Künftig russisches Raketenziel: US-Konzern will Raketen in Deutschland bauen
Unterlüß. Deutschland wird wieder ein Stückweit mehr Kriegsgebiet. Denn der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin und der Düsseldorfer Wehrtechnikhersteller Rheinmetall wollen die Produktion von amerikanischen ATACMS-Kurzstreckenraketen – mit denen die ukrainischen Streitkräfte schon seit Jahren Ziele in Rußland angreifen – nach Deutschland verlagern. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am Rande des NATO-Gipfels in Ankara unterzeichnet. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ sollen die Planungen bereits weit fortgeschritten sein. Ein Rahmenvertrag wird noch für dieses Jahr angestrebt, der Produktionsbeginn könnte innerhalb der nächsten zwei Jahre aufgenommen werden.
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Erstmals würde damit ein US-Rüstungsunternehmen die Fertigung eines Waffensystems vollständig von den Vereinigten Staaten nach Europa verlegen. Bislang werden die Raketen im Bundesstaat Arkansas hergestellt. Dort stellt Lockheed Martin die Produktion jedoch auf das modernere Präzisionssystem PrSM um.
Nach Lockheed-Angaben bleibt die Nachfrage nach ATACMS in Europa hoch – was nicht überrascht, weil die Europäer damit die Ukrainer beliefern. Auch Lockheed-Europa-Chef Dennis Goege räumte das verklausuliert ein und sagte, Ziel sei es, „die Kapazitäten zu erweitern, die Verbündete angesichts wachsender Sicherheitsanforderungen benötigen“.
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Die Raketen sollen im niedersächsischen Unterlüß gefertigt werden, einem der wichtigsten Rheinmetall-Standorte. Dort hat der Konzern seine Kapazitäten zuletzt erheblich ausgebaut. Bereits im vergangenen Jahr nahm eine neue Fertigung für Artilleriemunition den Betrieb auf. Eine Fabrik für Raketenmotoren steht kurz vor der Fertigstellung; die Produktion von Antrieben und Komponenten für Lenkflugkörper soll 2027 beginnen.
Die Herstellung der für Kiew bestimmten Raketen in Deutschland ist brandgefährlich. Schon vor einigen Monaten hatte die russische Regierung mit Blick auf europäische Raketenhersteller ausdrücklich vor möglichen russischen Vergeltungsschlägen gewarnt und in diesem Zusammenhang eine Liste europäischer Produktionsstandorte veröffentlicht. Zwei davon liegen schon jetzt in Deutschland, einer sogar im Münchner Stadtgebiet. Sollte Moskau wirklich irgendwann der Geduldsfaden reißen, könnte das für die Bayern-Metropole verheerende Folgen haben. Auch Niederlüß wird infolge der amerikanischen Raketenproduktion künftig gefährlich leben. (rk)
Bild von Dice Me auf Pixabay
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