Washington. Robert Kagan zählt seit Jahrzehnten zu den lautstärksten Fürsprechern der weltweiten US-Hegemonialpolitik. Außerdem gilt er als prominenter Israel-Unterstützer. Gerade deshalb sorgt sein jüngster Beitrag im US-Magazin „The Atlantic“ für Aufsehen. Der neokonservative Ideologe beschreibt den Krieg gegen Iran nämlich als strategisches Debakel historischen Ausmaßes. Nach seiner Einschätzung haben die USA nicht nur eine militärische Niederlage erlitten. Sie hätten darüber hinaus ihre Stellung als dominierende Macht am Persischen Golf dauerhaft eingebüßt.
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Kagan zieht einen drastischen Vergleich. Selbst die Niederlage in Vietnam erscheint ihm rückblickend als weniger folgenschwer. Frühere Niederlagen hätten sich räumlich begrenzen lassen. Im Fall Iran gehe es hingegen um das Zentrum der globalen Energieversorgung: „Die gegenwärtige Konfrontation mit Iran weist einen völlig anderen Charakter auf. Die Schäden können weder repariert noch ignoriert werden. Es wird keine Rückkehr zum Status quo ante geben.“ Iran kontrolliere inzwischen faktisch die Straße von Hormus und halte damit einen der wichtigsten Hebel der Weltwirtschaft in der Hand. China und Rußland würden gestärkt, die USA dagegen als schwach und unzuverlässig wahrgenommen.
Zwar übernimmt Kagan an mehreren Stellen fragwürdige Pentagon-Angaben, was die iranischen Verluste im jüngsten Waffengang angeht. Dennoch beschreibt er den eigentlichen Wendepunkt des Konflikts präzise. Entscheidend sei der 18. März gewesen. Israel griff damals das iranische South-Pars-Gasfeld an. Teheran antwortete mit einem Schlag gegen Ras Laffan in Qatar, das größte Flüssiggas-Terminal der Welt. Die Schäden seien so schwer, daß die Reparaturen Jahre beanspruchen könnten. Kagan: „Trump reagierte, indem er ein Moratorium für weitere Angriffe auf Irans Energieeinrichtungen verhängte und dann einen Waffenstillstand erklärte, obwohl Iran keinerlei Zugeständnisse gemacht hatte.“
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Damit beschreibt Kagan letztlich einen US-Rückzug unter Druck. Washington konnte militärisch eskalieren, doch jeder weitere Angriff hätte neue Schläge gegen die Energieinfrastruktur der Golfregion provoziert. Genau davor wich Trump zurück. Für Kagan offenbart dieser Vorgang den eigentlichen Macht- und Gesichtsverlust der USA.
Auch seine Einschätzung zur Zukunft der Straße von Hormus ist brisant. Iran habe keinerlei Interesse und zeige keinerlei Tendenz, die einmal erlangte Kontrolle wieder preiszugeben. Die USA hätten zugleich erkennen lassen, daß ihre Marine diese Entwicklung nicht verhindern könne. Teheran verfüge damit über ein weit wirksameres Druckmittel als jedes Atomprogramm. Staaten, die auf Öl- und Gaslieferungen angewiesen sind, müßten sich künftig mit Iran arrangieren.
Kagans größte Sorge gilt allerdings Israel. „Israel wird sich isolierter denn je wiederfinden“, warnt er. Der wachsende Einfluß Teherans könne dazu führen, daß Jerusalem international unter Druck gerate, militärische Operationen in Gaza oder Libanon einzuschränken. Gerade diese Passage verrät den eigentlichen Kern seines Artikels: nicht das Chaos des Krieges bekümmert Kagan am meisten, sondern der schwindende amerikanische und israelische Einfluß im Nahen Osten.
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Am Ende schildert Kagan – zweifellos zutreffend – eine Weltordnung im Umbruch. Die amerikanischen Waffenarsenale seien erschöpft, die industrielle Basis für schnellen Nachschub fehle. Verbündete in Europa und Asien müßten sich fragen, ob Washington überhaupt noch fähig sei, größere Konflikte durchzustehen. Der geopolitische Kommentator „Simplicius“ sieht darin bereits den Beginn einer post-amerikanischen Ära. Kagan selbst liefert keine Antwort. Nicht wenige Kommentatoren unterstellen, er versuche lediglich, Abstand zu einem Desaster zu gewinnen, das sein eigenes politisches Lager, die US-Neokonservativen, jahrzehntelang vorbereitet hat. (mü)
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