ZUERST!-Hintergrund: „Pax Judaica“ in der Karibik – oder: Wer profitiert von Maduros Entführung?

12. Januar 2026
ZUERST!-Hintergrund: „Pax Judaica“ in der Karibik – oder: Wer profitiert von Maduros Entführung?
International
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Foto: Symbolbild

Washington/Caracas. Die Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Rahmen einer US-Militäraktion und die Errichtung einer von Washington kontrollierten Interimsregierung in Caracas folgen einem seit langem abgekarteten Spiel, in dem es um viel Öl und um noch mehr Geld geht. Und es gibt eine Handvoll Gewinner, die seit langem auf die venezolanische Karte gesetzt haben – und sich jetzt mit gigantischen Renditen belohnt sehen.

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Eine der zentralen Figuren ist dabei der US-Milliardär Paul Singer, dessen Hedgefonds Elliott Management als wichtigster Transmissionsriemen einer zielstrebigen Langzeitstrategie fungiert. Singers Weg zum größten privaten Nutznießer der neuen Lage in Venezuela begann vor langer Zeit im Bereich des sogenannten „Geierfonds“-Kapitalismus. Sein eigener Fonds, Elliott Management, spezialisierte sich früh darauf, notleidende Staatsschulden von Ländern wie Argentinien oder Peru mit extremem Abschlag aufzukaufen, um dann mit juristischer Hartnäckigkeit vor US-Gerichten die vollständige Rückzahlung plus Zinsen und Kosten einzuklagen.

Diese Praxis, die auf die finanzielle Erpressung souveräner Staaten hinausläuft, bildete die Blaupause für den Angriff auf Venezuelas Vermögenswerte. Der entscheidende Hebel waren hier die umfassenden Wirtschafts- und Ölsanktionen, die unter der Trump-Administration verhängt und später noch verschärft wurden. Diese Sanktionen schnitten den venezolanischen Staatskonzern PDVSA vom US-Markt ab und strangulierten dessen profitable US-Tochter, Citgo Petroleum. Citgos Raffinerien waren technologisch auf das schwere „saure“ Rohöl aus Venezuela ausgelegt. Der Zwang, teureres Leichtöl aus Kanada oder Kolumbien zu beziehen, trieb das Unternehmen in die roten Zahlen und entzog ihm die finanzielle Lebensgrundlage. Diese von Washington herbeigeführte Strangulierung schuf die Voraussetzung für den folgenden juristischen und finanziellen Zugriff.

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Der entscheidende Coup gelang im November 2025, als ein Bundesgericht in Delaware den zwangsweisen Verkauf von Citgo anbieten ließ, um Forderungen verschiedener Gläubiger gegen Venezuela zu befriedigen. Elliott Management, vertreten durch eine Tochtergesellschaft namens Amber Energy, erhielt den Zuschlag für ein Gebot von 7,286 Milliarden Dollar für die Muttergesellschaft PDV Holding. Dieses Angebot lag deutlich unter den Schätzungen des Gerichts (11-13 Milliarden Dollar) und der venezolanischen Regierung (18 Milliarden Dollar) und war damit ein ausgesprochenes Schnäppchen.

Wichtigste Figur bei diesem juristisch-finanziellen Manöver war der vom Gericht bestellte „Special Master“ Robert Pincus. Pincus, ein ehemaliger Partner der mächtigen Anwaltskanzlei Skadden, Arps, entschied sich für Singers Angebot. Nicht zufällig – Pincus, ein langjähriges Mitglied des National Board of Directors des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), verfügte über langjährige, aber wichtige Beziehungen zu Singer und bezeichnet sich selbst als „stolzen Zionisten“. Er war zeitweise Präsident der Jewish Federation of Delaware und engagiert sich im Jewish National Fund.

Singer wiederum ist nicht nur der sechstgrößte Einzelspender der AIPAC mit Zuwendungen in Millionenhöhe, sondern auch eine tragende Säule des neokonservativen außenpolitischen Establishments in den USA. Über seine Paul E. Singer Foundation und weitere mit dieser verbundene Stiftungen flossen Millionen in thinktanks wie das Manhattan Institute for Policy Research, die Foundation for Defense of Democracies (FDD) und das Hudson Institute. Alle diese Organisationen agieren seit Jahren als intellektuelle Speerspitzen für eine konfrontative US-Politik gegenüber Iran, Venezuela und anderen „Schurkenstaaten“. Ihre Analysen lieferten stets die ideologische und strategische Begründung für „maximalen Druck“.

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Noch im Oktober 2025 veröffentlichte das Manhattan Institute, in dessen Vorstand Singer ebenfalls sitzt, einen Beitrag, der Trump für seine konsequente Politik gegen Maduros Venezuela lobte. Ende November, auf dem Höhepunkt der Spannungen und kurz vor Trumps Ankündigung der Luftraumsperre, publizierte die FDD, die Singer über Jahre mit mehr als 3,6 Millionen Dollar unterstützte, ein Strategiepapier. Darin hieß es explizit, die USA verfügten „über die Fähigkeiten, eine überwältigende Luft- und Raketenoffensive gegen das Maduro-Regime zu starten“, um es aus dem Amt zu entfernen.

Flankiert wurde die strategische Lobbyarbeit durch eine gezielte Spendenpolitik: Singer gehört zum engsten Kreis der Großspender Donald Trumps. Neben den fünf Millionen Dollar für den Super-PAC und den 37 Millionen für den Kongreßwahlkampf 2024 finanzierte er maßgeblich Trumps früheren Aufstieg zur Macht. Er traf sich seit 2016 mindestens viermal persönlich mit dem Präsidenten. Die genauen Gesprächsinhalte dieser Treffen sind nicht protokolliert, aber die zeitliche und thematische Koinzidenz mit der Eskalation gegen Venezuela fällt auf. Singers Netzwerke schufen konsequent den politischen Resonanzboden für eine Militärintervention.

Die Hartnäckigkeit und der Einsatz lohnten sich. Gleichzeitig wurde die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die den Citgo-Verkauf im Dezember 2025 noch als „betrügerisch“ und „erzwungen“ verurteilt hatte, von Trump nach Maduros Entführung zur Interimspräsidentin ernannt. Ihr gegenüber formulierte er unmißverständlich seine Erwartungen: sie werde einen „sehr hohen Preis“ zahlen, sollte sie sich weigern, „das zu tun, was wir wollen“.

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Damit war der Weg frei, um aus Singers Schnäppchenkauf ein sicheres und höchst profitables Investment zu machen. Die lähmenden Sanktionen, die Citgo bislang wertlos machten, werden für das nun unter US-Kontrolle stehende Unternehmen gelockert oder aufgehoben werden. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky, ein innerparteilicher Kritiker, gegen den Singer eine millionenschwere Kampagne organisierte, benannte die Zusammenhänge klar: „Paul Singers zwielichtiger Kauf von Citgo hat alles mit diesem Putsch zu tun.“ Massie warnte, daß amerikanische Soldatenleben riskiert würden, „um diese Ölkonzerne profitabler zu machen“.

Beobachter sprechen mittlerweile geradezu von einer „Pax Judaica“ im lateinamerikanischen „Hinterhof“ der USA: einer auf struktureller Dominanz basierenden Ordnung, in der die Sicherheit Israels, der Einfluß gut organisierter pro-israelischer Netzwerke und die Interessen eines aggressiven Finanzkapitals nahtlos mit den geopolitischen Zielen Washingtons verschmelzen, die erst kürzlich in Trumps überarbeiteter Sicherheitsstrategie neu formuliert wurden.

Robert Pincus und Paul Singer fungieren dabei als schlagkräftige Türme auf dem Schachbrett. Ihre klandestinen Machenschaften sind ein Lehrbeispiel dafür, wie über die Kanäle der Justiz, der Lobbyarbeit und einer adäquaten Spendenpolitik das passende Umfeld geschaffen wird, um punktgenau astronomische Profite für eine kleine Gruppe finanzstarker Drahtzieher mit Insiderwissen zu generieren. Der Fall ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie es der in Rede stehenden Gruppe über alle Generationen und Legislaturperioden hinweg gelingt, die USA für ihre eigenen Interessen zu instrumentalisieren. Daß man dabei weder das Völkerrecht noch die Souveränität fremder Länder akzeptiert, ist nichts Neues. (mü/he)

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