Ukraine trägt den Krieg erfolgreich nach Rußland: Wie reagiert Moskau?
Kiew/Moskau. Der bislang schwerste ukrainische Drohnenangriff auf Moskau hat in der Nacht auf Donnerstag nach russischen Angaben erhebliche Schäden verursacht und erneut die Schwächen der russischen Luftverteidigung offengelegt. Hauptziel war die zum Gazprom-Konzern gehörende Ölraffinerie im Moskauer Stadtteil Kapotnja, über der kilometerweit sichtbare schwarze Rauchwolken aufstiegen. Mehrere Explosionen erschütterten das Gelände, auf dem nach Einschätzung von Analysten sowohl Tanklager als auch die zentrale Verarbeitungsanlage in Brand gerieten.
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Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Angriffs sind erheblich. Nach Angaben von Reuters verarbeitet die betroffene Hauptsektion 53 Prozent der Kapazität der Raffinerie. Insgesamt deckt die Anlage rund 40 Prozent der Ölverarbeitung in der Hauptstadtregion ab. Damit dürfte sich auch der bereits spürbare Treibstoffmangel in Rußland weiter verschärfen.
Nach offiziellen russischen Angaben wurden beim jüngsten Angriff 194 ukrainische Drohnen über dem Moskauer Raum abgeschossen. Dennoch räumte Bürgermeister Sergej Sobjanin ein, daß es „einigen“ Drohnen gelungen sei, die Raffinerie zu erreichen. Es handelt sich um den bislang größten Angriff auf die russische Hauptstadt seit Beginn des Krieges. Wohnhäuser, Einkaufszentren und Verkehrsinfrastruktur wurden ebenfalls beschädigt, sämtliche vier Moskauer Flughäfen mußten ihren Betrieb zeitweise einstellen, aus dem Umland wurden mindestens 16 Verletzte gemeldet.
Der Angriff ist Teil einer Entwicklung, die Rußlands Luftabwehr zunehmend unter Druck setzt. Schon seit Monaten fliegen ukrainische Drohnen Angriffe auf Raffinerien, Umschlaghäfen und Treibstoffdepots tief im russischen Hinterland – mit wachsendem Erfolg. Branchenbeobachter machen diese Kampagne bereits für Versorgungsengpässe und zeitweilige Kraftstoffknappheit in mehreren Regionen verantwortlich. Nach Einschätzung Kiews sollen die Schläge den Nachschub für die russischen Streitkräfte erschweren und zugleich die Einnahmen Moskaus aus dem Ölgeschäft schmälern.
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Unter dem Eindruck der ukrainischen Drohnenangriffe kippt die Stimmung in der russischen Bevölkerung, und der Druck auf Kremlchef Putin wächst. Seine Zustimmungswerte fielen in den letzten Monaten von über 70 Prozent auf rund 60 Prozent – das ist gemessen an westlichen Maßstäben immer noch traumhaft, läßt aber erkennen, daß Putins Kriegführung in der Öffentlichkeit immer mehr auf Unverständnis stößt. Auch Medien und Stimmen wie die des einflußreichen Politikberaters Sergej Karaganow mahnen immer dringlicher eine härtere Gangart gegenüber der Ukraine und dem Westen an; Karaganow etwa wird nicht müde, Atomschläge auch gegen westliche Ziele zu fordern. (he)
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Kommentare 1
Der einflußreiche Politikberater des Kreml, Sergej Karaganow, mahnt immer dringlicher eine härtere Gangart gegenüber der Ukraine und dem Westen an und wird nicht müde, Atomschläge auch gegen westliche Ziele zu fordern. (Artikel, letzter Absatz). Davor kann ich nur warnen! In den europäischen Ländern Frankreich, Großbritannien und Deutschland gibt es auch Atomwaffen (hierzulande US-amerikanische), die im Falle eines atomaren russischen Angriffs sicherlich zum Einsatz kämen. Zwar ist die Zerstörungskraft von Atomraketen erheblich, aber der entscheidende Punkt bei atomaren Waffen ist die Verstrahlung großer Gebiete mit tödlichen Gammastrahlen. Man stelle sich bloß mal vor, eine russische Atomrakete würde das Ruhrgebiet treffen. Diese dichtbesiedelte Region wäre durch die Gamma-Verstrahlung für Jahrzehnte unbewohnbar; die Zahl der sofort Getöteten und der Todgeweihten ginge in die Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen. Angesichts der ukrainischen Erfolge bei Angriffen mit Langstrecken-Kampfdrohnen auf das russische Hinterland, vor allem Moskau, wären baldige Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation geradezu ein Wunder. Aber wie sagt man: Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist!