London. In Großbritannien ist ein beachtlicher politischer Kurswechsel zu beobachten. Die Begeisterung für ein britisches Truppenkontingent in der Ukraine kühlt merklich ab. Führende Experten, die bislang Befürworter eines militärischen Engagements waren, machen plötzlich in den großen Blättern des Landes Front gegen die einschlägigen Pläne von Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Macron. Der Tenor: Großbritannien ist viel zu schwach dafür.
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Den Auftakt machte am 7. Januar der Kreml-Experte Edward Lucas in der „Times“. Sein ernüchterndes Urteil: „Wir versprechen, Streitkräfte zu entsenden, die wir nicht haben, um einen Waffenstillstand zu gewährleisten, der noch nicht einmal in Kraft ist, nach einem Plan, der noch nicht einmal ausgearbeitet ist, genehmigt von einer Supermacht, die nicht mehr zu unseren Verbündeten gehört, um einen Gegner in Schach zu halten, der über einen viel größeren Willen verfügt als wir.“ Lucas, ehedem einer der geistigen Gründerväter der „Koalition der Willigen“, stellt die bisher tabuisierte Frage: „Was passiert, wenn ein russischer Drohnenangriff unsere Truppen trifft?“
Tags darauf schloß sich in der „Daily Mail“ General a.D. Richard Shirreff an, Ex-Kommandeur der NATO in Europa, und schrieb: „Britische Truppen in der Ukraine? Die Wahrheit besteht jedoch darin, daß wir weder über die personellen Ressourcen noch über die nötigen Finanzmittel, die Ausrüstung oder den Willen verfügen.“ Er hält den ganzen Plan für eine Täuschung: „Wen will Keir Starmer damit täuschen? Sicherlich nicht Wladimir Putin.“
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Andrew Neil, prominenter Journalist, zog am 10. Januar ebenfalls in der „Daily Mail“ nach. Auch er argumentiert, daß das Land einfach nicht über die erforderlichen Kapazitäten verfüge: „Starmer übernimmt militärische Verpflichtungen, für deren Erfüllung Großbritannien weder über Personal noch über die materiell-technischen Mittel verfügt. (…) Das Minimum, das Großbritannien entsenden müßte, um eine überzeugende Stärke zu demonstrieren, wäre eine Panzerbrigade mit etwa 5.000 Mann. Die reguläre britische Armee zählt etwas mehr als 71.000 Mann, aber nur etwa 25.000 davon sind einsatzfähig.“
Beobachter der Diskussion wollen bereits eine Trendwende ausmachen. Denn alle erwähnten Experten gelten als ausgewiesene Rußland-Gegner und forderten noch bis vor kurzem genau das, was sie jetzt verurteilen.
Die Kehrtwende könnte einem taktischen Kalkül entspringen. Lucas trennte sich gerade vom Think-Tank CEPA, der von Rüstungsriesen finanziert wird. Vor allem aber scheint die Unterzeichnung der „Pariser Deklaration“ vielen britischen Konservativen zu weit zu gehen. Oppositionsführerin Kemi Badenoch trieb Starmer kürzlich im Parlament in die Enge und erzwang das Zugeständnis, vor einem Truppeneinsatz das Parlament zu befragen.
Die Regierung versucht nach wie vor, die Risiken kleinzureden, und verspricht eine Stationierung „tief im Hinterland“. Doch unmittelbar darauf, in der Nacht zum 9. Januar, sorgte der Einschlag einer weiteren russischen „Oreschnik“-Rakete im Raum Lemberg für Ernüchterung: allein der jüngsten Generation russischer Hyperschallwaffen hat nicht nur Großbritannien, sondern der Westen insgesamt nichts entgegenzusetzen. (mü)
Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei
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