Ölreserven schrumpfen: Globale Energiekrise droht

Ölreserven schrumpfen: Globale Energiekrise droht
Foto: Symbolbild

Riad/Teheran. Die anhaltenden Kämpfe rund um den Persischen Golf könnten die Weltwirtschaft in eine schwere Krise stürzen. Amin Nasser, Chef des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco, warnt vor einer dramatischen Verknappung der verfügbaren Reserven. Das weltweite Sicherheitspolster sei „beängstigend geschrumpft“, erklärte er beim Energy Intelligence Forum in London.

 

Auf dem Papier erscheinen die Vorräte zwar beträchtlich: weltweit werden die kommerziellen und staatlichen Ölreserven auf rund sechs Milliarden Barrel geschätzt. Faktisch ist davon aber nur ein kleiner Teil tatsächlich nutzbar. Nasser zufolge sind weniger als zehn Prozent förderbar. Der übrige Bestand werde benötigt, um zum Beispiel den Betriebsdruck in Pipelines aufrechtzuerhalten und Mindestfüllstände in unterirdischen Speichern zu sichern. Eine Entnahme könnte die Förderinfrastruktur beschädigen.

 

Auch die Notreserven mehrerer Industriestaaten geraten unter Druck. Japan lehnte Anfang Oktober eine Beteiligung an einer weiteren Freigabe ab. Südkorea, das stark von Lieferungen durch die Straße von Hormus abhängig ist, setzt seine verbleibenden Bestände ebenfalls sparsam ein. Was die USA angeht, war dort die strategische US-Ölreserve bereits im Sommer auf rund 330 bis 340 Millionen Barrel gesunken – der niedrigste Stand seit den frühen 1980er Jahren.

 

Washington drängt unterdessen auf eine koordinierte Reaktion. Die G7 kündigten eine weitere Freigabe von Reserven zur Stabilisierung der Preise an. Dem Schritt ging erheblicher politischer Druck von US-Präsident Donald Trump voraus, der mit einem vollständigen Exportverbot für amerikanischen Diesel drohte, wenn sich die Partner weigerten, der Vorgabe aus Washington zu folgen.

 

BP-Chefin Meg O’Neill warnt indes vor der Annahme, kurzfristige Maßnahmen könnten die strukturellen Probleme lösen. Notreserven könnten zwar helfen, den Winter zu überstehen, beseitigten aber weder Engpässe in der Logistik noch Schwierigkeiten bei der Förderung.

 

Bleibt eine Einigung im Iran-Konflikt weiterhin aus, könnte sich die Lage bis zum Frühjahr 2027 drastisch verschärfen. Experten sehen ein mögliches Szenario, in dem die Marktmechanismen versagen. Regierungen könnten dann gezwungen sein, Kraftstoff zu rationieren, energieintensive Betriebe einzuschränken und Flugpläne zu kürzen.

 

Selbst ein Ende der Kampfhandlungen brächte laut Aramco-Chef Nasser keine sofortige Entlastung. Die Folgen für Versorgung, Preise und Produktion könnten deshalb weit über das Ende des militärischen Konflikts hinausreichen. Branchenexperten halten eine lang anhaltende hohe Inflation noch für das günstigste denkbare Szenario. (mü)

Bild: Pixabay/Gemeinfrei

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