Jacques Baud zur Weltlage: USA verlieren – Europa schürt den Krieg in der Ukraine

4. Juli 2026
Jacques Baud zur Weltlage: USA verlieren – Europa schürt den Krieg in der Ukraine
International
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Foto: Symbolbild

Bern/Brüssel. Der Schweizer Militäranalytiker Jacques Baud, ehemaliger Nachrichtendienstler und seit Jahresfrist von der EU sanktionierter Buchautor, liefert in einem Gespräch mit Jean-Charles Gérard vom Verlag Max Milo eine ernüchternde Momentaufnahme der aktuellen Weltlage. Er läßt keinen Zweifel daran, daß die USA im Konflikt mit Iran eine Niederlage erlitten haben. US-Präsident Trump, unterstützt von Israels Premier Netanjahu, habe auf einen schnellen militärischen Sieg gesetzt – und sei nun durch die Sperrung der Straße von Hormus und deren wirtschaftliche Folgen zum Verhandeln gezwungen, „als Gefangener seines eigenen Krieges“. Die aktuelle Absichtserklärung mit Iran sei noch kein Abkommen, der Weg dahin bleibe voller Unwägbarkeiten.

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Baud, dem wegen seiner angeblich pro-russischen Äußerungen in der EU die Konten gekündigt wurden, vergleicht Trumps Taktik mit einem Marktgeschäft, bei dem der Gegner erst mit einem scheinbar vorteilhaften Angebot gelockt und dann überrumpelt werde. Der US-Präsident berufe sich auf den „War Powers Act“ von 1973, der ihm freie Hand bei militärischen Aktionen gebe. Mit Blick auf die US-amerikanische Geschichte erinnert Baud daran, daß die Vereinigten Staaten in 250 Jahren Bestand bis zu 235 Jahre lang Kriege führten. „Sie haben während des Kalten Krieges, also zwischen 1948 und 1991, 46 Kriege geführt und 188 Kriege in der Zeit nach dem Kalten Krieg“, so der Bestsellerautor. „Außerdem waren sie am Sturz von 72 Regierungen beteiligt, davon übrigens 66 mit geheimen Mitteln. Doch von all diesen Kriegen und Konflikten wurden nur fünf vom Kongreß genehmigt.“

Auch den Krieg in der Ukraine analysiert Baud nüchtern. Die Drohungen Selenskyjs gegen Weißrußland seien unbegründet gewesen – russische Drohnen nutzten keine GSM-Signale, wohl aber die ukrainischen. Der Zeitpunkt der Attacke, mit der von einem Drohnenangriff auf einen Bus mit weißrussischen Kinderfußballern abgelenkt worden sei, sei kein Zufall gewesen. Baud vermutet, daß damit auch der 85. Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni in den Hintergrund gedrängt werden sollte. „Es handelte sich also tatsächlich um eine Art Strohfeuer, das darauf abzielte, ein Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verschleiern“, erklärt Baud.

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Die EU-Politik gegenüber Weißrußland bezeichnet Baud als strategischen Fehler. Minsk habe lange eine bündnisfreie Position gesucht, sei aber durch die Politik des Regimewechsels und die versuchte „Farbrevolution“ 2020 an Moskaus Seite getrieben worden. Darin zeige sich die Unfähigkeit der Europäer, die Welt so zu verstehen, wie sie sei. Baud sagt wörtlich: „Das zeigt diese Unfähigkeit der Europäer, die Welt so zu verstehen, wie sie ist, und zu versuchen, die Welt um jeden Preis so zu sehen, wie sie sie sehen, aber nicht so, wie andere sie sehen.“ Diese Arroganz habe dazu geführt, daß ein potentieller Verbündeter verprellt wurde.

Baud warnt eindringlich vor der akuten Gefahr einer weiteren Eskalation. Die Ukraine befinde sich in einer verzweifelten Lage und könne eine Operation inzenieren, die den Westen direkt in den Konflikt ziehen könnte. Er sagt: „Ich habe den Eindruck, überall in der Region das Geräusch von Stiefeln zu hören.“ Während russische Drohnen militärische Logistik angriffen, zielten ukrainische Angriffe auf Raffinerien, Wohngebäude und zivile Infrastruktur – in der westlichen Lesart ein „asymmetrischer Krieg“. Baud macht klar: „Im westlichen Sprachgebrauch bedeutet ‚asymmetrischer Krieg‘ im Klartext Terrorismus. Aber es gibt verschiedene Wege, dies zu tun.“

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Die zeitweisen Internetabschaltungen in Rußland dienten nicht der Zensur, sondern der Drohnenabwehr, da ukrainische Drohnen zur Navigation auf GSM-Signale angewiesen seien. Abschließend stellt Baud einen grundlegenden Unterschied fest: Rußland verfolge ein militärisches Operationskonzept, die Ukraine dagegen einen politischen Ansatz, der die Unterstützung des Westens sichern solle – ohne diese Unterstützung wäre der Kiewer Widerstand längst zusammengebrochen. (mü)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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