München. Ein Jahr nach dem spektakulären Auftritt von US-Vizepräsident J.D. Vance hat sich auf der heurigen Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) eine Art transatlantischer Realismus eingestellt: die Europäer sind inzwischen um einige Lektionen klüger als vor Jahresfrist, und der heurige Auftritt des US-Vertreters – diesmal Außenminister Marco Rubio – fiel sehr viel moderater aus als der seines Vorredners 2025. Dennoch macht sich niemand mehr Illusionen: die transatlantischen Beziehungen werden nie wieder so sein wie früher – vor Trump. Die Ära der bedingungslosen transatlantischen Partnerschaft (die freilich immer eine einseitige Machtprojektion Washingtons war) ist vorbei. Europa muß sich auf eine neue Weltordnung einstellen, die von Großmacht-Rivalitäten geprägt ist, und seinen eigenen Platz darin finden.
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US-Außenminister Marco Rubio mühte sich zwar, die Wogen zu glätten. Im Gegensatz zur Vance-Rede im Vorjahr pries er die europäischen Wurzeln Amerikas. Er schwärmte von Mozart und dem Kölner Dom, von deutschen Bauern, die den amerikanischen Mittleren Westen aufbauten: „Unser großartiges Kernland im Mittleren Westen wurde von deutschen Bauern und Handwerkern aufgebaut, die die leeren Ebenen in ein globales landwirtschaftliches Kraftzentrum verwandelten – und nebenbei die Qualität des amerikanischen Biers deutlich verbessert haben.“
Doch der freundliche Ton konnte über die neuen Realitäten nicht hinwegtäuschen. Rubio machte unmißverständlich klar: Kooperation wird es auch künftig nur nach amerikanischen Regeln geben. Besonders in der Migrationsfrage geißelte er den Kurs der Europäer: „Auf der Suche nach einer Welt ohne Grenzen haben wir unsere Türen für eine beispiellose Welle massenhafter Migration geöffnet, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaften, die Kontinuität unserer Kultur und die Zukunft unseres Volkes bedroht.“ Die USA würden notfalls auch allein handeln, blieben die Europäer auf ihrem Kurs.
Diesmal fiel die versammelte europäische Elite nicht mehr in Schockstarre. Einig war sie sich vielmehr im Bewußtsein, daß Selbstbehauptung die Devise der Stunde sei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach den tiefen Graben zwischen Europäern und Amerikaner vielmehr offen an und forderte mehr Eigenständigkeit für den alten Kontinent. Konkret: weg von der Abhängigkeit vom amerikanischen Nuklearschild. Deutschland und Frankreich loten schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit eines europäischen Atomschirms aus. Der Trump-Vertraute Lindsey Graham zeigte sich davon unbeeindruckt: „Das ist mir eigentlich egal“, erklärte der US-Senator, Hauptsache die nukleare Abschreckung werde gestärkt.
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Inmitten dieser tektonischen Verschiebungen geriet der Krieg in der Ukraine fast zur Randnotiz. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warb in München vergeblich um weitere konkrete Zusagen; insbesondere was den von Kiew angestrebten EU-Beitritt angeht, mochte sich Brüssel nicht festlegen – eine besonders herbe Enttäuschung für Selenskyj, nachdem das Beitrittsverfahren bereits im Juni 2024 formell eröffnet wurde.
Auch aus Washington kam die ernüchternde Botschaft, daß das Ukraine-Thema für die USA derzeit keinen Vorrang hat. Außenminister Rubio umging es in seiner Rede zunächst ganz, und aus dem Weißen Haus steuerte Präsident Trump die unverblümte Botschaft bei: „Rußland will einen Deal machen, und Selenskyj muß in Bewegung kommen, sonst verpaßt er eine große Chance.“ (mü)
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