Gewaltmetropole Berlin: Schüsse, Messer, Clankriminalität

3. Februar 2026
Gewaltmetropole Berlin: Schüsse, Messer, Clankriminalität
Kultur & Gesellschaft
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Foto: Symbolbild

Berlin. In Berlins Straßen fällt durchschnittlich alle 17 Stunden ein Schuß. Zu Silvester gehören Schreckschußwaffen ohnehin zum Stadtbild. Im Dezember flog sogar eine Handgranate in einen Kreuzberger Club, mutmaßlich im Zusammenhang mit Schutzgelderpressung. Der frühere LKA-Beamte Thomas Ganz spricht von einer „Normalisierung in der Medienberichterstattung“ über solche Vorfälle.

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Ganz, seit 2011 Experte für Clankriminalität, sieht einen deutlichen Zusammenhang: wo früher Messerattacken dominierten, machen nun Schußwaffen den Beamten zu schaffen. „Der Einsatz von Messern, Macheten, Baseballschlägern oder Totschlägern, der war schon immer clantypisch“, sagt Ganz. Der vermehrte Waffengebrauch sei aber eine neue Qualität: „Der Kriminalität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.“

Eine weitere Entwicklung sind nach seinen Worten Verheiratungen innerhalb von Clanstrukturen, die in Deutschland „unterm Radar“ abliefen. „Da tut sich in Deutschland gar nichts. Da tut man so, als gebe es das Problem nicht. Wenn ich solche Fakten bringe, dann gibt’s das Schweigen im Walde – keine Reaktionen. Es wird totgeschwiegen“, kritisiert Ganz mit Blick auf das „linksideologische Spektrum“.

In der Politik wird über den Begriff „Clankriminalität“ immer noch gestritten. Ganz räumt ein: „Ich finde den Begriff auch nicht besonders klasse, aber glauben Sie mir: in den 15 Jahren, die ich mich damit nun intensiv beschäftige – kein noch so intelligenter Mensch hat mir eine Alternative genannt.“

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Berlin verfolgt seit 2019 einen Fünf-Punkte-Plan mit Razzien und Ordnungswidrigkeitsverfahren. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) versprach 2024, den kriminellen Strukturen „gezielt den Nährboden“ zu entziehen. Hinzugekommen ist die gezielte Vermögensabschöpfung. Ganz fordert eine Beweislastumkehr, bei der Besitzer auffälligen Reichtums die legale Herkunft nachweisen müßten.

Im November rief die Polizei die Sondereinheit „Ferrum“ ins Leben, um neuen Machtkonstellationen im Clanmilieu zu begegnen. Ganz lobt diesen Schritt. Ob damit jedoch Ursachen bekämpft oder nur Symptome bekämpft werden, ist für ihn noch nicht ausgemacht. Für wirkliche Veränderungen fehle es am politischen Willen. Das nächste offizielle Lagebild zur Clankriminalität wird für August 2026 erwartet. (rk)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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