Überwachungs-Krake „Palantir“ drängt auf den Medienmarkt: Auf dem Weg zum gläsernen Leser
New York. Der US-Sicherheitskonzern „Palantir“ ist derzeit der weltgrößte Daten- und Überwachungskrake. Besonders umstritten ist das Unternehmen wegen seiner KI-Programme zur „präventiven Verbrechensbekämpfung“. Dennoch arbeiten auch in Deutschland bereits die ersten Länder-Polizeien mit „Palantir“-Programmen.
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Jetzt greift der Konzern nach Millionen Mediennutzern. Eine unheilvolle Allianz aus „Big Tech“ und der internationalen Medienlandschaft zeichnet sich ab. USA TODAY Co., größter Zeitungskonzern der USA mit mehr als 200 Lokalzeitungen und dem nationalen Titel USA TODAY, bindet „Palantir“ in seine Datenverarbeitung ein. Das Unternehmen will Leserdaten stärker auswerten und bislang anonyme Nutzer in identifizierbare Beziehungen überführen. USA TODAY-Chef Mike Reed erklärte auf der Bilanz-Pressekonferenz zum zweiten Quartal 2026: „Jeder Besuch, jede Sitzung und jeder Moment der Aufmerksamkeit sendet ein Signal aus.“ Aus der Verbindung solcher Signale solle „actionable intelligence“ entstehen, zu deutsch etwa: operable Erkenntnis. Reed bezeichnete anonyme Nutzer als „die am wenigsten wertvolle und am wenigsten monetarisierbare Zielgruppe“ und kündigte an, heutige anonyme Interaktionen von Lesern in „bekannte Beziehungen“ umzuwandeln. USA-TODAY-Media-Chefin Kristin Roberts sprach in diesem Zusammenhang von „bessere[n] Empfehlungen und Angebote[n], basierend darauf, was die Leute wirklich interessiert“. Das kennt man bereits von Amazon, Facebook und Google.
„Palantir“ arbeitet bereits mit weiteren Medienunternehmen bei der Datenauswertung zusammen. In Deutschland nutzt das Verlagshaus Axel Springer, zu dessen Portfolio unter anderem „Politico“, der „Business Insider“, „Bild“ und „The Telegraph“ gehören, die Software seit Jahren. Die Verlage begründen den verstärkten Dateneinsatz mit einer effizienteren Vermarktung und sinkendem Suchmaschinen-Traffic. „Palantir“ wiederum nennt als Einsatzfelder „detaillierte Einblicke in das Leseverhalten, die Werbewirksamkeit und ihre Abonnementmodelle“.
Hausintern ist die Kooperation mit dem Daten- und Überwachungskraken bei USA TODAY durchaus umstritten. Mehr als 800 Beschäftigte aus 31 Redaktionen verlangten deren Beendigung. Doch dafür ist das Geschäft für beide Seiten viel zu lukrativ. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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