Regierungsbericht gibt Kritikern recht: Britische Polizei auf dem Migranten-Auge blind

Regierungsbericht gibt Kritikern recht: Britische Polizei auf dem Migranten-Auge blind
Foto: Symbolbild

London. Die britische Polizei sieht sich mit einem erheblichen Vertrauensschwund konfrontiert. Sie muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß sie bei ihren Einsätzen zweierlei Maß anlegt: während Zuwanderer und Täter mit dunklerer Hautfarbe oft auffallend glimpflich davonkommen, geht sie gegen weiße Tatverdächtige – die oft sogar Opfer, nicht Täter sind – mit aller Härte vor.

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Ein von der britischen Regierung finanzierter Untersuchungsbericht fordert deshalb jetzt einen grundlegenden Kurswechsel. Die Polizeiführungen dürften sich nicht länger in „woken“ Kulturkämpfen positionieren, sondern müßten ihre Arbeit konsequent auf die „Verhütung und Aufdeckung von Verbrechen“ ausrichten. Zu diesem Ergebnis kommt die am Montag veröffentlichte Studie, an der auch der frühere Labour-Innenminister Lord Blunkett mitwirkte.

Die Autoren bescheinigen zahlreichen Polizeibehörden erhebliche Probleme. Genannt werden Korruption, Vetternwirtschaft, Machtmißbrauch sowie eine schlechte Moral innerhalb der Dienststellen. Zudem bestehe in der Öffentlichkeit der Eindruck, Polizeiführungen würden „bestimmte Gruppen bevorzugen“ und sich in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen auf eine Seite schlagen. Der Bericht fordert deshalb, Herkunft oder Identität von Tätern und Opfern dürften „absolut keine Auswirkung“ auf deren Behandlung durch die Polizei haben.

Auslöser der Debatte ist unter anderem der Tod des 18jährigen Studenten Henry Nowak, der im Dezember letzten Jahres in Southampton von einem Sikh Dolch tödlich verletzt wurde. Im Mai veröffentlichte Bodycam-Aufnahmen zeigen, wie Polizisten den schwerverletzten Nowak fesseln, nachdem ihn sein Angreifer des Rassismus beschuldigt hatte. Der Fall löste landesweit Empörung und den Vorwurf einer Zweiklassen-Polizeiarbeit aus.

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Blunkett räumte gegenüber der BBC ein, es gebe „eine Wahrnehmung“ einer solchen Ungleichbehandlung. „Wir haben das Pendel schwingen lassen“, sagte er. Der Bericht stelle deshalb klar, „daß es keinen Platz für Kulturkriege oder Wokeness gibt“.

Massive Kritik richtet sich aber auch gegen die geltenden Antirassismus-Richtlinien der Polizei. Dort wird Beamten empfohlen, nicht „farbenblind“ zu handeln; Gleichheit bedeute ausdrücklich nicht, alle Menschen gleich zu behandeln. Auch die Staatsanwaltschaft für England und Wales geriet zuletzt in die Kritik, nachdem sie ihre Ankläger anwies, bei Entscheidungen über Angehörige ethnischer Minderheiten den eigenen „unbewußten Bias“ (= Vorurteil) zu hinterfragen.

Reform-UK-Chef Nigel Farage sieht sich durch die Vorgänge bestätigt. Er spricht von einem „Zweiklassenstaat gegen weiße Menschen“ und sieht im Fall Nowak einen weiteren Beleg für die unterschiedliche Behandlung von Bürgern nach ihrer Hautfarbe. (mü)

Bild: Wikimedia/Someone Not Awful – Own work/CC BY-SA 4.0

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