Unseriöse Medien
Durch das, mit dem wir unseren Kopf regelmäßig füttern, erzeugen wir Wahrnehmungsbilder in unserem Inneren. Unsere Interpretation der Umwelt führt dann wiederum zu Reaktionsmustern. Teils sind diese von mächtigen Gruppen so gewünscht.
Anfang des Jahres hat der schleswigholsteinische Ministerpräsident Daniel Günther ein Lehrstück in Wahrnehmungsbildern geliefert. In der TV-Sendung Markus Lanz hat sich Günther indirekt für eine Zensur bestimmter alternativer Medien ausgesprochen, weil diese „vollkommen faktenfrei“ berichten würden. Nun sind viele Bundesbürger durch eine jahrzehntelange NS-„Vergangenheitsbewältigung“ geprägt worden, in der Schule, in Spielfilmen und allwöchentlichen Geschichts-Reportagen. Diese „Vergangenheitsbewältiung“ zielte darauf ab, Hirne zu beeinflussen, und erzeugte – zumindest als Nebeneffekt – letztlich zunehmend simplifizierte Wahrnehmungsbilder, die sich machtpolitisch nutzen lassen. Um es anschaulich zu machen: Wer zuviel Pornographie konsumiert, sieht vielleicht bald überall Nymphomaninnen. Wer zuviel männerfeindliche Artikel liest, sieht eventuell bald überall Vergewaltiger. Wer zuviel „Vergangenheitsbewältigung“ komsumiert, sieht bald überall „Nazis“. Das führt dann zu den gewünschten verinnerlichten Effekten, sich zum Beispiel durch die Wahlerfolge der AfD im Jahr 2026 gedanklich im Jahr 1932 der Weimarer Republik zu wähnen, um daraus eigenen „antifaschistischen Widerstand“ abzuleiten. Das führt auch dazu, daß Leute wegen eines Vortrags von Martin Sellner massenhaft auf die Straße gehen, weil sie ihn gedanklich als zweite Wannsee-Konferenz wahrnehmen. Und es führt zu einem Daniel Günther, der letztlich suggeriert, seriöse etablierte Medien ständen alternativen Medien gegenüber, die tendenziell wie der Stürmer agieren würden.
Zu diesen angeblich wahrheitstreuen etablierten Medien nun zwei Beispiele aus eigenem Erleben. 2023 überredete mich ein Freund, einen Vortrag des Schweizer Publizisten Daniele Ganser in der vollbesetzten Offenbacher Stadthalle zu besuchen. Ich erlebte einen unterhaltsam gestalteten, der US-Außenpolitik gegenüber kritischen Vortrag, vor allem zur Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs. Der Redakteur der örtlichen Tageszeitung hätte Ganser interviewen, einige der Besucher befragen und auch einen Kritiker zitieren können. Das wäre ausgewogener Journalismus gewesen. Doch er zog es vor, einzig die Position der vielleicht 30 „Antifas“ wiederzugeben, die vor der Halle per Megaphon Losungen gegen Gansers herbeiphantasierten Antisemitismus vortrugen. Ganser wurde von dem Schreiber einfach zum „gefährlichen Verschwörungstheoretiker“ erklärt, die Zuhörer zur „Schwurblerszene“.
Im Januar 2025 hielt ich einen Vortrag bei einer Bonner Burschenschaft.
Als ich mich dem Stadtviertel näherte, rief mich der Organisator an. Ich scherzte, ob die Polizeiwagen im Viertel meinetwegen da seien. Und er bestätigte, daß diese meinetwegen beziehungsweise wegen 50 „Antifa“-Demonstranten dort ständen. Ich wurde zum Haus gelotst und hörte nur aus Entfernung Parolen, nach denen es „kein Recht auf Antifeminismus“ gäbe. Nun hatte mein Vortrag zwar mit Architektur, aber gar nichts mit Feminismusfragen zu tun. Und unter den Zuhörern befanden sich auch Frauen, so daß ein solcher Vorwurf selbst gegen die Burschenschaft ins Leere liefe. „Solche Aufregung wegen so eines politisch harmlosen Vortrags?“ rätselte ein Gast. Es ist Kopfkino, Wahrnehmungsbilder, gesuchte Trigger, um die inneren Spannungen durch zuviel Kosum von Medienmüll ableiten zu können, antwortete ich. Ähnlich wie bei Ganser agierte ein Autor des Bonner Generalanzeigers, der mich auf die Beschreibung „Gast aus der rechten Szene“ herunterbrach. In seinem Artikel vom 14. Januar 2025 wurde weder ich als Redner befragt, noch wurden dies die Organisatoren. Wiedergegeben wurde allein die Position der „Antifa“. Zudem wurde der Artikel auf 17.48 Uhr datiert, also geschrieben und wohl auch veröffentlicht zu einem Zeitpunkt, als die Veranstaltung noch gar nicht begonnen hatte. Daß sich die „Antifa“-Demo um 18.30 Uhr friedlich aufgelöst habe, wie in dem Artikel zu lesen, kann der Autor um 17.48 Uhr nur seiner Glaskugel entnommen haben.
Seriöser etablierter Journalismus? Fehlanzeige, Herr Günther.
Auf der Rückfahrt saß ich mit einem nach „Antifa“-Szene aussehenden Mädchen in der Bahn, mit offenbar durch Tränengaseinsatz feuerrotem Gesicht. Ich fiel ihr nicht auf. Sie wirkte unglücklich. Vielleicht auch ein Opfer falscher Wahrnehmungsbilder, dachte ich.
Dr. Claus-M. Wolfschlag ist freier Publizist.
Kommentare 0
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!