Immer mehr Kriegsdienstverweigerer: Bundeswehr hat Aufwuchsprobleme
Berlin. Wenn Kanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Pistorius mit Hochdruck auf die „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands zusteuern, haben sie die Rechnung womöglich ohne den Wirt gemacht. Immer weniger Deutsche sind bereit, sich als Wehrdienstleistende oder Soldaten zu verpflichten.
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Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung geht rasant nach oben. Bereits im ersten Halbjahr 2026 gingen beim zuständigen „Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ 5.862 Anträge ein. Damit wurde der Gesamtwert des Jahres 2025 mit 3.867 Anträgen bereits nach sechs Monaten deutlich übertroffen. Auch 2024 lag die Zahl mit 2.998 Gesuchen erheblich niedriger. Sogar der bisherige Höchststand seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 von 4.348 Anträgen ist inzwischen überschritten.
Gründe für die um sich greifende Verweigerung sind nach Einschätzung des RedaktionsNetzwerks Deutschland die angespannte internationale Sicherheitslage sowie das seit dem 1. Januar 2026 geltende neue Wehrdienstgesetz. Seitdem werden alle männlichen Jugendlichen nach ihrem 18. Geburtstag angeschrieben und müssen im Rahmen einer verpflichtenden Musterung Auskunft über ihre Bereitschaft zum Wehrdienst geben. Mit diesem Verfahren will die Bundeswehr genügend Freiwillige gewinnen, um ihre Truppenstärke von derzeit rund 186.000 auf 260.000 Soldaten bis zum Jahr 2035 auszubauen. Sollte dieses Ziel verfehlt werden, hält insbesondere die Union die Einführung einer Bedarfswehrpflicht für möglich.
Nach Angaben des RND stammen die Gesuche nicht nur von bislang Ungedienten, sondern auch von Reservisten und aktiven Bundeswehrangehörigen. Beratungsstellen berichten von wachsendem Andrang. (rk)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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