Von der Monroe- zur „Donroe“-Doktrin: Washington holt sich den „Hinterhof“ zurück

Von der Monroe- zur „Donroe“-Doktrin: Washington holt sich den „Hinterhof“ zurück
Foto: Symbolbild

Washington/Bogotá. Um die ambitonierten Südamerika-Pläne von US-Präsident Donald Trump ist es in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden. Unverändert leidet freilich Kuba unter dem totalen US-Embargo. Auch ansonsten hat der Würgegriff der neuen US-Expansion seit Trumps Amtsantritt nicht nachgelassen.

 Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Allein vor der Küste Ecuadors kamen im Rahmen der „Operation Southern Spear“ bei US-Luftangriffen auf mutmaßliche Schmugglerboote bislang mehr als 220 Menschen ums Leben; über ihre Identität liegen vielfach keine gesicherten Angaben vor. Auch daß es sich tatsächlich um Schmuggler handelte, ist völlig unbewiesen. Nun sollen amerikanische Streitkräfte auch gemeinsam mit Partnerstaaten auf deren Territorium gegen kriminelle Organisationen vorgehen. Honduras hat solchen Einsätzen zugestimmt, mit Kolumbiens neuem Präsidenten Abelardo de la Espriella wurde eine enge militärische Kooperation vereinbart. Auch Peru könnte unter Präsidentin Keiko Fujimori folgen.

In Ecuador laufen schon seit Anfang März gemeinsame Operationen mit den USA. Präsident Daniel Noboa hatte zuvor einen „internen bewaffneten Konflikt“ gegen kriminelle Gruppen ausgerufen. Ein von Washington unterstützter Angriff zerstörte im März allerdings nahe der kolumbianischen Grenze eine Viehfarm statt des offiziell genannten Drogenlabors.

Die US-Regierung hat inzwischen 20 lateinamerikanische Organisationen als „ausländische Terrororganisationen“ eingestuft, darunter mexikanische Kartelle, zentralamerikanische Maras, kolumbianische Guerillagruppen sowie seit Juni auch Brasiliens PCC und das im Drogenhandel aktive Comando Vermelho. Auch die völkerrechtswidrige Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar nach US-Luftangriffen begründete Washington mit der Terrorismusbekämpfung und mit Maduros durch nichts bewiesene Verbindung zum „Sonnenkartell“.

Alles zusammengenommen, entsteht derzeit eine neue regionale Sicherheitsstruktur, die auf die Stärkung der amerikanischen Position im sogenannten lateinamerikanischen „Hinterhof“ der USA abzielt. Der von Trump im März gegründete „Shield of the Americas“ umfaßt inzwischen 19 Staaten. Über seine „Americas Counter Cartel Coalition“ sollen Geheimdienstinformationen ausgetauscht, Streitkräfte ausgebildet und gemeinsame Einsätze koordiniert werden. Kolumbien kommt dabei besonderes Gewicht zu: das Land ist weltweit größter Kokainproduzent und gleichzeitig seit Jahrzehnten wichtigster US-Partner in Südamerika. US-Kriegsminister Hegseth bestätigte Gespräche über gemeinsame Operationen gegen ELN und ehemalige FARC-Gruppen.

Mexiko und Brasilien bleiben außerhalb des Bündnisses. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum arbeitet zwar mit Washington zusammen, lehnt US-Militäreinsätze in Mexiko jedoch ab; auch Brasilien widersetzt sich einer stärkeren militärischen Einbindung. Nach Hegseths Darstellung geht es zudem um den Einfluß Chinas. „Wir holen uns die Kontrolle über unsere Hemisphäre zurück“, erklärte er im Juni und stellte das Bündnis in die Tradition der Monroe-Doktrin. In Washington kursiert dafür bereits die Bezeichnung „Donroe-Doktrin“. (he)

Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!

Kommentare 0

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben

Keine Anmeldung nötig. Ihr Kommentar wird nach Prüfung durch die Redaktion freigeschaltet. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Newsletter

Bleiben Sie ZUERST! informiert

Neue Ausgaben, Hintergründe und Angebote – direkt in Ihr Postfach. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.