Alexander Dugin: Der Vordenker

4. Juni 2014
Alexander Dugin: Der Vordenker
International
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Moskau. Vor ihm warnen westliche „Rußlandexperten“: Prof. Alexander Dugin gilt als einer der bekanntesten – und gleichzeitig umstrittensten – russischen Politologen.

Es ist genau 30 Jahre her, daß US-Präsident Ronald Reagan am 8. März 1983 in Orlando in Florida das Rednerpult betrat, um zu Angehörigen der christlich-konservativen „National Association of Evangelicals“ zu sprechen. Sein Redenschreiber, der US-amerikanische Pulitzer-Preisträger Anthony R. Dolan hatte sozusagen sein Meisterstück abgeliefert. Der gerademal 32jährige Journalist Dolan wußte, wie man Reagan richtig inszeniert. Die Rede in Orlando sollte einschlagen wie eine Bombe. Der US-Präsident polterte vor den konservativen Christen gegen die Sowjetunion. Doch diesmal bezeichnete er die UdSSR nicht etwa nur als eine „kommunistische Diktatur“ oder „Bedrohung der Freiheit“ – diesmal nannte er sie das „Reich des Bösen“. Das war die pathetische Sprache, die beim religiösen Publikum ankam. Minutenlang klatschten die Zuhörer, gaben stehende Ovationen. Es ging nicht nur darum, einen geopolitischen und ideologischen Konkurrenten in Schach zu halten, es war der klassische Kampf „Gut gegen Böse“. Und aus den Western, in denen auch Reagan früher mitgespielt hatte, wußten die Amerikaner: Am Ende gewinnen immer die Guten.

Die Sowjetunion gibt es schon lange nicht mehr, die Russische Föderation steht jetzt an ihrem Platz. Rußland ist nicht mehr kommunistisch, es schart nicht mehr sozialistische Satellitenstaaten um sich und verschifft auch keine Atomraketen mehr nach Kuba. Und heute fliehen keine sowjetischen Intellektuellen mehr unter abenteuerlichen Umständen in den Westen, sondern Schauspieler wie der Franzose Gérard Depardieu siedeln ganz legal und erster Klasse nach Rußland über. Denn dort locken vor allem eine niedrige Einheitssteuer und ein gutes Leben mit dem Promibonus.

Und trotzdem: In der westlichen Berichterstattung hat Rußland längst wieder zur Rolle des alten Bösewichts zurückgefunden. Der russische Präsident Wladimir Putin sei eine Art Diktator, der eine finstere, autoritäre Großmachtpolitik betreibe. Im UN-Sicherheitsrat spielt Rußland in den Augen vieler westlicher Beobachter wieder den notorischen Nein-Sager, den man schon aus den Zeiten des Kalten Krieges kennt. Und die anarchistischen Kirchenschänderinnen von „Pussy Riot“ werden heute im Westen gefeiert wie einstmals der russische Dissident Alexander Solschenizyn.

Prof. Alexander Dugin gehört zu den bekanntesten intellektuellen Köpfen jenes neuen Rußland, das den Westen wieder beunruhigt. Und als solcher hat Dugin in den etablierten Medien in der Bundesrepublik Deutschland keinen leichten Stand. Vor allem die linksalternative taz erblickt in dem hochgewachsenen Mann mit langem Vollbart gar etwas Bedrohliches. Dugin, schreibt die taz, sei „Chefideologe“ und nenne „sich zwar ,Philosoph‘, doch am ehesten wird seinem Auftreten der Begriff Sektenführer gerecht“. Aus den Schriften Dugins lesen die taz-Schreiber gar eine „faschistische Rhetorik“ heraus.

Der deutsche Historiker Andreas Umland, der an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Mittel- und Osteuropäische Geschichte lehrt, warnte im Jahr 2008, Alexander Dugins Einfluß in der russischen Politik könnte gar zu einem „zweiten Kalten Krieg zwischen Moskau und dem Westen“ führen. 30 Jahre nach Reagans Rede warnen westliche Journalisten, Wissenschaftler und Politiker wieder vor einem Rußland, welches gar unter dem finsteren Einfluß eines „Sektenführers“ steht. Das „Reich des Bösen“ scheint wieder zurückgekehrt.

Alexander Dugin schmunzelt, wenn er das alles über sich hört. Er kennt diese Angriffe, sie scheinen ihm nichts auszumachen. In Freiburg im Breisgau steht er vor dem Haus des Philosophen Martin Heidegger, während sein Sohn Arthur das Stativ seiner Kamera aufbaut. Der Himmel ist dunkelgrau, es weht ein kalter Wind. Der Wetter bericht hat Regen vorausgesagt, doch bislang ist es trocken. Durch die Bäume ziehen Nebelschwaden. Alexander Dugin hat die Hände in den Taschen seines Mantels vergraben, sein Blick geht zum Himmel. „Das Wetter ist perfekt“, sagt er zufrieden. Mit seinem Sohn dreht er eine Videodokumentation über Martin Heidegger. Um das Heidegger-Haus zu finden, muß man die Adresse genau kennen. Kein Schild weist den Weg, kaum ein touristischer Reiseführer macht darauf aufmerksam. Freiburg ist nicht stolz auf „seinen“ Philosophen – im Gegenteil. Eher etwas verschämt wird er versteckt. Denn Martin Heidegger sei ein „Nazi-Philosoph“ gewesen. Und in einer grünregierten Universitätsstadt ist man zwar stolz auf die verkehrsberuhigten Zonen und auf die hohe Dichte an „Fair Trade“-Geschäften, nicht aber auf einen weltweit berühmten Philosophen. Dugin schüttelt Heiden Kopf. Fast scheint es so, als habe er etwas Mitleid mit uns Deutschen. „Martin Heidegger war der bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts“, doziert Dugin und streicht sich kurz über seinen Bart. „Doch hier in Freiburg muß man lange suchen, um in einer Buchhandlung seine Werke zu finden.“ Es ist Alexander Dugins erster leibhaftiger Kontakt mit der deutschen Vergangenheitsbewältigung, sein erster Besuch in Deutschland. In Rußland, erzählt Dugin, stehe Martin Heidegger hoch im Kurs. An der Moskauer Universität, an der auch Dugin lehrt, spiele der deutsche Philosoph eine wichtige Rolle. Daß die Deutschen mit ihren eigenen Söhnen nichts mehr anzufangen wissen, ist auch für den russischen Professor nur schwer zu verstehen. Der erklärte Freund und Bewunderer der Deutschen findet sich in einem Niemandsland wieder, das mit sich selbst hadert. Die Kamera ist endlich in Position, Dugin schreitet am Heidegger-Haus vorüber.

Heidegger kennt der 1962 in Moskau geborene Dugin bereits aus der Sowjetzeit. Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion organisierte er Lesezirkel und Gruppen, die mit wenig Rücksicht auf die akademischen Gepflogenheiten unter der Herrschaft der KPdSU auch Werke lasen und diskutierten, die in den sowjetischen Unis allenfalls im „Giftschrank“ zu finden waren. Während Michail Gorbatschow das letzte Kapitel der UdSSR mit Glasnost und Perestroika einläutete, saß Alexander Dugin mit Gleichgesinnten zusammen und kostete die – noch – verbotenen Früchte: Neben Martin Heidegger wurden auch der italienische Philosoph Julius Evola oder der Franzose René Guénon gelesen und debattiert.

Als nach dem Auseinanderfallen der Sowjetunion Boris Jelzin in Moskau regierte, schlug die große Stunde der Propheten des „freien Marktes“ in Rußland. Binnen weniger Jahre bildete sich eine superreiche Oligarchenkaste. Unter dem trinkfreudigen Boris Jelzin wurden die Ressourcen des Landes geplündert und unter wenigen „Businessmen“, oftmals ehemaligen Funktionären der 1991 aufgelösten kommunistischen Jugendorganisation Komsomol, aufgeteilt.

In dem politischen Vakuum dieses vollkommenen Zusammenbruchs war es unter anderem Alexander Dugin, der nicht hinnehmen wollte, daß Rußland nun ähnlich wie die osteuropäischen Staaten einfach der westlich-liberalen Sphäre angeschlossen wird. 1992 – im gleichen Jahr, in dem der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama vom „Ende der Geschichte“ schwärmte – gründete Dugin gemeinsam mit dem bekannten russischen Schriftsteller Eduard Limonow die „Nationalbolschewistische Partei Rußlands“. Limonow war populär, Dugin steuerte große Teile des Programms bei. Zum ersten Mal nahm man im Westen Notiz von Alexander Dugin – und war schockiert. Denn die neue Partei setzte sofort auf maximale Aufmerksamkeit: Die Parteifahne war knallrot mit weißem Kreis, darin in Schwarz Hammer und Sichel. Limonow sorgte für regelmäßige Skandale, schnell schlossen sich vor allem junge Russen, darunter auch viele Künstler, dieser ganz anderen politischen Gruppierung an, die gegen Boris Jelzin und gegen „das antihumane System der Troika, die aus dem Liberalismus, der Demokratie und dem Kapitalismus besteht“, kämpfte. Bei Wahlen war die neue Partei nie wirklich erfolgreich, dafür sorgte sie mit ihren zahlreichen Aufmärschen für Furore.

Alexander Dugin erinnert sich gerne an diese kämpferischen Jahre zurück. „Wir haben erkannt, daß man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegen die westlichen Hegemonialbestrebungen kämpfen muß. Die Regierung unter Boris Jelzin hat alle Schleusen für die westlich-liberale Invasion geöffnet. Wir wollten das verhindern.“ Damals verkündeten die Nationalbolschewisten, sie wollten „die radikalsten Formen des nationalen Widerstandes mit den radikalsten Formen des sozialen Widerstandes verbinden“.

Vor dem Freiburger Münster durchstöbert Dugin einen Stand mit antiquarischen Büchern. Er nimmt das eine oder andere Buch in die Hand, blättert darin ein wenig – und legt es wieder zurück. Mittlerweile hat es doch noch angefangen zu regnen. Dugin stört das nicht. Nach wie vor scheint er das trübe Wetter eher zu genießen und wühlt sich weiter durch das Bücherangebot. Alexander Dugin beherrscht neun Sprachen – darunter auch Deutsch. Er ist ein begnadeter Autodidakt, er bringt sich Fremdsprachen selber bei.

Sein Sohn Arthur, Mitte 20 und Philosophiestudent, verrät die Lerntechnik seines Vaters, der gerade jene Bücher stapelt, die er kaufen möchte. „Er geht systematisch an die Sache ran, zunächst lernt er die Syntax einer Sprache – die Struktur also –, dann füllt er diese sozusagen mit dem Vokabular auf.“ Zufrieden läßt sich Alexander Dugin derweil die von ihm erstandenen Bücher vom Verkäufer in eine Tüte packen.

Die wilden 1990er Jahre sind lange vorüber. 1998 endete die Zusammenarbeit zwischen Limonow und Dugin. Während der Literat Limonow heute die Anti-Putin-Protestbewegung unterstützt, steht sein ehemaliger Kampfgenosse Dugin auf der anderen Seite der Barrikade. Dugin leitet heute das soziologische Institut der Universität Moskau – und berät auch Außenpolitiker des Kreml. Bei westlichen Beobachtern schrillen daher die Alarmglocken. Denn Dugin denkt gar nicht daran, sich von seiner Vergangenheit zu „distanzieren“, wie man es vor allem aus der Bundesrepublik Deutschland kennt.

Und als Professor erfreut sich der charismatische Russe zudem großer Beliebtheit bei seinen Studenten. Wenn Dugin spricht, ist gewaltiger Andrang garantiert. Nicht selten bettet er seine Reden in bombastische Videoinstallationen ein. Während Dugin zu seinen Zuhörern spricht, schießen hinter ihm auf einer Leinwand die Flammen in die Höhe, oder es werden Explosionen gezeigt. Jedenfalls weiß er, wie man sein Publikum fesselt. Längst wurden seine Veranstaltungen zum avantgardistischen Geheimtipp in Moskau.

„Ästhetik ist uns wichtig“, sagt er ruhig, und steuert auf ein kleines Café zu. Dugin hängt seinen Mantel an die Garderobe, unter seinem schwarzen Sakko trägt er ein quergestreiftes Hemd, das an die typischen Unterhemden der russischen Armee erinnert. Und wie steht es um den Nationalbolschewismus? „Es war eine Phase in den 1990er Jahren“, erklärt er, „doch man muß sich weiterentwickeln“. Dabei fährt er sich wieder mit der Hand durch seinen Bart. Bevor er seinen Kaffee trinkt, bekreuzigt sich der gläubige orthodoxe Christ.

In Moskau betreiben Dugin und sein Kreis junger Wissenschaftler mittlerweile eine eigene umtriebige Denkfabrik. Die stramm traditionalistischen Inhalte werden dabei modern aufbereitet. „Ästhetik ist uns wichtig“, wiederholt Dugin und schwenkt seine Kaffeetasse ein wenig hin und her.

Das Konzept, für das Dugin und seine Mitstreiter – meist junge Intellektuelle und Studenten – stehen, bezieht sich auf die Eurasien-Idee: ein euroasiatischer Kontinentalblock als machtvolles Gegengewicht zum transatlantischen Bündnis. „Das ist notwendig und dafür kämpfen wir“, sagt Dugin entschlossen. Wo sieht er die Rolle Deutschlands in einer solchen Ordnung? „Deutschland ist das Zentrum Europas, ein Deutschland, das sich selber wiederfindet, wird einer unserer wichtigsten Partner.“ Das sind Worte, bei denen einem schnell klar wird, warum das politische Berlin Dugins Thesen meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Dugin scheut sich auch nicht davor, den in der Bundesrepublik Deutschland tabuisierten Begriff der Geopolitik zu benutzen. Der deutsche Geograph und Militär Karl Haushofer gilt als einer der Begründer der Wissenschaft, die seit 1945 in Deutschland nicht mehr gelehrt wird. Die alliierten Siegermächte machten Haushofers Lehre als Gefahrenquelle aus und sorgten dafür, daß sie nicht mehr in den Lehrplänen vorkommt. Während heute kaum ein Student in Deutschland mit Haushofers Werken in Berührung kommt, bezieht sich Alexander Dugin in seinen Vorlesungen und Büchern wie selbstverständlich auf den deutschen Wissenschaftler. „Es geht aber vor allem auch darum, Haushofers Ideen nicht einfach zu konservieren, sondern sie weiterzuentwickeln.“ Die modifizierte Eurasien-Idee ist eine solche Weiterentwicklung.

Hauptfeind dieser Idee ist – wie bereits in den 1990er Jahren – der westlich-liberale Hegemonialanspruch. „Die Globalisierung verlangt, daß sich die ganze Welt dem westlich-liberalen Wertesystem, das keine Traditionen, keine Völker und keine Kulturen mehr kennt, unterwirft“, doziert Dugin und beugt sich über den Tisch. Mit seiner Hand deutet er auf dem Tisch den westlichen Machtblock an, der teils über sogenannte NGOs oder eben mit Kriegen an seiner Peripherie darum bemüht ist, sein Gebiet auszubreiten. Der Konflikt werde immer wieder sichtbar – etwa im Pussy Riot-Skandal, der massiv von westlichen NGOs, Medien und Politikern mit angeheizt wurde, oder eben auch in heißen Kriegen, wie derzeit im Syrienkonflikt. Der Westen verfechte das Konzept einer „unipolaren Welt“, so Dugin. Dem setzt er eine multipolare Weltordnung entgegen – mit einem starken eurasischen Raum als eines der politischen Zentren. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bescheinigt Dugin – zumindest in der Außenpolitik – die richtige Richtung.

Wenn die Grenze zwischen dem westlichen Hegemonialanspruch und Eurasien brennt, scheut sich Dugin auch nicht davor, selber dorthin zu gehen, wo scharf geschossen wird. Während des Georgienkrieges im Jahr 2008 besuchte er die russische Armee. „Unsere Truppen sollen die georgische Hauptstadt Tiflis besetzen, das ganze Land, und am besten gleich die Ukraine noch dazu mit der Halbinsel Krim, die ohnehin historisch zu Rußland gehört“, zitierte ihn der Spiegel. Er sei der „rauschebärtige Chefideologe des wiedererwachten Großrussentums“, wetterte das linke Hamburger Nachrichtenmagazin gegen Dugin. Dem wiederum huscht ein kurzes Lächeln über den Mund, und anstatt sich darüber aufzuregen, zeigt er einige Fotos von seinem Truppenbesuch an der Georgienfront: Eines zeigt ihn, wie er eine russische Panzerbüchse hält, auf einem anderen Bild steht er mit einer Kalaschnikow vor einem russischen Panzer. An diesem Mann ist wirklich nichts, rein gar nichts politisch korrekt.

„Doch der Kampf gegen die westlich-liberalen Hegemonialbestrebungen findet vor allem in den Köpfen statt“, sagt Dugin leise, während er die Georgien-Bilder wieder zusammenpackt. „Während an den westlichen Universitäten so getan wird, als seien der Liberalismus und der Individualismus der Gipfel menschlicher Entwicklung, geht es uns darum, eine Alternative zu entwickeln.“ Kommunismus, Faschismus und Liberalismus seien die drei großen politischen Theorien des 20. Jahrhunderts gewesen. Politisch machtvoll sei heute nur noch der Liberalismus, den Dugin als „totalitäre Ideologie mit Universalanspruch“ bezeichnet. Der Liberalismus habe Faschismus und Kommunismus bereits überwunden und sozusagen verdaut. „Der heutige Liberalismus hat in seinen Herrschaftssphären nicht einmal mehr richtige Feinde.“ Dort regiere die politische Langeweile. Dugin wählt seine Worte bewußt scharf. „Die Welt muß sich selbst vom Joch des Liberalismus befreien.“ Doch wie? Dugin spricht über die „Vierte Politische Theorie“, die er vor kurzem als Buch veröffentlichte. „Ein wichtiger Schlüssel für die Überwindung der Moderne liegt hier in Freiburg.“ Es sei Heideggers Begriff vom „Dasein“, erklärt Dugin. Und es gäbe eben nicht nur ein einziges „Dasein“, sondern viele verschiedene. Also gäbe es nicht nur eine einzige „Vierte Politische Theorie“ sondern eine ganze weltweite Familie von antimodernen „Daseinssphären“, die allesamt eines gemeinsam hätten: ihre Gegnerschaft zum westlichen Hegemonialanspruch. „Wir müssen wieder zu unseren Wurzeln finden, zu unseren Mythen und Traditionen.“

Wer mit dem russischen Philosophen spricht, braucht nicht lange, um zu verstehen, weshalb westliche Journalisten in ihm eine Bedrohung sehen: Er weiß, wie man seine Zuhörer fesselt. Auch wenn er nur in einem Café sitzt und keine bombastischen Projektionen seinen Vortrag unterstützen.

Müssen auch wir Deutschen wieder lernen, Deutsche zu sein? Dugin lacht. Das erste Mal an diesem Tag. Nach einer kurzen Pause antwortet er ruhig: „Wenn die Deutschen sich über ihr eigenes Dasein bewußt werden und sich aus dem transatlantischen Albtraum verabschieden, rückt ,Eurasien‘ bedeutend näher. Denn ohne die Deutschen kann das westlich-liberale Projekt EU nicht existieren.“ Feiern wir dann zusammen in Berlin oder Moskau? Dugins blaue Augen blitzen auf. „Warum nicht in Königsberg?“

Eines scheint aber sicher: Wer auch immer an jenem Tag US-amerikanischer Präsident sein wird, wird abermals vor seine Anhänger treten und von der Wiederauferstehung des „Reichs des Bösen“ sprechen.

Dieser Artikel erschien in ZUERST! 3/2013 –
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