Schlechte Nachrichten für den Rüstungs-Hype: Der Industrie geht das Material aus
München. Daß es mit der deutschen Industrie rasant abwärts geht, pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern. Aber jetzt geht es ans Eingemachte. Nicht nur berzahlbare Energieträger wie Öl und Gas werden rar, sondern auch das Material zum Produzieren: die Versorgung mit wichtigen Vorprodukten verschlechtert sich weiter. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts stieg der Anteil der Unternehmen, die über Materialengpässe klagen, im Juni auf 17,2 Prozent. Einen Monat zuvor hatten noch 15,9 Prozent der Betriebe entsprechende Schwierigkeiten gemeldet.
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Als wesentliche Ursache nennen die Wirtschaftsforscher die Auswirkungen des Krieges gegen den Iran. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe erklärte (nicht mehr auf dem neuesten Stand!): „Die Straße von Hormus ist zwar wieder passierbar, doch die Folgen der Störungen wirken nach.“ Deshalb werde es „bis zur vollständigen Normalisierung der internationalen Lieferketten“ noch einige Zeit dauern. In den letzten Tagen hat sich die Lage wieder verschlechtert – die Straße von Hormus ist wieder „dicht“, nachdem sich die USA mit der iranischen Kontrolle über den strategisch wichtigen Seeweg nicht abfinden wollten und die Kampfhandlungen gegen Iran wieder aufgenommen haben.
Besonders stark betroffen bleibt die chemische Industrie. Dort berichtet inzwischen nahezu jedes dritte Unternehmen über fehlende Materialien; der Anteil liegt bei 29,5 Prozent. Noch drastischer verschärfte sich die Lage bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen. In diesem Bereich sprang der Anteil der betroffenen Betriebe von 25,5 auf 34,2 Prozent.
Auch Produzenten elektrischer Ausrüstungen melden häufiger Versorgungsprobleme. Hier stieg der Anteil auf 27,7 Prozent. Im Maschinenbau blieb die Situation mit 15,6 Prozent nahezu unverändert. Spürbar verschlechtert hat sich die Lage in der Automobilindustrie, wo der Anteil der Unternehmen mit Materialmangel von 10,0 auf 15,7 Prozent zunahm.
Je länger der Krieg am Persischen Golf dauert, umso kritischer wird es für die deutsche Industrie. Auch für die gigantischen Rüstungspläne der Bundesregierung ist eine schlechte Nachricht – denn ohne Nachschub und Energie bleibt das neue deutsche Rüstungswunder bestenfalls ein feuchter Traum. (rk)
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