Ex-Polizist fordert härteren Kurs: „Mehrfachtäter kommen in der gleichen Nacht wieder auf freien Fuß“

Ex-Polizist fordert härteren Kurs: „Mehrfachtäter kommen in der gleichen Nacht wieder auf freien Fuß“
Foto: Symbolbild

München. Mit seinem Buch „Der Preis unserer Toleranz“ hat der ehemalige Polizist Nickolas Emrich einen Nerv getroffen – das Buch ist bereits nach wenigen Wochen ein Bestseller. Darin vertritt Emrich die These, innere Sicherheit sei zur „neuen sozialen Gerechtigkeit“ geworden. Im Interview mit dem „Münchner Merkur“ sprach er jetzt Klartext.

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Emrich zufolge hat sich der Begriff der sozialen Gerechtigkeit verändert. Für viele Bürger gehe es längst nicht mehr nur um das Einkommen oder soziale Leistungen, sondern um die nackte Sorge, daß der Arbeitsweg oder der Schulweg der eigenen Kinder nicht mehr sicher ist. Wer finanziell besser gestellt sei, könne Risiken durch einen Umzug oder andere Verkehrsmittel vermeiden. Menschen mit geringerem Einkommen hätten diese Möglichkeiten nicht.

Deutschland sei im internationalen Vergleich zwar weiterhin ein sicheres Land. Dennoch kritisiert Emrich den Umgang mit ausländischen Intensivtätern. Er fragt, weshalb Verfahren immer wieder eingestellt würden und aggressive Straftäter so schnell wieder auf freien Fuß kommen. „Mehrfachtäter kommen in der gleichen Nacht wieder auf freien Fuß“, sagt der frühere Polizeibeamte. Nach seiner Einschätzung spiegelten Kriminalstatistiken die tatsächliche Lage nur unvollständig wider, weil in belasteten Stadtvierteln zahlreiche Delikte gar nicht mehr angezeigt würden.

Als Beispiel für staatliche Versäumnisse nennt Emrich den jüngsten Berliner Terroranschlag auf den Christopher-Street-Day. Nach seiner Auffassung hätte die Tat aufgrund der bekannten Erkenntnisse verhindert werden können. Das eigentliche Problem liege in einem zu nachsichtigen Umgang mit Personen, bei denen eine erneute Straffälligkeit absehbar sei.

Als Konsequenz fordert Emrich eine konsequente Null-Toleranz-Politik. Wiederholungstäter müßten bis zum Abschluß ihres Strafverfahrens grundsätzlich in Untersuchungshaft bleiben. Schon als Polizist habe er erlebt, daß Personen nach „80 oder 90 Ladendiebstählen“ praktisch ohne Folgen geblieben seien. Auch eine Entkriminalisierung von Delikten wie Schwarzfahren lehnt er ab. Wer wiederholt gegen das Recht verstoße, verursache langfristig deutlich höhere Kosten für Polizei und Justiz.

Kritisch sieht Emrich außerdem eine zu starke Konzentration des Strafrechts auf die Täter. Das System richte den Blick vor allem auf deren Biographie und Schuldfähigkeit, das Opfer gerate dagegen häufig in den Hintergrund. Diese Entwicklung bezeichnet er als „Täterromantik“. (rk)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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