Die ersten Lieferketten reißen: Chemieindustrie vor dem Kollaps?

17. März 2026
Die ersten Lieferketten reißen: Chemieindustrie vor dem Kollaps?
Wirtschaft
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Foto: Symbolbild

Berlin. Für die deutsche Chemieindustrie, die schon seit Ausbruch des Ukrainekrieges unter drastisch steigenden Kosten leidet, könnte es jetzt richtig eng werden. Sie gerät wegen der ausbleibenden Rohstoffversorgung durch die Straße von Hormus zusätzlich unter Druck. Immer mehr mittelständische Firmen meldeten in den vergangenen Tagen Probleme, teilt der Verband der Chemischen Industrie mit. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große-Entrup spricht von einer „extrem zugespitzten“ Lage. „Die Signale, die wir aktuell insbesondere aus dem Mittelstand bekommen, sind dramatisch. Es ist inzwischen nicht mehr nur eine Preisfrage, sondern auch eine Frage der Verfügbarkeit.“ Es komme bereits zu „extremen Engpässen“ und „Abbrüchen von Lieferketten im Rohstoffbereich“.

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Hauptgrund ist die Sperrung der Straße von Hormus, durch die zahlreiche für die Chemieproduktion unverzichtbare Rohstoffe transportiert werden. Besonders kritisch sieht der Verband die Lage bei Schwefel, von dem die Hälfte des Welthandels über die Meerenge läuft. Auch die Heliumversorgung gerate unter Druck: 40 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus Katar. „Das sind Bereiche, die sich inzwischen große Sorgen machen“, sagt Große-Entrup. Hinzu kämen Einschränkungen beim Aluminiumhandel.

Als zweiten Belastungsfaktor nennt der VCI reduzierte Lieferungen aus China. Die chinesischen Produzenten priorisierten zunehmend die eigene Versorgung. „Die Chinesen wissen sehr genau, daß es perspektivisch zu Engpässen kommen könnte“, erklärt Große-Entrup. Deshalb gelte zunehmend die Devise „China first“.

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Noch verschafften die langen Transportwege aus China der hiesigen Industrie etwas Zeit. „Was unterwegs ist, ist unterwegs. Was wir jetzt nicht mehr bestellen können, fehlt perspektivisch in sechs bis acht Wochen.“

Die Unternehmen hielten sich mit konkreten Angaben zu Engpässen zurück – das Thema sei zu sensibel für die Wettbewerbsfähigkeit. Ein Problem sei aber die Versorgung mit Harzen für Lacke und Kunststoffe.

Die deutsche Chemiebranche, ein zentraler Pfeiler des Industriestandorts Deutschland, steckt ohnehin schon tief in den roten Zahlen. „Die Jahresbilanz der Chemie ist unterirdisch. Produktion, Umsatz und Preise sind im roten Bereich“, so Große-Entrup. Wegen der Unsicherheit durch den Iran-Krieg verzichtete der Verband auf eine Prognose für 2026. Aber selbst wenn genügend Rohstoffe vorhanden wären, könnten deutsche Hersteller längst nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. (rk)

Bild: Pixabay/Gemeinfrei

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