Teheran/Tel Aviv. Die Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens ist fragil. Sie wird zunehmend durch ein komplexes Wettrüsten im Raketenbereich geprägt. Aktuelle Konflikte in der Region verbinden konventionelle Kriegführung mit Cyberoperationen, wirtschaftlichem Druck und Stellvertreterkriegen – wobei die Raketenwaffe bei allen Akteuren eine entscheidende Rolle spielt. Diese Entwicklung verändert die regionalen Machtverhältnisse schleichend und schafft neue sicherheitspolitische Dynamiken, die weit über die Region hinaus ausstrahlen.
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Die Nase vorn im Raketenwettrüsten hat der Iran, der trotz der im Juni 2025 erlittenen Verluste im Konflikt mit Israel über das größte und vielfältigste Raketenarsenal der Region verfügt. Teherans Raketenstrategie stützt sich auf ein beeindruckendes Spektrum: die „Fateh“-110, eine präzisionsgelenkte Rakete mit einer Reichweite von 300 Kilometern, die dank Satellitennavigation Ziele in einem Radius von weniger als 10 Metern treffen kann; die flüssigkeitsgetriebene „Chorramschahr“ mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern, die mehrere Sprengköpfe tragen kann, um gegnerische Raketenabwehrsysteme auszumanövrieren; und die zweistufige „Sejil“ mit 2.500 Kilometern Reichweite, die Berichten zufolge ein Wiedereintrittsprojektil mit Geschwindigkeiten von bis zu Mach 10 transportieren kann.
Die Stärke der iranischen Raketentruppen liegt in ihrer Fähigkeit, die Luftverteidigung des Gegners mit großen Salven zu überfordern. Selbst fortschrittliche Abwehrsysteme können dabei Schwierigkeiten haben, alle Raketen abzuwehren, wenn Dutzende gleichzeitig abgefeuert werden. Dieser Ansatz wird durch ein umfangreiches Drohnenprogramm ergänzt, insbesondere durch die „Shahed“-Serie von Loitering Munitions („herumlungernde Munition“), die in großer Zahl gegen Israel eingesetzt wurden. Allerdings zeigte der Juni-Konflikt 2025 auch die Verwundbarkeit dieser Strategie: israelische Luftangriffe auf mobile Abschußrampen und neue Luft-Luft-Raketen für die Drohnenabwehr neutralisierten einen Großteil der iranischen Bedrohung. Dennoch bleibt die schiere Menge mit über 2.000 Raketen verschiedener Typen Irans Trumpfkarte.
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Israel verfolgt eine grundsätzlich andere Strategie. Statt auf Massenarsenale setzt Tel Aviv auf technologische Überlegenheit und mehrschichtige Verteidigungssysteme. Das Rückgrat der israelischen Streitkräfte bilden über 300 moderne Kampfflugzeuge, darunter F-15, F-16 und F-35 der fünften Generation. Diese sind ausgestattet mit Lenkwaffen, Präzisionsbomben und luftgestützten ballistischen Waffen, die Israel in die Lage versetzen, feindliche Luftabwehrsysteme niederzuhalten und verheerende Präzisionsschläge zu führen.
Hinzu kommt die mehrschichtige Raketenabwehrarchitektur – vom „Iron Dome“ für Kurzstreckenraketen über „David’s Sling“ für Mittelstreckenraketen bis hin zu „Arrow-3“ für ballistische Bedrohungen aus dem Weltraum. Diese Systeme haben sich in der Vergangenheit als äußerst wirksam erwiesen und sorgen dafür, daß Israel einen Großteil der Bedrohungen durch die Raketen- und Drohnenarsenale seiner Gegner neutralisieren kann.
Ein besonderes Element der israelischen Strategie ist die nukleare Abschreckung, über die bewußt keine Angaben gemacht werden. Während Tel Aviv seine atomaren Bestände nie offiziell bestätigt hat, gehen chinesische Analysten davon aus, daß die ballistische Rakete „Jericho-3“ mit einer geschätzten Reichweite von 4.800 bis 6.000 Kilometern in der Lage ist, Atomsprengköpfe zu transportieren.
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Die Türkei wiederum verfolgt einen ehrgeizigen Weg der militärischen Autarkie und innovativen Raketentechnologie. Das Herzstück der türkischen Raketenbemühungen bildet das „Tayfun“-Programm, eine operativ-taktische ballistische Rakete mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern, die sich derzeit in der Testphase befindet. Türkische Insider gehen davon aus, daß das System innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre in Dienst gestellt werden könnte. Das „Tayfun“-System soll sich zu einem mobilen Raketensystem entwickeln, das mit der russischen „Iskander“ vergleichbar ist – hochpräzise, schwer abzufangen und dafür ausgelegt, trotz moderner Raketenabwehrsysteme kritische Ziele zu treffen.
Diese Entwicklung ist Teil eines umfassenderen Modernisierungsprogramms, das vom Kampfflugzeugprogramm der fünften Generation (KAAN) über fortschrittliche Drohnen wie die „Kizilelma“ bis hin zu einem eigenen Kampfpanzer und einer modernen Marine reicht. Die türkische Verteidigungsindustrie arbeitet intensiv daran, die Abhängigkeit von ausländischen Rüstungslieferanten zu verringern und die strategische Autonomie des Landes zu erhöhen. Mit politischem Willen und entsprechenden Ressourcen könnte die technische Basis des „Tayfun“-Programms auf Raketen mit Reichweiten von 1.000 oder sogar 5.000 Kilometern ausgeweitet werden.
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Saudi-Arabien verfügt zwar über beträchtliche Raketenbestände, bleibt jedoch stark von ausländischen Lieferanten abhängig. Das Rückgrat des saudischen Arsenals bilden ballistische Raketen chinesischer Herkunft, die allerdings schon vor Jahrzehnten erworben wurden. Die DF-3 mit einer Reichweite von etwa 3.000 Kilometern basiert auf einem Design aus den 1950er Jahren und weist eine geringe Genauigkeit auf, die sie hauptsächlich für Angriffe auf großflächige Ziele wie Städte geeignet macht. Moderner sind die DF-21-Feststoffraketen mit einer Reichweite von etwa 2.100 Kilometern, die mobil, genauer und potentiell in der Lage sind, Präzisionsschläge gegen militärische Ziele auszuführen.
Saudi-Arabien hat nie Atomwaffen entwickelt, obwohl die ursprüngliche Beschaffung der DF-3 als Trägerplattform für Atomwaffen sinnvoll gewesen wäre. Stattdessen werden diese Raketen meist nur bei Paraden und symbolischen Machtdemonstrationen eingesetzt, was ihren Charakter als vorwiegend politisches Druckmittel unterstreicht.
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Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen einen vollständig anderen Ansatz und verlassen sich fast ausschließlich auf fortschrittliche westliche Flugzeuge und Raketenabwehrsysteme. Ihre Stärke liegt mehr in der Vernetzung mit Systemen der USA und ihrer Verbündeten als im Aufbau eines eigenen Arsenals.
Das Raketenwettrüsten im Nahen Osten hat weitreichende Auswirkungen auf die regionale Stabilität und die internationale Sicherheit. Raketen sind zu zentralen Instrumenten geopolitischer Machtprojektion geworden, die das Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation erhöhen. Hybride Kriegführung, Drohnenschwärme und Raketensalven prägen längst die Schlachtfelder einer Region, in der kein Akteur den Ausgang eines Konflikts vollständig kontrollieren kann.
Die nächste Eskalation könnte durch das Zusammenwirken all dieser Komponenten ausgelöst werden, mit Auswirkungen weit über den Nahen Osten hinaus. Die fragile Sicherheitslage in der Region wird durch die Lieferung fortschrittlicher Raketentechnologien weiter untergraben, wobei immer die Gefahr besteht, daß ein einziger Funke eine Kettenreaktion auslösen kann, die weltweite Folgen nach sich zieht. (he)
Bild von Dice Me auf Pixabay
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