Stuttgart/Hannover. Der Rechtsruck, von dem derzeit vor allem die AfD profitiert, macht vor den deutschen Unternehmen und ihrer Belegschaft nicht halt. Bei der Bundestagswahl 2025 votierten 38 Prozent der Arbeiterwähler für die AfD. Die SPD als traditionelle Stammpartei schrumpfte auf einen Tiefststand von zwölf Prozent. Dieser Trend könnte sich nun in den Betrieben fortsetzen. Denn 2026 finden nicht nur fünf Landtagswahlen, sondern auch Betriebsratswahlen in tausenden Unternehmen statt. Nicht-linke Gruppierungen hoffen, bei der Neuvergabe von weit über 100.000 Betriebsrats-Mandaten erstmals nennenswert Fuß zu fassen.
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Das Potential dafür ist vorhanden. „Die Beschäftigten fühlen sich angesichts der komplexen Transformation der Industrie ohnmächtig und allein gelassen“, stellt Daphne Weber von der Hans-Böckler-Stiftung fest. Rechte Listen schürten diesen Unmut, indem sie gegen E-Mobilität und Klimapolitik wettern. Sie sähen ihre Möglichkeiten, indem sie gegen die „Altgewerkschaften“ mobil machten.
Die bisher bekannteste rechte Betriebsratsliste ist der Verein „Zentrum“. Seine Wurzeln liegen im Stuttgarter Mercedes-Werk, wo er sich als „Zentrum Automobil“ organisierte. Bei den Wahlen 2022 errang er dort 15,8 Prozent und sieben Sitze. Gründer und treibende Kraft ist Oliver Hilburger, ein ehemaliger Rechtsrocker, der auch auf Pegida-Veranstaltungen auftrat. Er verkündet: „Wir werden täglich mehr… in den Parlamenten und eben jetzt auch als Gewerkschaft und Betriebsräte.“
Tatsächlich ist „Zentrum“ aber – derzeit noch – keine tariffähige Gewerkschaft, sondern bundesweit auf lediglich 19 Mandate beschränkt. Dennoch expandiert der Verein. Mit dem Ableger „Zentrum Nord-West“ unter Führung des AfD-Stadtrats Jens Keller aus Hannover versucht man, aus der Automobil-Nische und den süddeutschen Hochburgen auszubrechen. Keller selbst errang bei Personalratswahlen fast die Hälfte der Stimmen.
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Die Spitzen der großen Gewerkschaften suggerieren derzeit noch Gelassenheit. DGB-Chefin Yasmin Fahimi unterstellt, es gebe „überhaupt keinen Grund, dieses Thema künstlich aufzublasen“. Nur etwa zwei Dutzend der 180.000 Betriebsräte kämen aus rechten Listen.
Forscherin Daphne Weber sieht in den „Zentrum’“-Ablegern eine Gefahr, schätzt ihre unmittelbaren Erfolgsaussichten aber gering ein. Sie arbeiteten „mit dem radikalen Teil der ohnehin schon radikalen AfD zusammen“, nutzten aber eine gemäßigte „Trojaner-Strategie“ mit harmlos wirkenden Erklärvideos. Letztlich bleibe ihre abstrakte Elitenkritik wirkungslos gegen die täglich erfahrbare Streikmacht und Tarifkompetenz der etablierten Gewerkschaften. Weber sagt: „Ich gehe nicht von einem großen Erfolg bei den anstehenden Wahlen aus.“ Das bleibt abzuwarten. (rk)
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