsfaktor, die rasch dem jeweiligen Bösewicht angedichtet werden kann. Gestern Slobodan Milosevic und der (gefälschte) „Hufeisenplan“, den auch der damalige Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping mit triumphierender Geste den Journalisten unter die Nase hielt; 2003 dann Saddam Hussein und seine nicht existierenden Massenvernichtungswaffen – und jetzt also Syriens Präsident Baschar al-Assad.

Die Frage, warum ausgerechnet ein amtierender, legitimer Präsident, der in den letzten Monaten erhebliche militärische Erfolge bei der Niederschlagung der vom Ausland unterstützten Rebellen verzeichnen konnte, Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung einsetzen und sich so vor der Weltöffentlichkeit noch kurz vor dem Ziel als Blutsäufer präsentieren sollte, stellt schon gar niemand mehr. Auch das ist kein Ruhmesblatt für die bundesdeutschen Medien.

Was aber treibt den US-Präsidenten, der immerhin Friedensnobelpreisträger ist, so vehement in ein Abenteuer, das sich rasch zum regionalen Flächenbrand oder Schlimmerem auswachsen kann? Soll man wirklich dem offiziösen Medien-Blabla glauben, das von „Menschenrechten“ und „Demokratie“ fabuliert?

Nein, natürlich nicht. Die „Demokratie“, wir haben es in den letzten Jahren hinlänglich oft erlebt, ist nur das Propaganda-Tamtam, mit dem die Öffentlichkeit in Kriegsstimmung gebracht werden soll. Nur am Rande sei erwähnt, daß das Syrien Baschar al-Assads heute das modernste, liberalste Land in der arabischen Welt ist. Das galt vordem auch für den Irak unter Saddam Hussein. Im ganzen nordafrikanischen Krisenbogen, der im Zuge des vom Westen tatkräftig beförderten „arabischen Frühlings“ umgekrempelt wurde, haben inzwischen islamistische Eiferer oder Chaoten das Sagen. War das der Zweck der westlichen Demokratisierungspolitik?

Man geht nicht fehl, wenn man – wieder einmal – knallharte wirtschaftliche Interessen als treibendes Motiv hinter Obamas Kriegshetze annimmt. Auch in Syrien geht es ums Öl, um den Bau von Pipelines und um die Verteilung der Ölmärkte der nächsten Jahrzehnte. Außerdem ist Amerika bankrott, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. In einer solchen Situation ist nichts so rentabel wie ein Krieg.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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