Nur kurzer Krieg machbar: NATO-Experten zweifeln an Europas Kriegsfähigkeit
Brüssel. Europa könnte einen langen Abnutzungskrieg gegen Rußland derzeit nicht durchstehen. Zu dieser Einschätzung kamen mit der NATO verbundene Verteidigungsplaner bei einem Forum der Münchner Sicherheitskonferenz, wie der britische „Guardian“ berichtet. Die Planungen des Bündnisses müßten sich deshalb auf einen eher kurzen Konflikt konzentrieren.
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Als Problem machten die Experten auch die fehlende Vorbereitung der Bevölkerung aus. Viele Bürger seien auf einen längeren Krieg nicht eingestellt und möglicherweise nicht bereit, ihn über längere Zeit mitzutragen. Zugleich sahen die Teilnehmer die Gefahr, daß Rußland im Konflikt gegen Europa an Einfluß gewinnt. Moskaus Aktivitäten erschwerten bereits die militärischen Planungen für den Fall einer direkten Auseinandersetzung.
Ein ehemaliger britischer Minister räumte ein, die westlichen Regierungen hätten ihre Bevölkerungen bislang nur unzureichend über das Ausmaß der hybriden Auseinandersetzung informiert. Ein britischer Diplomat verwies darauf, daß mehrere Premierminister darauf verzichtet hätten, die Bedrohung zu erklären. Nun müßten Minister Wähler für mögliche Kürzungen bei den Sozialausgaben zugunsten der Verteidigung gewinnen. „Das Niveau der Debatte war das eines Kindergartens“, sagte der Diplomat.
Nach Einschätzung eines weiteren Diplomaten nutzt Moskau seit dem Ende des Kalten Krieges politische Ängste auf der linken wie auf der rechten Seite. Europäische Politiker befürchten für 2027 zusätzliche Erfolge rechtspopulistischer Parteien in Polen, Frankreich und Italien. Auch die Entwicklung der AfD in Deutschland wird genannt. Rußlandfreundliche Kräfte könnten damit die europäische Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen erschweren.
Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto verwies auf russische Möglichkeiten bei sozialen Medien, künstlicher Intelligenz, Datenbanken und kritischer Infrastruktur: „Wir haben keine Abwehrkräfte und sind angreifbar.“ Zugleich warnte er davor, politische Unzufriedenheit pauschal russischer Einflußnahme zuzuschreiben. Moskau nutze reale Probleme wie niedrige Löhne; hinzu komme die Ermüdung über die Kosten des Ukrainekrieges. (he)
Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei
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