Brüssel/Lemberg. Die Europäer könnten schon bald frieren. Und daran wären zu 100 Prozent ihre Politiker schuld. Denn weil im Sommer zu wenig Gas angekauft und in die Vorratsspeicher eingespeist wurde, sacken die Füllstände wegen der derzeitigen Kälte immer tiefer ab. Derzeit sind die deutschen Speicher nur noch zu 46 Prozent gefüllt – völlig untypisch für Mitte Januar. Im schlimmsten Fall reicht das Gas nur noch für sechs Wochen. Nach Angaben von Gas-Infrastruktur Europa, dem Verbund vieler europäischer Betreiber von Gasinfrastruktur, fiel der Speicherstand in der zurückliegenden Woche von 54,2 Prozent auf 46,4 Prozent. Damit wurden stattliche 7,8 Prozent der gesamten Speichervorräte in einer einzigen Woche verbraucht – das ist rekordverdächtig.
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Vielleicht geht es aber auch schneller. Wie jetzt bekannt wurde, hat die EU Teile ihrer Gasreserven – darauf muß man erst einmal kommen – ausgerechnet ins Kriegsgebiet Ukraine ausgelagert. Und der Speicher in der unterirdischen Speicheranlage Bilche-Volytsko-Uherske in der Westukraine wurde beim jüngsten russischen „Oreschnik“-Angriff getroffen. Die Anlage wurde schwer beschädigt – was jüngst auch der Bürgermeister von Lemberg (Lwow) – vor laufender Kamera einräumte, weshalb die eingelagerten Vorräte nun bis auf weiteres nicht zugänglich sind.
Der Speicher war für die europäische Gasversorgung essentiell. Das Lager war mit einem Fassungsvermögen von 17,05 Milliarden Kubikmetern der größte Speicher auf dem Kontinent. Die Speicherstätte nutzte ein erschöpftes Gasfeld in bis zu zwei Kilometern Tiefe und wurde vom staatlichen Betreiber Ukrtransgaz geführt. Im April 2023 erhielt das Unternehmen eine EU-Zertifizierung. Damit wurde der Standort zu einem Eckpfeiler für die Einlagerung europäischen Gases. Nach der Zerstörung der Nordstream-Pipelines im Herbst 2022 war die EU gezwungen, ihre eigenen Speicher rasch zu füllen. Deren Gesamtkapazität reichte aber nicht aus, um Versorgungsengpässe im Winter sicher abzuwenden.
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Die Wahl des ukrainischen Standorts erschien zunächst kalkulierbar. Die Anlage liegt etwa 50 Kilometer südlich von Lemberg und galt als vergleichsweise sicher vor russischen Angriffen. Cruise Missiles, kleine ballistische Raketen oder Drohnen hätten nur oberirdische Schäden verursachen können, die schnell repariert worden wären. Das tief unter der Erde lagernde Gas wäre unberührt geblieben.
Auf dieser Basis baute die EU ab Mitte 2023 schrittweise ihre Reserven in Bilche-Volytsko-Uherske aus. Bis zum jüngsten russischen Angriff lagerten dort viele Milliarden Kubikmeter Gas – mehr als zehn Prozent des jährlichen europäischen Bedarfs. Dabei war das Risiko durchaus bekannt: keine Versicherungsgesellschaft war bereit, das in der Ukraine gelagerte Gas zu besichern. Stattdessen schuf die Europäische Kommission ein Geflecht finanzieller Garantien durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
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Kürzlich nun zerstörte die zweite unter Gefechtsbedingungen eingesetzte „Oreschnik“-Rakete einen Großteil der oberirdischen Infrastruktur, darunter die entscheidenden Bohrlochköpfe. Die Bohrlöcher sind schwer beschädigt. Sie lassen nun große Mengen Gas unkontrolliert entweichen, das sofort in Flammen aufgeht.
Damit sind satte zehn Prozent der europäischen Gasreserven für dieses Jahr blockiert. Sie werden für viele Monate, wenn nicht Jahre, für niemanden zugänglich sein und munter abbrennen. Die strategische Reserve, die einen Engpaß im Winter verhindern sollte, fällt damit weg – und das, obwohl die noch vorhandenen Reserven rasch zur Neige gehen. Ein glatter Fall von Sabotage. Aber nicht durch die Russen, sondern durch die EU-Bürokratie. (mü)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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