Moskau/Damaskus. In der nordostsyrischen Stadt Kamischli geht ein stiller, aber bedeutsamer Abzug vonstatten. Russische Truppen haben eine Militärbasis nahe dem Flughafen geräumt, ein Gebiet unter Kontrolle der kurdischen Syrian Democratic Forces (SDF). Journalisten fanden verwaiste Gebäude vor sowie zurückgelassene Habseligkeiten wie Hanteln und Kleidung.
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Ein Gewährsmann vor Ort berichtete der Nachrichtenagentur AP, die russischen Einheiten hätten vor etwa einer Woche begonnen, ihre Ausrüstung per Frachtflugzeug abzutransportieren. Das Ziel der Flüge ist unbekannt – entweder Rußland direkt oder der russische Stützpunkt Hmeimim an der syrischen Mittelmeerküste.
Hinter dem Rückzug ist ein politisches Manöver des Kreml sichtbar. Nach dem raschen Sturz des langjährigen Verbündeten Baschar al-Assad im Dezember 2024 hat Rußland zügig neue Bande zur Islamistenregierung unter dem ehemaligen Terroristen Achmed al-Sharaa geknüpft. Diese Annäherung ist durchaus bedeutsam, denn nach 2014 ließ die russische Regierung massive Luftangriffe auf von al-Sharaa kontrollierte Gebiete fliegen, der damals eine al-Qaida-nahe Gruppe führte. Inzwischen empfängt der Kreml al-Sharaa als Präsidenten.
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Kremlsprecher Dmitri Peskow kündigte an, Putin und al-Sharaa würden auch „alle Fragen rund um die Präsenz unserer Truppen in Syrien“ erörtern. Der Abzug aus Kamischli ist nach Einschätzung von Beobachtern Teil dieser Neuordnung. Moskau hält dabei jedoch entschlossen an seinen zentralen Machtpositionen fest. Die strategisch wichtigen Stützpunkte an der Küste – die Luftwaffenbasis Hmeimim und der Marinestützpunkt Tartus – bleiben das Herzstück der russischen Präsenz in der Region.
Der kurdische Politiker Abdulkarim Omar deutet die Räumung als taktisches Opfer. Moskau gebe den Außenposten im Nordosten preis, um seine Küstenbastionen zu sichern. Al-Sharaa seinerseits suche, so Omar, Abmachungen „mit Rußland, Israel, der Türkei, den Golfstaaten – alles, was nötig ist, um an der Macht zu bleiben.“ Der Abzug unterstreicht damit die flexible Realpolitik des Kreml im unsicheren syrischen Machtgefüge. (mü)
Bildquelle: wikimedia/Alex Beltyukov
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