Technologie-Wettlauf im Ukrainekrieg: Rußland hat Antworten auf alle westlichen Systeme

Technologie-Wettlauf im Ukrainekrieg: Rußland hat Antworten auf alle westlichen Systeme
Foto: Symbolbild

Moskau/Kiew. An den Mythos westlicher „Wunderwaffen“, die auf den Schlachtfeldern in der Ukraine als „Game changer“ wirken, glaubt viereinhalb Jahre nach Kriegsausbruch niemand mehr. Auch eine aktuelle Analyse des unabhängigen Konfliktforschers „Simplicius“, die jetzt auf der Plattform „Substack“ veröffentlicht wurde, kommt zu dem ernüchternden Befund: Rußland hat für alle westlichen Waffensysteme, die in der Ukraine zum Einsatz kommen, Gegenmittel entwickelt. Selbst der frühere ukrainische Oberbefehlshaber Valerij Saluschnyj räumte demnach ein, Moskau habe bis 2026 auf praktisch alle eingesetzten westlichen Systeme und NATO-Doktrinen reagiert. Technologische Vorteile könnten innerhalb weniger Wochen oder Monate an Wirkung verlieren.

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Ein prominentes Beispiel ist das amerikanische HIMARS-System. Bei der Rückeroberung von Cherson im Herbst 2022 erzielte das System erhebliche Wirkung. Aber russische Aufklärung, elektronische Kampfführung und angepaßte Einsatzverfahren schränkten diesen Vorteil bald deutlich ein.

Auch das aktive Schutzsystem Arena-M wird als Beispiel angeführt. Ein Radar erkennt anfliegende Geschosse und bekämpft sie mit gerichteten Splitterladungen. Ursprünglich für Panzerabwehrwaffen wie „Javelin“ und NLAW konzipiert, wurde Arena-M für die Abwehr von FPV-Drohnen weiterentwickelt.

Bei Gefechten im Raum Dobropillja nahe Pokrowsk sollen russische Panzer T-72B3A mit Arena-M eingesetzt worden sein. Ukrainische Quellen und Analysten berichten von Fahrzeugen, deren Systeme gleich mehrere FPV-Drohnen nacheinander abgewehrt hätten. Demnach seien durchschnittlich 15 bis 20 Drohnen erforderlich gewesen, um einen derart geschützten Panzer auszuschalten. Aufnahmen mit leeren Abschußbehältern werden als Hinweis auf den tatsächlichen Verbrauch der Abwehrmunition angeführt.

Das Prinzip beschränkt sich nicht auf den Panzerschutz: russische Experten analysieren westliche Systeme und passen daraufhin elektronische Kampfführung, Taktik und technische Gegenmaßnahmen an. Dies betrifft nach der Analyse von „Simplicius“ Präzisionsartillerie, Marschflugkörper, Drohnen und nun auch aktive Schutzsysteme.

Arena-M besitzt allerdings nur eine begrenzte Zahl an Abfangladungen. Bei größeren Drohnenschwärmen kann die Munition erschöpft werden. Das System steht damit exemplarisch für einen technischen Wettlauf, in dem die Wirkung neuer Waffen von der Geschwindigkeit gegnerischer Anpassungen abhängt. Aber dieser Wettlauf ist so alt wie die Geschichte des Krieges. (he)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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