Ab sofort wieder Krieg mit Iran: „Sie sind Abschaum“

Ab sofort wieder Krieg mit Iran: „Sie sind Abschaum“
Foto: Symbolbild

Washington/Ankara/Teheran. Viele hatten es befürchtet: der im Juni zwischen den USA und Iran vereinbarte Waffenstillstand ist nach wenigen Wochen faktisch gescheitert. Das am 17. Juni 2026 unterzeichnete Memorandum of Understanding mit 14 Punkten sollte den seit Februar andauernden Krieg beenden. Am Mittwoch nun hat US-Präsident Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Ankara das Abkommen für erledigt erklärt.

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Seine Wortwahl war wie üblich deutlich und wenig diplomatisch. Über die iranische Führung delirierte Trump: „Sie sind Abschaum, sie sind kranke Menschen, sie werden von kranken Menschen geführt, und sie sind bösartige, gewalttätige Menschen. Und wenn sie eine Atomwaffe hätten, würden sie sie einsetzen.“ Über weitere Gespräche mit Teheran halluzinierte er in völliger Umkehrung der Tatsachen: „Soweit es mich betrifft, ist es reine Zeitverschwendung, mit ihnen zu verhandeln. Sie sind Lügner.“

Das Ende des Abkommens folgte unmittelbar auf eine neue militärische Eskalation. Am Montag und Dienstag wurden mindestens drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus zum Kurswechsel gezwungen und nach ihrer Weigerung angegriffen, darunter ein katarischer Flüssiggastanker und ein saudischer Öltanker. Das US Central Command reagierte darauf mit Luftangriffen auf mehr als 80 Ziele im Iran, darunter Luftabwehrstellungen, Küstenradar, Raketenabschußrampen und Kommandozentralen. Teheran antwortete mit Angriffen auf US-Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait. 

Parallel dazu widerrief das US-Finanzministerium die Generallizenz, die Iran im Rahmen des Memorandums einen zeitlich befristeten sanktionsfreien Ölverkauf ermöglicht hatte. Für die Abwicklung noch laufender Geschäfts soll Washington eine Frist bis zum 17. Juli gesetzt haben.

Die Finanzmärkte reagierten umgehend. Die Ölpreise stiegen um rund sechs Prozent. Brent-Rohöl kletterte wieder über die Marke von 78 Dollar je Barrel, US-Öl näherte sich 75 Dollar. Im Frühjahr hatte Brent-Öl infolge der Kämpfe zeitweise fast 126 Dollar erreicht, ehe der Preis nach dem Waffenstillstand wieder unter das Vorkriegsniveau gefallen war.

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Nun geben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld am Scheitern des Abkommens. Iran wirft Washington den Bruch des Memorandums durch neue Sanktionen und die fortgesetzte Militärpräsenz vor. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte laut „Al Jazeera“: „Die Ära des Mobbings und der Erpressung ist vorbei. Das führt nirgendwohin. Wir knicken nicht ein.“ Die USA wiederum machen Teheran für die Angriffe auf Handelsschiffe verantwortlich. NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die amerikanischen Luftschläge als „absolut notwendig“ und erklärte, Iran habe „im Grunde den Waffenstillstand verletzt“. Im Gegenzug warnte Teheran, jede Einrichtung, die US-Angriffe unterstütze, werde künftig als „legitimes Ziel“ betrachtet.

Abseits aller gegenseitigen Anschuldigungen gibt es einen sehr plausiblen Grund für die Fortsetzung des Krieges: aus der ersten Runde zwischen Ende Februar und Mitte April ging Iran als klarer Sieger nach Punkten hervor. Die USA als vermeintliche Schutzmacht der Region mußten schmerzhafte Verluste einstecken – nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien (über die sich sowohl Trump als auch sein Kriegsminister Pete Hegseth bitterlich beschwerten) wurden im Zuge der iranischen Gegenangriffe mindestens 17 der 19 US-Standorte getroffen, einige vernichtend, was einer Quote von 89 Prozent entspräche. Zumindest ein Teil der getroffenen Basen mußte geräumt werden – weshalb die arabischen Verbündeten Washingtons ihrerseits auf Distanz gehen: eine Schutzmacht, die niemanden schützt, braucht keiner.

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Das ist aber nur ein Teil der Demütigung. Während sich US-Präsident Trump den Vorwurf gefallen lassen muß, er habe nach sechs Wochen Krieg praktisch nichts erreicht, ist der Iran unversehens auf die Weltbühne zurückgekehrt – unbesiegt und stärker denn je. Teheran beansprucht als Folge des Krieges nunmehr ganz offiziell die Kontrolle über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Reeder müssen seit dem 5. Mai formell bei einer eigens ins Leben gerufenen iranischen Behörde, der „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA), Durchfahrt-Genehmigungen beantragen und stattliche Gebühren entrichten – während die US-Supermacht danebensteht und zusehen muß. Für das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten, die jüngst mit viel Pomp den 250. Jahrestag ihres Bestehens feierten, ist das völlig inakzeptabel. Der Waffenstillstand konnte zu diesen Bedingungen keinen Bestand haben.

Damit ist die Welt wieder dort, wo sie im April war. Sie sollte sich daran erinnern, daß der Krieg nicht von Teheran vom Zaun gebrochen wurde, sondern – gegen jedes Völkerrecht – von den USA und Israel, die Iran inmitten laufender Verhandlungen am 28. Februar zu bombardieren begannen. (mü)

Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei

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