Nichts als Plagiatoren: Schrieb auch die CDU-Justizsenatorin ihre Doktorarbeit ab?
Berlin. Die Union kann sich vor peinlichen Plagiatsfällen kaum mehr retten. Jetzt sieht sich – nur wenige Wochen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl – Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) mit umfangreichen Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Der österreichische Plagiatsprüfer Stefan Weber hat nach eigenen Angaben bislang 83 beanstandete Stellen in ihrer 2005 an der Kölner Universität eingereichten Dissertation identifiziert. Die fraglichen Übernahmen reichten von der Danksagung an die Eltern über Einleitung und Schluß bis zum Klappentext.
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Nach Webers Analyse stammen Textpassagen, Gedankengänge und Fußnoten vor allem aus zwei älteren Dissertationen sowie einem wissenschaftlichen Aufsatz. Die Quellen seien vielfach nicht ausreichend gekennzeichnet worden. Weber bezeichnet die bislang festgestellten Fundstellen als „schwerwiegend und werkprägend“ und sieht darin den schwersten ihm bekannten Plagiatsfall in der deutschen Rechtswissenschaft seit der Affäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).
Sogar die persönliche Danksagung soll nahezu wörtlich aus einer anderen Arbeit abgekupfert worden sein. Badenberg dankt darin ihren Eltern und ihrem Ehemann für Liebe und Verständnis, die ihr „die Kraft zur Anfertigung dieser Arbeit gaben“. Weitere längere Textplagiate sollen sich bereits auf der ersten Seite der Dissertation finden. An einer Stelle sei in einen übernommenen Abschnitt lediglich die Formulierung „meines Erachtens“ eingefügt worden.
Badenberg hat die Kölner Universität inzwischen selbst um eine Prüfung gebeten. Dem „Tagesspiegel“ sagte sie: „Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“ Die wissenschaftliche Einordnung der beanstandeten Stellen solle nun das Prüfverfahren klären. Bereits 2023 hatte Badenberg erklärt, ihre Arbeit entspreche den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis.
Brisant ist der Fall nicht zuletzt deshalb, weil zu Badenbergs Ressort auch das Gemeinsame Juristische Prüfungsamt Berlin-Brandenburg gehört – eine Plagiatorin auf diesem Posten käme dem berühmten Bock gleich, der zum Gärtner gemacht wird. Zudem lehrt sie seit 2023 als Lehrbeauftragte an der Kölner Universität. Zuvor war Badenberg 17 Jahre beim Bundesamt für Verfassungsschutz tätig, zuletzt als Vizepräsidentin. Dort war sie maßgeblich für das über 1000 Seiten starke Gutachten verantwortlich, daß schließlich zur Einstufung der AfD als rechtsextremistischem „Verdachtsfall“ führte. Am 20. September kandidiert sie in Charlottenburg-Wilmersdorf. (rk)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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