Der „Erfinder“ des Populismus: Umberto Bossi ist tot

28. März 2026
Der „Erfinder“ des Populismus: Umberto Bossi ist tot
International
0
Foto: Symbolbild

Varese/Rom. Eine Zeitlang mischte er in der italienischen Politik ganz vorne mit, heute kennen ihn nur noch Experten. Umberto Bossi, Gründer der vormaligen „Lega Nord“ und einer der ersten europäischen Populisten, ist dieser Tage im Alter von 84 Jahren in Varese in der Lombardei verstorben.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Geboren 1941 in Cassano Magnago, versuchte sich Bossi in den bewegten sechziger und siebziger Jahren zunächst als Liedermacher unter dem Künstlernamen Donato und schrieb Gedichte im lombardischen Dialekt. Zeitlebens verstand er sich als entschiedener Antifaschist, sympathisierte mit der Linken und war kurzzeitig sogar Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens. Als im Norden Italiens regionale Autonomiebewegungen entstanden, war er sofort fasziniert. Er war an der Gründung verschiedener Gruppierungen beteiligt, aus denen die Lega Lombarda hervorging – später erweitert zur Lega Nord. Ziel der neuen Bewegung war nichts weniger ein eigenständiger norditalienischer Staat – eine Kampfansage an den Nationalstaat, der in Italien ebenso wie in Deutschland erst spät, 1870, aus der Taufe gehoben wurde.

Bossi wußte für sein Anliegen nachvollziehbare ökonomische Gründe anzuführen. Er führte die „Roma ladrona“, das räuberische Rom, im Munde, das den Norden ausplündere, um damit eine korrupte römische Elite und die süditalienischen „terroni“ durchzufüttern. Die italienische Trikolore, sagte er verächtlich, benutze er nur, „um mir damit den Arsch abzuwischen“. Bossi erklärte die Einheit des Landes für gescheitert und forderte die Abtrennung des Nordens. Der neue Staat sollte Padanien heißen, nach der Po-Ebene.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Mit seiner einprägsamen Stimme und seiner charismatischen Rhetorik gab er den selbstbewußten Außenseiter im italienischen Polit-Theater. Die Lega Nord verband Folklore und Separatismus mit einer liberalen Wirtschaftspolitik, die sich für die regionalen Klein- und Mittelbetriebe starkmachte. Der Po wurde nachgerade zum heiligen Fluß erklärt, die Parteifahne zeigte den mittelalterlichen Ritter Alberto da Giussano, der in der Entscheidungsschlacht von Legnano 1176 den „Caroccio“, den Fahnenwagen der Lombarden, gegen das Heer des Kaisers Friedrich Barbarossa verteidigte.

Die Lega Nord florierte. Zeitweise war sie als Bündnispartner für Silvio Berlusconi interessant, dem Bossi aber zutiefst mißtraute. 1994 wurde sie erstmals Teil einer Berlusconi-Regierung, doch nach wenigen Monaten ließ Bossi das Bündnis platzen. 2001 folgte eine erneute Koalition, Bossi wurde Minister für institutionelle Reformen. Doch das Ziel eines Separatstaates Padanien rückte in immer weitere Ferne.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

2004 erlitt Bossi im Alter von 63 Jahren einen schweren Gehirnschlag. Die Genesung dauerte Jahre, und er erholte sich nie wieder vollständig. Zwar blieb er bis 2012 Vorsitzender, doch die Partei entglitt ihm mehr und mehr. Der endgültige Bruch kam, als sein Nachfolger Matteo Salvini das „Nord“ aus dem Parteinamen tilgen ließ und die Lega zur landesweiten Kraft machen wollte. Bossi gehörte der umbenannten Lega zwar noch an, ließ aber keine Gelegenheit aus, seinem Unmut über die Nord-Vergessenheit der neuen Führung zu freien Lauf zu lassen. Heute ist die Lega fester Bestandteil des italienischen Parteien-Establishments und gehört der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni als Koalitionspartner an. (mü)

Bild: Wikimedia/Fabio Visconti/gemeinfrei

Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!

Folgen Sie ZUERST! auch auf Telegram: https://t.me/s/deutschesnachrichtenmagazin

Schreibe einen Kommentar

Die maximale Zeichenanzahl bei Kommentaren ist auf 2000 begrenzt.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert