Schülerproteste eskalieren: Jetzt auch in Berlin – springt der Funke über?

Schülerproteste eskalieren: Jetzt auch in Berlin – springt der Funke über?
Foto: Symbolbild

Paris/Berlin. Seit Wochen halten gewalttätige Ausschreitungen, die sich an Schülerprotesten entzündet haben, Frankreich in Atem. Aus den Protesten hat sich binnen kurzem eine gewaltsame Bewegung entwickelt, die inzwischen maßgeblich von jugendlichen Migranten und von der Linken mitgetragen wird.

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Die Polizei nahm binnen drei Wochen mehr als 6.800 Menschen fest, überwiegend Minderjährige. Hunderte Polizisten und zahlreiche Schüler wurden verletzt. In Nantes zerstörte ein Brand die Eingangshalle des Lycée Nelson Mandela, in Marseille sollen Angreifer einen Schulleiter und dessen Stellvertreter mit Benzin übergossen haben. 

Auch in Belgien eskalierten die Proteste. In Lüttich kam es zu Straßenschlachten, der Hauptbahnhof wurde zeitweise geschlossen, mindestens 139 Menschen wurden festgenommen.

Inzwischen haben die Unruhen das Potential für eine europaweite Bewegung. In Turin und Rom besetzten Schüler Gymnasien und riefen: „Machen wir es wie in Frankreich.“ Auch Deutschland haben die Proteste mittlerweile erreicht: in Berlin-Mitte verbarrikadierten Schüler des Französischen Gymnasiums den Eingang ihrer Schule.

Daraus könnte mehr werden. Denn auch hierzulande, vor allem im linken Schmelztiegel Berlin, sind alle Voraussetzungen für Krawalle à la française gegeben: eine gewaltbereite linke Szene, Islamisten, eine riesige Migrantenszene mit fließenden Übergängen zur organisierten Kriminalität.

Auch die französische Journalistin Nora Bussigny sieht hinter den Protesten ein Geflecht aus linksradikalen und islamistischen Netzwerken. Die Regierung in Paris spricht von einem „organisierten Manöver“ der Linkspartei La France insoumise (LFI) und der Ultralinken. LFI weist die Vorwürfe zurück. Bussigny verweist auf Verbindungen zwischen der mobilisierenden Gruppe RED Jeunes und den Étudiants Musulmans de France, die ein Regierungsbericht als Jugendarm der Muslimbrüder einstuft.

Die Extremismus-Analystin Sigrid Herrmann will ähnliche Allianzen in Deutschland erkennen. Der Berliner Verfassungsschutz hat bereits vor Verbindungen zwischen Hamas-Anhängern und der linksnationalistischen PFLP gewarnt.

Allerdings sind die Proteste nicht allein politisch gesteuert. Der französische Politikwissenschaftler Philippe Marlière hält sie für eine echte Bewegung, entstanden aus realen Mißständen. LFI habe sie nicht ausgelöst, aber verstärkt und politisch genutzt. „LFI muß die Bewegung nicht kommandieren, um erheblichen Einfluß auf sie zu haben“, sagt er.

Beobachter sehen darin eine Blaupause für eine vergleichbare Entwicklung in Deutschland. Der soziale Sprengstoff ist längst in der Gesellschaft vorhanden, die Ingrendienzen für ein leicht entflammbares Gewaltpotential ebenfalls. Spannende Zeiten stehen ins Haus – nicht nur in Berlin. (mü)

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