Berlin/Wilna. Wieder Negativschlagzeilen wegen der deutschen Litauen-Brigade. Mit deren planmäßigem Aufwuchs geht es einfach nicht voran. Nach Berichten der „Welt“ und der „Bild“ reichen die freiwilligen Meldungen bei weitem nicht aus, um den vorgesehenen Truppenumfang zu erreichen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will deshalb nun erstmals Bundeswehrangehörige zum Dienst in Litauen zwangsverpflichten. Bis Ende 2027 sollen rund 5.000 deutsche Soldaten dauerhaft in dem baltischen NATO-Staat stationiert werden.
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Lange hatte Pistorius zugesichert, die neue Brigade ausschließlich mit Freiwilligen aufzustellen. Von diesem Kurs wird nun abgerückt. Zunächst sollen vor allem Spezialisten, insbesondere aus dem IT-Bereich, gegen ihren ursprünglichen Verwendungswunsch nach Litauen versetzt werden. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung beschränken sich die Personalengpässe jedoch nicht nur auf Fachkräfte, sondern auch auf die regulären Truppenteile.
Heeresinspekteur Christian Freuding bestätigte den Strategiewechsel. Entscheidend sei, die Brigade bereits im kommenden Jahr vollständig einsatzbereit zu machen. Am Grundsatz der Freiwilligkeit werde festgehalten, dieser werde jedoch, „wo erforderlich“, durch verpflichtende Maßnahmen „ergänzt“. Die jeweiligen Entscheidungen sollten im Dialog mit den betroffenen Soldaten getroffen werden.
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Um mehr Soldaten für den Auslandseinsatz zu gewinnen, hatte die Bundesregierung in den vergangenen Jahren zusätzliche finanzielle Anreize geschaffen. Für Familien wurden deutsche Schulen in Litauen eingerichtet, außerdem erhalten Partner Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Dennoch blieb die Zahl der Bewerber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt ein Fehler bei der Berechnung der Auslandszulagen. Das Verteidigungsministerium räumte ein, daß die Zuschläge für mehrere Standorte in Litauen zu hoch angesetzt worden waren. Die Beträge sollen zum 1. Juli nach unten korrigiert werden.
Die Litauen-Brigade zählt zu den bedeutendsten Vorhaben der deutschen Sicherheitspolitik seit Beginn des Ukraine-Krieges. Erstmals stationiert Deutschland dauerhaft einen kampfbereiten Großverband außerhalb des eigenen Staatsgebietes. Die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung nähren jedoch erhebliche Zweifel, ob die Bundeswehr ihren wachsenden Verpflichtungen innerhalb der NATO mit ihrem vorhandenen Personalbestand überhaupt gerecht werden kann. Die Probleme bei der Litauen-Brigade zeigen, daß bei weitem nicht genügend junge Deutsche bereit sind, sich im Ernstfall an der NATO-Ostflanke verheizen zu lassen. (he)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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