Rüstungsboom mit Verfallsdatum: Panzer bringen keine Rendite
Berlin/München. Der deutsche Rüstungsboom verändert gerade ganze Industrieregionen. In Kassel, Görlitz und Unterlüß erweitern Rheinmetall, KNDS und Zulieferer ihre Kapazitäten, um die wachsenden Bundeswehr-Aufträge zu bedienen. In Bayern wachsen ganz neue Industriecluster im Bereich der Drohnenentwicklung und –produktion. Mit dem Bundeshaushalt 2026 ist der Verteidigungsetat von der Schuldenbremse ausgenommen. Bis 2030 soll er auf 180 Milliarden Euro steigen, das ist nahezu doppelt so hoch wie 2025.
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Vor allem Regionen mit angeschlagener Auto- und Maschinenbauindustrie profitieren. Tausende Beschäftigte wechseln in den Verteidigungssektor. In Görlitz werden inzwischen Panzerwannen statt Eisenbahnwaggons gefertigt. Der Schwerpunkt liegt auf Fahrzeugen, Rohrwaffen und Munition.
Aber: der Rüstungsboom endet zwangsläufig irgendwann. Für Panzer existiert kein vergleichbarer freier Massenmarkt wie für Automobile. Die Nachfrage bleibt begrenzt, der Export ist nur eingeschränkt möglich. Und die Produktion dient vor allem der Abschreckung, ist mithin extrem unproduktiv. Nach Mitte der 2030er-Jahre könnten die Bundeswehrdepots weitgehend gefüllt und die finanziellen Spielräume des Staates kleiner sein. Dann dürfte die Herstellung klassischer Militärtechnik zurückgehen. Unternehmen, Zulieferer und Kommunen sollten diese Entwicklung schon jetzt im Blick haben.
Der Verteidigungsbedarf wird dennoch grundsätzlich bestehen bleiben. Ein Rückzug der USA aus Europa und die von der Politik suggerierte anhaltende Bedrohung durch Rußland verlangen konstante militärische Kapazitäten – es sei denn, die Politik verlegt sich wieder auf Kommunikation und Diplomatie statt auf Drohen und Aufrüsten. So oder so wird sich der Rüstungs-Hype aber als vorübergehendes Strohfeuer erweisen. Irgendwann ist der Bedarf gedeckt, dann fällt auch der Rüstungssektor als Motor des Wachstums weg. Panzer sind nun einmal kein Wirtschaftsgut, das langfristig Renditen abwirft. (rk)
Foto: Rheinmetall
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