Peinlich: Deutscher Botschafter kritisiert Vatikan wegen Friedenspolitik

Peinlich: Deutscher Botschafter kritisiert Vatikan wegen Friedenspolitik
Foto: Symbolbild

Rom/Berlin. Mit Blick auf die weltweit üblichen diplomatischen Umgangsformen ist das schon ziemlich dreist: der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Bruno Kahl, wirft dem Vatikan eine zu einseitige Friedenspolitik (!) vor. Die Kirche müsse stärker anerkennen, daß Staaten sich gegen militärische Bedrohungen wappnen und ihre Bevölkerung schützen müßten. In einem Interview der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ kritisierte der frühere BND-Chef, den jüngsten Verlautbarungen des Vatikans fehle ein realistischer Blick auf die Möglichkeit von Kriegen.

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„Solange der Mensch als Sünder auf dieser Welt lebt, muß er mit Krieg rechnen“, erklärte Kahl. Diese Einsicht sei im Konzilsdokument „Gaudium et Spes“ und im Katechismus der Katholischen Kirche verankert, werde in neueren Stellungnahmen aber nicht mehr ausreichend berücksichtigt. Papst Leo XIV. habe zwar recht, wenn er sich für den Frieden einsetze. Entscheidend sei jedoch, daß dieser „ein gerechter Frieden“ sei und „mit tauglichen Mitteln hergestellt“ werde.

Besonders kritisch äußerte sich Kahl zur Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber den europäischen Aufrüstungsbemühungen angesichts der russischen Bedrohung. In der Enzyklika „Magnifica humanitas“ werde das legitime Recht der Staaten auf Selbstverteidigung lediglich in einem knappen Halbsatz erwähnt. Statt dessen dominierten Warnungen vor Waffen und Rüstung, hält der Ex-BND-Mann dem Papst vor. Stattdessen sollten die Bemühungen, „Rußland von vornherein davon abzuhalten, sich nach Westen auszudehnen“, von der Kirche „mehr unterstützt und weniger kritisiert werden“.

Kahl ist seit 2025 deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl. Zuvor leitete er den Bundesnachrichtendienst – der auch unter seiner Leitung im internationalen Vergleich eine Nachtwächtertruppe und dringend darauf angewiesen war, daß ausländische Partnerdienste wie die CIA ihre deutschen Kollegen vor drohenden Terroranschlägen warnten. Insofern ist Kahl am Heiligen Stuhl schon gut aufgehoben – er ist dort wenigstens nicht mehr für die Sicherheit Deutschlands zuständig. Allerdings gehört die aufdringliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder auch auf seinem neuen Posten nicht zu seinen Aufgaben. (mü)

Foto: nimrodins / Pixabay (Pixabay-Lizenz)

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