Nicht nur Belgien: Ohne russisches Gas geht es nicht
Brüssel. Eigentlich plant die EU, ab Januar 2027 auch kein russisches Flüssigerdgas (LNG) mehr einzuführen. Für Pipelinegas aus Rußland gilt das Ausstiegsziel zum 1. November 2027. Aber: noch vor Inkrafttreten der Regelung nimmt die Bedeutung russischer Lieferungen in einzelnen Mitgliedstaaten wieder massiv zu – ohne Gas aus Rußland geht es einfach nicht.
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Nach einer Auswertung von Schiffsbewegungsdaten durch den Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg bezog Belgien im Juli sein gesamtes (!) importiertes Flüssigerdgas aus Rußland. Zwar sanken die belgischen LNG-Einfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 40 Prozent auf rund 0,4 Millionen Tonnen. Die verbliebenen Mengen stammten jedoch ausschließlich aus Rußland.
Erdgas über Pipelines erhält Belgien weiterhin aus Norwegen und Großbritannien. Im vergangenen Jahr war das Land der fünftgrößte LNG-Importeur Europas. Das Terminal Zeebrügge zählt zu den wichtigsten Umschlagplätzen des Kontinents und belieferte auch Deutschland bereits vor dem Bau eigener LNG-Terminals. So gelangen über das europäische Gasnetz von dort weiterhin Gasmengen auch nach Deutschland.
Ein Grund für die Entwicklung ist der Iran-Krieg. Die Unsicherheit der Straße von Hormus beeinträchtigt den weltweiten LNG-Handel und läßt die Preise steigen. Zahlreiche europäische Versorger verzichteten deshalb auf zusätzliche Wintereinkäufe bzw. griffen wieder auf russisches Gas zurück. Nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald importierte die EU im ersten Halbjahr 2026 rund 16 Prozent mehr russisches LNG als ein Jahr zuvor und zahlte dafür 5,96 Milliarden Euro. Zu den größten Abnehmern gehörten Belgien, Frankreich und Spanien.
Das meiste russische LNG stammt aus dem Arktis-Projekt Yamal LNG des Konzerns Novatek. Daran halten Gazprom knapp zehn und TotalEnergies 19,4 Prozent der Anteile. Der bundeseigene Berliner Importeur Sefe prüft derzeit die Folgen des 21. EU-Sanktionspakets für seinen bis 2040 laufenden Vertrag über jährlich 2,9 Millionen Tonnen LNG. (mü)
Bildquelle: Wikimedia/Jan Arrhénborg/AGA/CC BY-SA 3.0
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