Westliche Industrie zu langsam: Verliert die NATO den Rüstungswettlauf mit Rußland?

Westliche Industrie zu langsam: Verliert die NATO den Rüstungswettlauf mit Rußland?
Foto: Symbolbild

Brüssel. Ost und West befinden sich längst in einem neuen Rüstungswettlauf. Aber nach viereinhalb Jahren Ukrainekrieg zeigt sich: Rußland hat – entgegen allen Prognosen westlicher „Experten“ – die Nase vorn. Während etwa die Bundeswehr im Ernstfall gerade einmal Munition für zwei Tage hat, sind die russischen Arsenale voll – egal, ob es um Panzer, Artilleriemunition oder Raketen geht.

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Seit Jahren unternehmen die NATO-Länder verzweifelte Anstrengungen, um ihre zu großen Teilen an die Ukraine abgegebenen Bestände wieder aufzufüllen. Zum Auftakt des Gipfels in Ankara wurden Rüstungsvorhaben im Gesamtwert von mehr als 40 Milliarden Euro vorgestellt. Dazu gehören neue Überwachungsflugzeuge, ein umfangreicher U-Boot-Auftrag Kanadas für den Kieler Marineschiffbauer TKMS sowie die gemeinsame Entwicklung einer europäischen Präzisions-Langstreckenwaffe. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach von Ausrüstung, die für „die Abschreckung und Verteidigung unverzichtbar“ sei.

Aber: hinter den Kulissen wächst die Sorge, daß die Industrie den politischen Vorgaben nicht folgen kann. Zwar haben Europa und Kanada nach Angaben Ruttes allein in den vergangenen beiden Jahren zusätzliche 250 Milliarden Dollar für Verteidigungszwecke bereitgestellt. Die Produktion neuer Waffensysteme bleibt jedoch weit hinter dem Bedarf zurück. Rutte appellierte deshalb an die Hersteller: „Seid bereit, macht schneller zusammen, mit neuen Produktionslinien, starken Lieferketten – liefert schnell, was wir brauchen!“

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Doch Appelle werden nicht viel nützen. Bei der Bundeswehr verheimlicht man nicht: „Wir werden die Lücken bis 2029 nicht gefüllt haben“ – die magische Jahreszahl steht für einen von „Experten“ erwarteten russischen Angriff auf den Westen. Auch aus dem NATO-Hauptquartier kommt Kritik an den Rüstungsunternehmen. Dort lautet das Urteil: „Zu langsam, zu schwerfällig, zu wenig.“

Deutschland treibt seine Beschaffungsprogramme zwar mit hohem Tempo voran. Die Umsetzung stößt allerdings auch hier auf erhebliche Hindernisse. Nach dem Krieg gegen den Iran kämpfen inzwischen auch amerikanische Rüstungskonzerne mit Lieferengpässen, weil zunächst die eigenen Streitkräfte versorgt werden müssen – und die US-Streitkräfte haben sich im jüngsten Waffengang am Persischen Golf gefährlich „verschossen“. Deshalb setzt Berlin verstärkt auf Industriepartnerschaften. MBDA errichtet gemeinsam mit Raytheon im bayerischen Schrobenhausen eine Fertigung für „Patriot“-Systeme in Lizenz; über eine ähnliche Kooperation bei „Tomahawk“-Marschflugkörpern laufen gerade Gespräche mit Washington.

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Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer betont: „In der Ukraine erkennt man Muster der künftigen Kriege.“ Künftige Konflikte würden von Drohnen, digitaler Vernetzung und extrem kurzen Innovationszyklen geprägt sein. Deshalb setzt die Bundeswehr inzwischen bei neuen Drohnenaufträgen auf Innovationsklauseln, damit die Systeme technologisch aktuell bleiben. 

Aber ohne Raketen und große Mengen konventioneller Munition läuft auch im Krieg des 21. Jahrhundert nichts. Und hier fehlen den Europäern schlicht und einfach die Kapazitäten. Hektische Appelle an die Industrie werden da nicht genügen. (mü)

Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei

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