Berlin. Die deutsche Wehrpflicht-Reform zeigt Folgen: im laufenden Jahr ist die Zahl der anerkannten Kriegsdienstverweigerer so hoch wie seit 2011 nicht mehr, dem letzten Jahr der ehedem regulären Wehrpflicht, die der damalige CSU-Verteidigungsminister zu Guttenberg dann de facto abschaffen ließ. Wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben jetzt mitteilte, wurden bis Ende Mai bereits 2.667 Anträge rechtskräftig positiv beschieden. Zum Vergleich: im gesamten Jahr 2025 waren es 2.830 Anerkennungen – ein Wert, der nun schon im ersten Halbjahr übertroffen wird.
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Nach dem Ende der Wehrpflicht 2011 ging die Zahl der Verweigerungen zunächst drastisch zurück: von 87.590 im Jahr 2010 über 5.177 im Folgejahr auf nur noch 370 im Jahr 2012. Kein Wunder – es gab ja keinen Grund mehr, den Wehrdienst zu verweigern. Jetzt ist er plötzlich wieder da: mit der Wiederbelebung der Wehrpflicht und einer kaum verhohlenen Generalmobilmachung der Gesellschaft für einen Krieg gegen Rußland explodieren nun auch die Zahlen wieder.
Sie zeigen, daß der Kriegs- und Eskalationskurs der Bundesregierung in der Bevölkerung keineswegs unumstritten ist. Im Gegenteil, der Widerwille, sich im absehbaren Ernstfall von Merz, Pistorius und Co. an der NATO-„Ostflanke“ verheizen zu lassen, ist spürbar. Das zeigten erst dieser Tage auch aktuelle Zahlen von der Postkarten-Rekrutierungsaktion der Bundeswehr, die seit Jahresbeginn läuft – und zum Rohrkrepierer geriet: fast 300.000 Fragebögen wurden an junge Deutsche verschickt. Aber gerade einmal 530 Freiwillige meldeten sich daraufhin zum Dienst. So wird das nichts mit dem neuen Ostfeldzug. (rk)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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