Trotz Sanktionen und Krieg: Das russische Wirtschaftswunder

1. März 2026
Trotz Sanktionen und Krieg: Das russische Wirtschaftswunder
Wirtschaft
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Foto: Symbolbild

Moskau. Zu Beginn des fünften Kriegsjahres ist die Ernüchterung groß: allen westlichen Hoffnungen und Sanktionen zum Trotz ist Rußland weder wirtschaftlich noch militärisch zusammengebrochen. Deshalb dürften auch die derzeit wieder kursierenden Nachrichten über den Tod der russischen Ökonomie stark übertrieben sein. Das waren sie in den vergangenen Jahren reichlich oft.

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Am 24. Februar 2022 ging eine Schockwelle durch die Büros der Ökonomen von Moskau über Washington bis Berlin. Selbst ein Absacken der russischen Wirtschaft um 20 Prozent schien manchen denkbar. Doch sie schrumpfte im ersten Kriegsjahr nur um 1,4 Prozent – trotz tausender (!) westlicher Sanktionen, die bis heute auf knapp 24.000 angewachsen sind. Man habe die Mechanismen einer solchen neuen Situation erst sukzessive verstanden, weiß Oleg Vjugin, Ex-Vizechef der russischen Zentralbank, zu berichten. Das starke Wachstum von jeweils über vier Prozent in den Jahren 2023 und 2024 verwunderte viele dann nicht mehr.

Geht man der Resilienz auf den Grund, findet man eine Ursache in der Konzeption der Sanktionen selbst. Sie waren wohldosiert. „Viele der bestehenden Schlupflöcher sind darauf zurückzuführen, daß die sanktionierenden Länder die negativen Folgen für ihre eigene Wirtschaft so gering wie möglich halten wollen“, sagt Vasily Astrov, Rußlandexperte des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Als Beispiele nennt er die nicht sanktionierten Importe russischen Urans oder Titans sowie die erst knapp ein Jahr nach Kriegsbeginn eingeführten Beschränkungen gegen den Ölexport. Die berechtigte Befürchtung vor einer Preisexplosion auf dem Weltmarkt bremste den Westen.

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„Die Sanktionen hätten die russische Wirtschaft nur dann unterminieren können, wenn sie alle in ihrem derzeitigen Umfang in den ersten drei bis vier Wochen des Krieges verhängt worden wären“, sagt Vladislav Inozemtsev, einst Wirtschaftsberater des Kreml. „Durch die sukzessive Einführung aber gab der Westen Rußland die Möglichkeit, Wege zur Umgehung zu finden und sich anzupassen.“ In dieser Anpassungsfähigkeit sieht Inozemtsev fast den wichtigsten Grund für die Resilienz: „Die privaten Unternehmer wollten überleben und ihr Geschäft erhalten. Und sie sind es gewohnt, unter den Bedingungen eines starken Wettbewerbs mit sehr geringen Margen zu arbeiten.“ Die Moskauer Ökonomin Natalja Subarewitsch wundert sich darüber: „Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, wie diese Leute sich halten.“

Im Nu wurden Produktionen umgestellt, neue Logistikketten aufgebaut. Freilich wäre das ohne die Mitwirkung Chinas und anderer Staaten des sogenannten globalen Südens nur bedingt erfolgreich gewesen. Sie fungieren als Hubs für den Re-Export westlicher Güter – auch sanktionierter wie Halbleiterchips – nach Rußland. Zudem wurde Indien zum wichtigsten Käufer russischen Öls, nachdem Europa seine Einkäufe gekappt hatte.

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Ökonom Astrov weist auf den wenig beachteten Umstand hin, daß die Bedeutung des Globalen Südens für Rußland auch insofern wuchs, als dessen Gewicht in der Weltwirtschaft zuungunsten des Westens zunahm. China überragt dabei alle und löste Europa als größten Handelspartner ab. Ein Unterschied zu Europa: China investiert in Rußland so gut wie gar nicht.

Den fiskalischen Impuls heben beide Ökonomen als zentrale Voraussetzung für die Resilienz hervor. Das Geld fließt hauptsächlich in den Rüstungssektor und den Sold der Soldaten, trieb die Löhne hoch und zog andere Sektoren mit. In der Höhe der Militärausgaben von 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erkennen sie noch lange keine Kriegswirtschaft, sondern höchstens eine partielle. Daß Rußland sich diese Ausgaben leisten konnte, lag in der eisernen Spardisziplin vor dem Krieg. „Rußland bereitet sich auf einen Wirtschaftskrieg vor“, hatte Ex-Zentralbankvize Vjugin schon 2019 gesagt. Und in den ersten beiden Kriegsjahren habe sich der Wirtschaftsblock – Zentralbank und Finanzministerium – am effizientesten erwiesen, betont Inozemtsev. „Das größte Versagen, so seltsam es auch klingt, haben Aufklärung und Geheimdienst FSB hingelegt, die Putin zu Kriegsbeginn völlig diskreditiert haben.“

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Als Versagen des Westens sehen viele Beobachter, daß viele reiche Russen auf Sanktionslisten gesetzt und mit ihren Milliarden nach Rußland zurückgetrieben wurden. „Zum Teil erklärt das das hohe Investitionswachstum in Rußland in den Jahren 2023 und 2024“, meint Astrov. Und Inozemtsev fügt hinzu, daß durch die Finanzsanktionen jene 60 Milliarden Dollar, die Russen pro Jahr in den Westen transferierten, nicht mehr abfließen konnten. Unabhängig davon zeigen Untersuchungen: Sanktionen gegen eine Wirtschaft von der Größe Rußlands, die zudem in die Weltwirtschaft integriert ist, haben begrenzte Wirkung. Und so wuchs Rußlands Wirtschaft während des Krieges deutlich an. (mü)

Pixabay/Gemeinfrei

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