Rehden/Berlin. Rund vier Milliarden Kubikmeter faßt der Erdgasspeicher Rehden im Landkreis Diepholz. Das sind knapp 20 Prozent aller deutschen Gas-Speicherkapazitäten. Diese Menge reicht laut Betreiberangaben aus, um „zwei Millionen Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Erdgas zu versorgen“. Rehden ist damit der größte Erdgasspeicher Westeuropas und das Rückgrat einer sicheren Energieversorgung. Aber in diesen Tagen ist der Speicher fast leer – der Füllstand betrug am ersten Februarwochenende nur noch weniger als zehn Prozent.
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Die durchschnittliche Füllmenge aller deutschen Speicher sank auf etwa 34 Prozent, womit die als kritisch geltende Schwelle von 40 Prozent zum 1. Februar klar verfehlt wird.
Allmählich wird es eng. Experten warnen vor der nächsten Stufe: physische Knappheit droht. „Es ist keine Frage mehr ob abgeschaltet wird, sondern lediglich, wann und wem der Gashahn abgedreht wird“, heißt es in einer Analyse.
Behörden und Bundesregierung versuchen zu beschwichtigen. Das niedersächsische Umweltministerium verweist auf eine verringerte Nachfrage durch mehr erneuerbare Energien und Wärmepumpen sowie auf gestiegene Lieferungen aus Norwegen und den Niederlanden. Die Betreiberfirma Sefe Storage betont, sie stelle die Infrastruktur bereit; für die Befüllung seien die Händler verantwortlich. Doch diese Argumente wirken angesichts der Zahlen reichlich daneben. In den USA sind die Folgen der Mangellage bereits spürbar: dort schnellten die Gaspreise um 70 Prozent nach oben, kein gutes Omen für Europa.
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Der deutsche Erdgas-Notfallplan sieht ein dreistufiges Eskalationsmodell vor. Die Alarmstufe wird ausgerufen, wenn „langanhaltende, sehr niedrige Gasspeicherfüllstände“ vorliegen – ein Zustand, der jetzt erreicht ist. In der finalen Notfallstufe würde die Bundesnetzagentur als verantwortlicher Lastverteiler eingreifen und Verfügungen treffen. Dabei gibt es keine feste Abschaltreihenfolge, aber klare Prioritäten. Geschützte Verbraucher wie Haushalte, Krankenhäuser oder die Polizei machen etwa die Hälfte des Verbrauchs aus und werden möglichst lange versorgt. Für die Industrie sieht es nicht so gut aus.
Eine Studie der Prognos AG im Auftrag der Bundesnetzagentur untersuchte, welche Industriezweige bei einer Mangellage als erste vom Netz genommen werden könnten. Entscheidend sind der Bedeutungsgrad für die Grundversorgung und die Abhängigkeit anderer Sektoren. Vorrangig betroffen wären Branchen mit geringem Einfluß und niedrigem Gasverbrauch: etwa die Herstellung von Büromaschinen, Möbeln, Textilien, Tabakwaren oder Keramik. Doch die Einsparungen durch Abschaltung dieser Sektoren halten sich in Grenzen. Bei einer schweren Krise könnten auch bedeutendere Industrien wie die Kunststoffproduktion an die Reihe kommen, was massive wirtschaftliche Kettenreaktionen auslösen würde.
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Das grundsätzliche Problem geht freilich über die aktuelle Kälteperiode hinaus. Selbst wenn der aktuelle Winter überstanden wird, ist die Wiederbefüllung für den nächsten Winter eine große Herausforderung. Zudem geht mit einem zu niedrigen Füllstand ein physikalisches Risiko einher: unter einem bestimmten Level sinkt der Druck im Speicher so stark, daß Gas nicht mehr in ausreichender Geschwindigkeit entnommen werden kann. Die Bundesregierung müßte also frühzeitig eingreifen, um durch Zwangsmaßnahmen in der Industrie den Druck im System zu stabilisieren.
Das politische Versagen steht bei alledem außer Zweifel. Noch immer behaupten Politik und Medien gebetsmühlenartig, der Schuldige am deutschen Gas-Notstand sei Putin. Doch das ist falsch – die Abkoppelung vom preiswerten russischen Gas haben EU und Bundesregierung ausschließlich selbst zu verantworten. Der Kreml hat im Gegenteil wiederholt zu erkennen gegeben, daß er zur Wiederaufnahme der Lieferungen bereit sei. Doch davon wollen Merz und Co. nichts hören. Sie nehmen für ihre selbstmörderische Ideologie-Agenda verheerende ökonomische Schäden in Kauf. (rk)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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