Chemnitz/Erfurt. In Thüringen ist eine Bombe geplatzt: die Technische Universität Chemnitz hat Regierungschef Mario Voigt (CDU) den Doktorgrad aberkannt. Voigt hatte die Promotion im Jahr 2008 an der Philosophischen Fakultät der TU mit einer Arbeit über den US-Präsidentschaftswahlkampf zwischen George W. Bush und John Kerry erworben. Am Mittwoch gab Voigt bekannt, er werde die Entscheidung der Fakultät auf dem Verwaltungsrechtsweg angreifen. Von einem Rücktritt von seinem Amt als Ministerpräsident will er nichts wissen und will sich vielmehr weiterhin „mit voller Kraft“ auf seine Amtsgeschäfte konzentrieren.
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Den Anstoß für das Verfahren gab im August 2024 eine Anzeige des österreichischen Plagiatsjägers Stefan Weber. Die Fakultät ließ daraufhin die Vorwürfe prüfen. Ein erstes externes Gutachten vom Februar 2025 entkräftete die Anschuldigungen noch und attestierte der Dissertation eine „selbständige wissenschaftliche Leistung, die den Ansprüchen an eine Doktorarbeit genügt“. Es befand, „Umfang und Qualität der Verfehlungen sind nicht bedeutend genug, um den akademischen Titel abzuerkennen“.
Doch im März 2025 verfaßte der Vorsitzende des Promotionsausschusses neue Bewertungsrichtlinien für Plagiatsvorwürfe. Auf dieser Grundlage ordnete der Fakultätsrat im Mai eine erneute Überprüfung an, die zu einem internen Gutachten führte. Dieses empfahl schließlich den Entzug des Titels. Erst nachdem beide Gremien diese Entscheidung getroffen hatten, wurde Voigt Ende August 2025 die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt. Im Oktober verteidigte er sich in einer 34 Seiten umfassenden Erklärung gegen den Täuschungsvorwurf.
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Voigt kritisiert das Vorgehen der Universität scharf. „In einem laufenden Verfahren die Spielregeln nachträglich und einschneidend zu verändern, ist – zurückhaltend formuliert – höchst ungewöhnlich“, erklärte er. Die beanstandeten Stellen beträfen nur 2,58 Prozent des Textes. Weder er selbst noch die drei ursprünglichen Gutachter seien im Verfahren persönlich angehört worden. Die Fakultät werfe ihm vor, Quellen ungeprüft übernommen zu haben, nicht jedoch direkte Textplagiate. Voigt betont den wissenschaftlichen Kern seiner Arbeit, für die er über vier Jahre forschte und mehr als 30 Interviews in den USA führte. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit, die ich vor fast 20 Jahren abgegeben habe, ist unstrittig“, so der Ministerpräsident. Über die Rechtmäßigkeit des Verfahrens wird nun voraussichtlich ein Verwaltungsgericht entscheiden müssen.
Politisch hat der Fall allerdings schon jetzt das Zeug für ein Erdbeben. Im Erfurter Landtag meldete sich prompt Björn Höcke, Fraktions- und Landeschef der Thüringer AfD, zu Wort und forderte den Ministerpräsidenten auf, zurückzutreten und den Weg für Neuwahlen freizumachen. „Mario Voigt hat nicht nur seine Wähler getäuscht, er hat nicht nur die Würde der Universität Chemnitz beschädigt, sondern vor allem dem Freistaat Thüringen einen schweren Schaden zugefügt“, sagte Höcke in einer Videobotschaft, und: „In der Geschichte Thüringens war ein politischer Rücktritt kaum je überfälliger als in diesem Fall.“ (rk)
Bildquelle: Pixabay/NakNakNak
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