Geld oder Leben: Trump zwingt die Europäer zum Offenbarungseid

22. Januar 2026
Geld oder Leben: Trump zwingt die Europäer zum Offenbarungseid
International
0
Foto: Symbolbild

Washington/Brüssel. Ziemlich genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat US-Präsident Donald Trump endgültig zu seiner Form gefunden und scheint nicht mehr bereit, auf irgendetwas oder irgendjemanden Rücksicht zu nehmen. Erst dieser Tage schenkte er der „New York Times“ (NYT) in einem Interview reinen Wein ein und erklärte auf die Frage nach den Grenzen seiner Macht: „Ja, da gibt es eine Sache – meine eigene Moral. Mein eigener Kopf. Es ist das Einzige, was mich stoppen kann.“ Und: „Ich brauche kein Völkerrecht, ich habe nicht die Absicht, Menschen zu verletzen.“

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Trumps Griff nach Grönland ist ein Lackmustest für die Welt: er teilt die Staatenwelt endgültig in diejenigen, die machtlos sind, und diejenigen, die kraft eigener Machtmittel und Ressourcen über nationale Souveränität verfügen. Trumps jüngster Schachzug mutet an wie aus einem Mafiafilm: er drohte allen transatlantischen Partnern, die sich seinen Grönland-Ambitionen in den Weg stellen, weitere Strafzölle in Höhe von bis zu 25 Prozent an. Deutschland apportierte prompt: das 13-köpfige Vorauskommando der Bundeswehr, das erst in den letzten Tagen zu einer Erkundungsmission auf Grönland gelandet war, zog nach wenigen Stunden eiligst wieder ab.

Berlin versucht eine koordinierte Antwort der Europäer auf Trumps Alleingang zu moderieren. Regierungssprecher Stefan Kornelius kündigte EU-Beratungen an. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Jürgen Hardt, forderte in der „Bild“-Zeitung sogar einen Boykott als Replik. Doch solche Empörung wirkt wie ein Ritual, dem keine Taten folgen werden – sie ist ähnlich hilflos wie 2013 nach der Enthüllung, daß das Handy der Bundeskanzlerin jahrelang vom US-Geheimdienst NSA ausspioniert worden war. Die Europäer sind in allen wichtigen Belangen – bis hin zum Internet, ihrem kompletten Zahlungsverkehr und ihrer Computer-Infrastruktur – von den USA abhängig. Sie haben keinerlei Trumpf in der Hand.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Dänemark, das über Grönland die Souveränität ausübt, weist Trumps Forderung scharf zurück. Premierministerin Mette Frederiksen und der dänische Botschafter in Washington, Jesper Møller Sørensen, nannten die Drohungen aus dem Weißen Haus „inakzeptabel“ und verlangten, die USA sollten die Drohungen stoppen. Auch die übrigen Europäer lehnen Trumps Anspruch auf Grönland zumindest verbal ab. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron erklärte die Zoll-Drohungen für „inakzeptabel“. Der britische Premierminister Keir Starmer hält sie für „völlig falsch“; Drohungen hätten unter Verbündeten nichts zu suchen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte vor einer „Abwärtsspirale“ und der Schadenfreude Chinas sowie Rußlands, die sich über den Zwist im transatlantischen Lager freuten.

Anders als die Europäer sehen sich Rußland und China nicht gezwungen, klein beizugeben. Auch Peking weist das US-Ansinnen zurück und kündigte bei weiteren Schritten spiegelbildliche Zölle an. Der Sondergesandte des Kreml, Kirill Dmitriev, spottete, die Europäer sollten „ihren Daddy nicht provozieren“.

Bezeichnend ist das plötzliche Umdenken bei früheren Trump-Bewunderern in Europa. Die AfD, lange der Trump-Regierung zugeneigt und von dieser in der Vergangenheit mit Sympathie bedacht, distanzierte sich. Co-Parteichef Tino Chrupalla kritisierte eine „imperiale Politik“ und „Wildwest-Methoden“. Auch Alice Weidel findet das Vorgehen Trumps „unangemessen“. Selbst die bekennende Transatlantikerin Beatrix von Storch stellte klar, Grönland gehöre zu Dänemark. In Ungarn sieht sich Viktor Orbáns Regierung ebenfalls in der Zwickmühle. Sie übte keine offene Kritik, betonte aber, die Frage müsse in der NATO geklärt werden, und schloß eine Beteiligung an möglichen Militäreinsätzen aus.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Die Reaktionen anderer europäischer Rechtsparteien lassen ähnliche Brüche erkennen. Marine Le Pen in Frankreich ging auf Distanz. In Italien verspottete Giorgia Meloni Länder, die Truppen nach Grönland entsenden wollten. Die spanische „Vox“-Partei fürchtet, Trumps Agieren stärke letztlich das linke Lager und schade den eigenen Chancen.

Tatsächlich unternimmt Trump in den letzten Wochen alles, um die letzten Illusionen über den Charakter seiner Regierung zu zerstören. Jahrzehntelang folgten die europäischen Eliten der amerikanischen Führung, auch wenn dies eigenen Interessen zuwiderlief. Man fügte sich amerikanischen Sanktionsdiktaten, zwang die Flugzeuge fremder Staatschefs zur Landung und beteiligte sich an Kriegen, die bei den Europäern unpopulär waren. Jetzt läßt Trump die letzten Masken fallen. Er ist drauf und dran, die NATO zu zerstören.

Was nun kommt, könnte spannend werden. Die europäischen Eliten sind gerade dabei, ihren US-Rückhalt zu verlieren, und müssen sich entscheiden: wollen sie weiterhin in der Rolle der Vasallen verharren – oder ist jetzt der Moment gekommen, endlich einen eigenständigen Platz in der multipolaren Weltordnung des 21. Jahrhunderts wahrzunehmen? Donald Trump hat unbeabsichtigt eine Diskussion losgetreten, die lange überfällig war. Jetzt müssen die Europäer Farbe bekennen.

Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat womöglich als erster die Zeichen der Zeit erkannt und den Rückwärtsgang eingelegt: beim Neujahrsempfang der Handelskammern in Halle stimmte er völlig neue Töne an, bezeichnete Rußland als „europäisches Land“ und sprach überraschend die Hoffnung auf einen „Ausgleich“ aus. So klingt es, wenn Uncle Sam plötzlich nicht mehr da ist. (mü)

Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!

Folgen Sie ZUERST! auch auf Telegram: https://t.me/s/deutschesnachrichtenmagazin

Schreibe einen Kommentar

Die maximale Zeichenanzahl bei Kommentaren ist auf 2000 begrenzt.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert