Schon am Tag danach: „Experten“ machen gegen Wiederaufbau des Kehlsteinhauses mobil
Berchtesgaden/München. Das war zu erwarten: nach dem Brand des berühmten Kehlsteinhauses auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden melden sich erste Stimmen vorgeblicher „Experten“ zu Wort, die einen originalgetreuen Wiederaufbau ablehnen und sich stattdessen für ein volkspädagogisches Lehr- und Erinnerungskonzept starkmachen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte unmittelbar nach dem Brand einen Wiederaufbau angekündigt – allerdings ebenfalls mit der Begründung, die „Erinnerungsarbeit“ müsse unbedingt weitergehen.
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Keine zwei Tage nach dem Brand, der das historische Gebäude im früheren „Führersperrgebiet“ in der Nacht zum Samstag weitgehend zerstört hat, meldete sich nun im Lokalblättchen „Münchner Merkur“ ein durch keinerlei fachliche oder historische Kompetenz ausgewiesener Dirk Walter mit der Forderung zu Wort, von einer originalgetreuen Wiederherstellung Abstand zu nehmen. Wörtlich: „Das mit Nazi-Kitsch überladene Gebäude (Untersberger Marmor, von Mussolini gestiftet) einfach so originalgetreu wiederaufzubauen, wie Innenminister Herrmann in einer ersten Reaktion etwas vorschnell meinte, wird nicht gehen. Es wäre auch falsch und unsensibel. Hitlers Berghof unweit am Obersalzberg hat man ja zum Glück auch nicht wiederaufgebaut.“
Nun seien „kreative Ideen gefragt, ein Architekturwettbewerb vielleicht, der die NS-Vergangenheit des Standorts berücksichtigt, aber doch auch etwas Neues, etwas Modernes schafft“. Allerdings hat man mit einer solchen architektonischen Vergangenheitsbewältigung bisher noch nirgendwo gute Erfahrungen gemacht – weder auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände, wo die gigantische NS-Kongreßhalle künftig für Millionensummen an Steuergeldern zu sogenannten „Ermöglichungsräumen“ umgestaltet werden soll, noch beim vergleichsweise unpolitischen militärhistorischen Museum in Dresden, das bekanntlich durch den umstrittenen „Libeskind-Keil“ architektonisch völlig dekonstruiert wurde. Der Münchner Königsplatz wiederum, wo die früheren NS-Bauten den Krieg zum großten Teil unbeschadet überstanden haben, wurde durch ein NS-Dokumentationszentrum ergänzt. So etwas schwebt den „Experten“ nun offenbar auch für den Obersalzberg vor.
Auch der Thüringer Historiker Jens-Christian Wagner, der Leiter der Buchenwald-Gedenkstätte ist, fordert in einem MDR-Interview einen radikalen „Schlußstrich“ und sprach sich gegen einen Wiederaufbau des Kehlsteinhauses aus. Wagner fiel in der Vergangenheit vor allem durch wiederholte Hetze gegen die AfD und eine Strafanzeige gegen den früheren VS-Chef Hans-Georg Maaßen auf. Vor der Thüringer Landtagswahl 2024 hatte er die Wähler des Bundeslandes in einem offenen Brief vor der AfD gewarnt.
Zuständig ist zunächst der Freistaat Bayern. Aktueller Sachstand ist, daß dieser nun durch eine Expertenkommission ein Konzept entwickeln läßt, das dem historischen Erbe des Ortes gerecht wird. Kunstminister Markus Blume (CSU) erklärte: „Wir wollen das Kehlsteinhaus als Zeugnis der Geschichte und Ort der Aufklärung für kommende Generationen erhalten.“ Ein Wiederaufbau müsse „dieser historischen Verantwortung gerecht werden“.
Diese Diktion bedeutet nichts Gutes. Zumal sich der Freistaat gerade am Obersalzberg schon einmal ein fatales Denkmal gesetzt hat: nachdem der frühere „Platterhof“, der nach dem Krieg von den US-Besatzern als Hotel „General Walker“ übernommen und zur Erhohlungsstätte für US-Soldaten umgewidmet worden war, 1996 an den Freistaat zurückfiel, ordnete die Staatsregierung 1999/2000 seinen kompletten Abriß an. Das Areal wurde mit einem demonstrativ gesichtslosen Luxushotel überbaut, das nur dank Subventionen des Freistaats überlebt – Denkmalschutz auf bayerische Art. (rk)
Bild von Tyli Jura auf Pixabay
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