Washington/Teheran. US-Präsident Donald Trump zeigte sich nach den ersten Tagen des amerikanisch-israelischen Angriffs auf Iran zufrieden: man liege „weit vor dem Zeitplan“, teilte er am Montag am Rande einer Medaillenverleihung mit. So seien etwa für die Ausschaltung der militärischen Führung des Iran mehrere Wochen eingeplant worden – tatsächlich habe dies jedoch nur Stunden gedauert, sagte der US-Präsident. Dennoch gibt es Unwägbarkeiten in Trumps Plan – und Kalkulationen, die er womöglich nicht auf dem Radarschirm hat.
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So wird von Beobachtern der Kamphandlungen darauf aufmerksam gemacht, daß von den von den Iranern verschossenen Drohnen nicht einmal 30 Prozent ihre Ziele erreichten. Doch diese Zahl ist irreführend. Denn es geht nicht um die Trefferquote, sondern um eine einfache Kostenkalkulation.
Die Iraner sind nach wie vor in der Lage, ganze Schwärme ihrer „Shahed“-Drohnen zu starten. Diese kosten pro Stück zwischen 20.000 und 50.000 Dollar – technisch gesehen, handelt es sich um fliegende Mopeds mit einem Sprengsatz. Die gegnerische Abwehr hingegen, etwa die „Patriot“-Systeme der USA und ihrer Verbündeten, verschießt gegen diese Billigdrohnen Raketen im Stückwert von vier Millionen Dollar – vier Millionen für einen Schuß.
Die Rechnung ist einfach: verschießt der Iran 1000 „Shaheds“, so kostet ihn das 30 Millionen Dollar. Aber selbst wenn die gegnerische Abwehr fehlerlos arbeiten und alle abschießen würde, entstehen dadurch Ausgaben von vier Milliarden Dollar. Das entspricht einem Verhältnis von 1:133.
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Deshalb ist die mutmaßliche Trefferquote von 30 Prozent bedeutungslos. Auch wenn nur 15 Prozent der Drohnen durchkommen, hat der Iran bereits einen immensen Erfolg erzielt: jede einzelne durchkommende Drohne hat ein Vielfaches ihres Wertes an teuren Abwehrraketen vernichtet. Auch der berühmte „Iron Dome“ der Israelis verfeuert für einen einzigen Schuß bis zu 150.000 Dollar pro Rakete – und die israelischen Arsenale sind begrenzt.
Das ist keine Kriegführung im herkömmlichen Sinne. Vielmehr arbeiten die Iraner daran, die gegnerische Kriegskasse systematisch auszutrocknen. Man könnte sagen, sie bomben mit ihren Billigdrohnen die Arsenale des Westens leer. Die „Shaheds“ gehen ihnen dabei bis auf weireres nicht aus (wenn es dem Gegner nicht gelingt, die unterirdischen Arsenale zu treffen), die Luftverteidigung Israels hingegen ist jetzt schon ausgedünnt. Die Zahl von 30 Prozent der ursprünglichen Munitionsbestände ist zu hören – wahrscheinlich liegt sie sogar niedriger. Für die Iraner ist das ein hervorragendes Ergebnis. Sie haben dabei nur die Drohnenstrategie auf dem ukrainischen Kriegsschauplatz adaptiert. Auch dort besteht das ganze Geheimnis darin, die gegnerische Luftabwehr durch Masse zu „überfordern“. Und die Iraner konnten sich lange genug auf ein Szenario wie das derzeitige vorbereiten.
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Es gibt aber noch ein weiteres Kalkül, das US-Präsident Trump womöglich nicht bedacht hat – ein politisches. Die Vereinigten Arabischen Emirate erleiden durch den iranischen Beschuß empfindliche Verluste, an Infrastruktur, beschädigten Hafenanlagen, ausbleibenden Einnahmen. Der Flughafen von Dubai etwa macht pro Minute Stillstand einen Verlust von rund einer Million Dollar. In diesem Preis sind die Verluste der Fluggesellschaft Emirates, des Transits, der Hotels, des Handels und der Taxis enthalten. Und Katar hat nach einem Treffer die Erdgasproduktion in der größten Exportanlage der Welt eingestellt.
Gleichzeitig muß die US-Infrastruktur in der Region Treffer durch iranische Raketen einstecken – einschließlich inzwischen (Stand: Dienstag) sechs getöteter Soldaten. Sogar das US-Konsulat in Dubai wurde in Brand geschossen. Burj Khalifa, Burj Al Arab, Palm Jumeirah wurden getroffen. Der psychologische Schock ist größer als die tatsächlichen Schäden. Die Emirate bestürmen Washington, sie mit mehr Luftverteidigung auszustatten. Aber die Arsenale der Amerikaner leeren sich selbst. Schon wird in den US-Stäben darüber nachgedacht, Teile der auf Taiwan stationierten Luftabwehr an den Golf zu verlegen.
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Der US-Wirtschaftsnachrichtendienst „Bloomberg“ schreibt dazu: „Vor diesem Hintergrund üben die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar aktiv Druck auf die USA aus, die Bombardierungen gegen den Iran einzustellen und eine diplomatische Lösung zu finden.“ Spätestens hier entfaltet der iranische Beschuß über den ökonomischen Aspekt hinaus politische Wirkung: Trump muß sich vorhalten lassen, daß er nicht imstande ist, seine regionalen Verbündeten angemessen zu schützen.
Nichtsdestoweniger sind die amerikanisch-israelischen Präzisionsschläge rein militärisch betrachtet eine beeindruckende Demonstration technologischer Überlegenheit auf dem Schlachtfeld. Die Ausschaltung der gesamten iranischen Führungselite – politisch wie militärisch – durch gezielte Luftschläge ist zugegebenermaßen ein beachtlicher Erfolg. (mü/he)
Bild von Dice Me auf Pixabay
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