Raketenkrieg am Persischen Golf: Iran erhöht die Schlagzahl
Teheran/Washington. Je länger der Schlagabtausch zwischen den USA und Iran dauert, umso deutlicher steht Teheran als Gewinner da. Nicht nur wegen der politischen Auswirkungen, sondern auch rein militärisch – während den USA die Munition und die militärischen Optionen ausgehen, verbessert der Iran seine Position kontinuierlich.
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Nach Einschätzung amerikanischer Medien und Militärexperten haben die Iraner ihre Raketenangriffe im Verlauf des Krieges deutlich optimiert. Neue Angriffsmuster, moderne Waffensysteme und koordinierte Einsätze erschweren zunehmend die Abwehr durch die USA und ihre regionalen Partner.
Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe im vergangenen Monat wurden erneut mehrere amerikanische Militärstandorte getroffen. Nach offiziellen Angaben aus den USA erlitten Dutzende Soldaten Verletzungen, zudem entstanden Schäden an Hubschraubern und militärischer Infrastruktur. Besonders betroffen war die Muwaffaq Salti Air Base in Jordanien, die innerhalb kurzer Zeit gleich mehrfach angegriffen wurde. Bei einem Einschlag starben drei Angehörige einer Flugabwehreinheit.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, nahezu alle Raketen seien abgefangen worden. Eine habe jedoch die Verteidigung überwunden und sei an der „falschen Stelle“ eingeschlagen. Präsident Trump sprach später davon, „andere Operatoren“ hätten auf dem jordanischen Stützpunkt „etwas durchgelassen“, ohne dies näher zu erläutern.
Satellitenaufnahmen und Videoaufnahmen, über die die „New York Times“ berichtete, zeigen darüber hinaus Schäden an weiteren US-Einrichtungen, darunter Tower 22 in Jordanien, ein Radar auf der Ahmad al-Jaber Air Base in Kuwait sowie Anlagen an einem Flughafen im Irak. US-Regierungsvertreter müssen einräumen, daß Iran nicht nur weiterhin über umfangreiche Raketenbestände verfügt, sondern auch seine Fähigkeit kontinuierlich verbessert, gegnerische Luftabwehrsysteme zu überwinden.
Die Militäranalystin Kelly Grieco nennt dafür drei Ursachen. Erstens kombiniere Teheran Drohnen, Marschflugkörper und Raketen zunehmend in abgestimmten Angriffen. „Das zwingt die Verteidiger dazu, gleichzeitig mit mehreren Flugprofilen und Flughöhen umzugehen.“ Zweitens würden gezielt Radaranlagen und Frühwarnsysteme angegriffen. „Diese Angriffe können die Fähigkeit der Verteidiger beeinträchtigen, anfliegende Bedrohungen zu erkennen und zu verfolgen.“ Drittens setze Iran verstärkt auf moderne ballistische Raketen wie die „Kheibar Shekan“. Das erst 2022 vorgestellte System besitzt nach Berichten eine Reichweite von etwa 1.500 Kilometern und kann im Endanflug manövrieren, wodurch ein Abfangen erschwert wird.
Und es gibt noch weitere signifikante Fortschritte auf iranischer Seite. Ein iranischer Regierungsvertreter erklärte gegenüber dem „Telegraph“, beschädigte Raketenstellungen könnten inzwischen in weniger als einer halben Stunde wieder einsatzbereit gemacht werden. „Das Wichtigste im Raketenkrieg ist Geschwindigkeit, und darin werden wir immer besser.“ Zudem ziehe man aus jedem amerikanischen Abfangversuch neue Erkenntnisse. Alles zusammengenommen sieht nach einem Punktsieg für die iranische Seite aus. Das Desaster für Uncle Sam wird immer größer. (mü)
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