Zerbricht die „Artillerie-Allianz“? Nur noch die Hälfte will für Ukraine-Munition zahlen

17. Juni 2026
Zerbricht die „Artillerie-Allianz“? Nur noch die Hälfte will für Ukraine-Munition zahlen
International
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Foto: Symbolbild

Prag/Kiew. Nicht nur die Ukraine selbst pfeift aus dem letzten Loch – auch ihre Unterstützer im Westen tun sich immer schwerer, ihre Hilfe aufrechtzuerhalten. Jetzt gerät ein zentrales Hilfsprogramm ins Wanken: nach Angaben des tschechischen Präsidenten Petr Pavel beteiligen sich nur noch neun Staaten an der von Prag koordinierten Munitions-Beschaffungsinitiative für Kiew (der sogenannten „Artillerie-Allianz“). Im vergangenen Jahr hatten zeitweise noch 18 Länder Geld bereitgestellt. Gegenüber der „Financial Times“ räumte Pavel nun ein, daß die sinkende Zahl der Geldgeber die Finanzierung erheblich erschwere. Dabei decke das Programm bis zu 50 Prozent des ukrainischen Bedarfs an großkalibriger Artilleriemunition und sei deshalb kaum zu ersetzen.

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Prag hatte die Initiative Anfang 2024 ins Leben gerufen, nachdem der Ukraine die Artilleriemunition auszugehen drohte. Seither organisiert die Tschechische Republik den Ankauf von Geschossen in Drittstaaten und deren Lieferung an die ukrainischen Streitkräfte.

Nach Angaben des tschechischen Verteidigungsministeriums wurden bislang mehr als drei Millionen Artilleriegeschosse bereitgestellt. Rund 1,5 Millionen entfielen auf das Jahr 2024, weitere 1,8 Millionen auf 2025. Für 2026 seien bereits Verträge über etwa eine Million zusätzliche Geschosse geschlossen worden.

Der Rückgang der internationalen Beteiligung folgt auf den Regierungswechsel in Prag. Andrej Babis kehrte im Dezember 2025 ins Amt des Ministerpräsidenten zurück und hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, keine staatlichen Mittel mehr für Waffenlieferungen an die Ukraine einzusetzen. Der „Financial Times“ sagte er, angesichts angespannter Staatsfinanzen habe die Unterstützung der eigenen Bevölkerung Vorrang. Prag übernehme deshalb nur noch die Rolle des Vermittlers, während andere Staaten die Käufe finanzierten.

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Nach Angaben eines westlichen Militärvertreters tragen Deutschland und mehrere nordische Staaten das Projekt weiterhin mit, sind aber – wie Deutschland – nicht in der Lage, eigene massive Munitionsengpässe endlich auszugleichen. Die Bundeswehr würde im Ernstfall bekanntlich nur über Artilleriemunition für rund zwei Tage verfügen. Andere Geldgeber sind komplett ausgestiegen. Pavel nannte keine Namen. Über die Zukunft der Initiative soll beim NATO-Gipfel im Juli in Ankara beraten werden. (mü)

Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei

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