Emmanuel Todd: Die USA sind zum „nihilistischen Mordstaat“ verkommen

9. Mai 2026
Emmanuel Todd: Die USA sind zum „nihilistischen Mordstaat“ verkommen
International
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Foto: Symbolbild

Paris/Tokio. Die USA unter Präsident Donald Trump bewegen sich nach Überzeugung des französischen Historikers und Anthropologen Emmanuel Todd auf eine „dritte Niederlage“ zu – ausgelöst durch Trumps Versuch, von seinen beiden vorherigen Niederlagen abzulenken. Diese Einschätzung vertrat Todd dieser Tage in einem Interview der japanischen Zeitung „The Asahi Shimbun“.

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Todd, der 1976 bereits den Untergang der Sowjetunion vorhersagte, bezeichnet als erste Niederlage „die faktische Niederlage der Vereinigten Staaten gegen Rußland in der Ukraine“. Wegen einer schrumpfenden Produktionsbasis hätten die USA die Ukraine nicht ausreichend mit Waffen versorgen können. Das offenbare, „daß das US-amerikanische Industriesystem keinen großen Krieg durchstehen kann“. Die zweite Niederlage sei „noch bedeutender: die Niederlage gegen China“. Trump habe mit Zöllen gedroht, doch als die Chinesen mit einem Embargo für Seltene Erden konterten, „mußte er sehr schnell zurückrudern“.

Alles, was Trump jetzt tue, diene der Ablenkung, „um uns – und sich selbst – diese großen Niederlagen vergessen zu lassen“. Der Angriff Israels und der USA auf den Iran habe auf die gleiche Weise wie jener auf Venezuela begonnen. Da der Iran jedoch nicht zusammenbrach, sei die Lage außer Kontrolle geraten, was sich als „dritte große Niederlage für die USA“ herausstellen könne.

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Die eigentliche Ursache des Iran-Krieges sieht Todd im Zerfall der US-amerikanischen Gesellschaft und deren Zustand der „Null-Religion“. Die moralische und spirituelle Disziplin sowie die Werte, die einst die US-Gesellschaft zusammengehalten hätten, seien verlorengegangen. In dieser Dekadenz breite sich „Nihilismus“ aus, bei dem man scheinbar Freude an der Zerstörung und am Töten selbst habe. Das macht Todd auch für Israel aus. „Wenn sich ein iranischer Führer nicht den Absichten der USA anpaßt, wird er beseitigt. Die Führer eines anderen Landes nacheinander zu beseitigen – das darf niemals zugelassen werden. Das ist nicht die Welt der vernünftigen modernen Politik; es ist das Ergebnis von Wahnsinn. Die Franzosen, die Japaner, die Chinesen, alle Menschen auf der Welt müssen sich einig sein. Das ist Hitlers Art.“

Auf den Hinweis, dies sei eine harte Formulierung, verwies Todd darauf, daß er Franzose mit jüdischem Hintergrund sei. Deshalb kritisiere er den Wahnsinn und die Rücksichtslosigkeit der USA stärker als alles andere. Die USA und Israel führten keinen „Krieg“, der eigentlich ein Kampf zwischen Armeen sein solle. Es handle sich vielmehr um ein „Attentat“, wenn Einzelpersonen ins Visier genommen und getötet würden. Die führende Rolle in der US-Außenpolitik habe sich nicht auf das Außenministerium oder das Pentagon, sondern auf die CIA verlagert.

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Überhaupt handle es sich bei den USA nicht mehr um die traditionelle „Republik“ aus Kongreß, Präsident und Oberstem Gerichtshof. Sie hätten sich in ein „Imperium“ aus Präsident, Pentagon und CIA verwandelt. Kongreß und Oberster Gerichtshof seien nichts weiter als beratende Gremien. „In einer US-Außenpolitik, die auf gezielte Tötungen von Einzelpersonen setzt, ist die CIA zur wichtigsten Institution geworden. Dies ist ein Beweis dafür, daß die Vereinigten Staaten als Nation zu einem ‚nihilistischen Mordstaat‘ verkommen sind.“

Japan empfahl Todd, statt neuer Feindschaft zu China das Verhältnis zu den USA kritisch zu prüfen. Aus der Perspektive eines „echten“ Nationalismus sei es „nur natürlich, für die Souveränität und Unabhängigkeit der eigenen Nation zu kämpfen und die ausländischen Stützpunkte im eigenen Land zurückzugewinnen“. Es liege niemals im Interesse Japans, auf Washingtons Geheiß in einen Konflikt mit China zu ziehen.

Was derzeit geschehe, sei möglicherweise „der Zusammenbruch eines riesigen Imperiums. Die Ideale und Strukturen, die uns vertraut waren und die die Welt lange Zeit gestützt haben, brechen mit lautem Krachen zusammen.“ Japan solle „sich stillschweigend von den Vereinigten Staaten distanzieren und das Verständnis sowie die Beziehungen zu asiatischen Ländern, einschließlich China, friedlich vertiefen“. Dann würden viele Länder Japans Existenz in einer multipolaren Welt akzeptieren. Dieser Rat gelte auch für europäische Regierungen. (mü)

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